Meine Alliteration des letzten Wochenendes

… lautet „Bochumer Botschaft in Berlin“.

Freundschaftsbande versprengten mich am vergangenen Wochenende weg vom Heimspiel der Königsblauen, in die meines Erachtens sehr attraktive Hauptstadt, mit dem meines Erachtens sehr unattraktiven Erstligaclub. Und so stand ich mit einem mitgereisten Freund Samstag gegen 15 Uhr am Alexanderplatz, auf der Suche nach einer Kneipe mit Fußballübertagung.

Ein Taxifahrer hatte auch keinen konkreten Tipp, schickte uns in Richtung Prenzlauer Berg. Dort fragten wir den Nächstbesten. Jung genug, und sportinteressiert dreinschauend. „Ja, an der nächsten Ecke wird Bundesliga gezeigt. Ich gehe da auch hin. Ich kucke aber im Keller Bochum.“

Ein bisschen gewundert haben wir uns schon, aber bitte, es war fast 15.30 und wir sind mitgegangen, zu einer Kneipe die von draußen als solche nicht zu erkennen war, weil jegliche Beschilderung oder gar Leuchtwerbung fehlte. Vermutlich war die alte schon abgenommen und die neue noch nicht angebracht. Jedenfalls sind wir zuvor schon dran vorbeigelaufen ohne zu bemerken, dass sich hinter der Tür eine echte Fußballkneipe befindet: Mit zig Schals an den Wänden, einer großen Leinwand, Gambrinus-Bier und einem unaufgeregten, interessierten, angenehm gemischten Publikum. Was wir suchten!

Hier schauten wir die Konferenzschaltung und nicht nur Hertha. Die Frage danach, kurz nach betreten der Kneipe, hätte ich mir sparen können, der Anteil an Union-Schals war überproportional und während der 90 Minuten wurde Dejagahs zwischenzeitlicher Ausgleich im Olympiastadion am lautesten bejubelt. Oben, wohlgemerkt.

Denn eine Etage tiefer fieberten ca. 15 Leute mit ihrem VfL Bochum. Der Wirt klärte uns auf, dass die Kneipe der Sitz der „Bochumer Botschaft“ sei, und dass sie oben zwar für Union, aber auch grundsätzlich Fußballfans wären.
Die unten waren laut, wie es sich gehört; hoffnungsvoll beim Anschlusstreffer, aufgeregt vor dem Elfmeterpfiff, angeregt nachdem dieser erfolgte, ausgelassen beim Ausgleich. Zum Schluss nicht mehr ganz so laut.
Oben wurde von einigen immer das genaue Gegenteil beklatscht, weniger aus Überzeugung, mehr mit Augenzwinkern gegenüber denen unten.

Schön wars. Wir verlebten einen angenehmen Fußballnachmittag obwohl keine Königsblauen oder Roten Teufel (der Freund ist FCK-Fan) spielten. Und auch die anderen Gäste schienen zufrieden. Selbst die Botschafter waren ob ihrer Niederlage nicht völlig geknickt. Jedenfalls schaute der, der uns zu Anfang mitnahm, noch recht freundlich, als er Schulterzuckend an uns vorbei ging und die Kneipe verlies.

[Heute weiss ich, dass es sich bei der Kneipe um „S.O.S. Bodega“ handelte. Und auch nach der der „Bochumer Botschaft“ lies sich googlen.]