Das Problem der Straßenbahnderbys

… ist die Straßenbahn.

Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bedeutet für Fußballfans normalerweise eine Anreise mit dem Zug. Gegnerische Fans werden dann im Gelsenkirchener Hauptbahnhof zu einem anderen Ausgang geleitet und mit gesonderten Bussen zum Stadion gebracht. Das klappt meistens tadellos.

Bochumern reicht der Dienst der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA). Mit der Linie 302 geht’s direkt auf Schalke. Dies ist allerdings genau die Linie, die auch von Schalke-Fans für den Weg vom Gelsenkirchener Hauptbahnhof zum Stadion genutzt werden muss.

Da die BOGESTRA qua ihrer Existenz an das Gemeinsame zwischen Bochumern und Gelsenkirchenern zu glauben scheint, hält sie es nicht für nötig, die mit VfL-Fans gefüllten Kurzzüge um den Gelsenkirchener Bahnhof herum zu leiten. Jede Bahn schleicht also durch die auf einen leeren Wagen wartende Menge Schalke-Fans.

Auch freie Fahrt erhalten diese Bahnen nicht immer. Ab und an organisiert die BOGESTRA ein spontanes Fan-Benchmarking, indem sie eine dieser Bahnen tatsächlich direkt am Zustieg wegen eines roten Signals halten lässt. Der Höhepunkt der Hauptbahnhofbegegnungen am letzten Samstag war aber sicherlich die Überraschung, dass sich tatsächlich die Türen öffneten, als irgendein Schalker einfach mal auf den entsprechenden Knopf drückte!

Eine Szene wie in einer Komödie: Plötzlich waren alle mucksmäuschenstill, die sich gerade noch durch die Scheiben gegenseitig angeblafft hatten. Perplex ob der direkten Konfrontation, die so direkt wohl doch niemand wollte. Nichts bewegte sich.
Als sich die Türen wieder geschlossen hatten, ging das Gezeter augenblicklich weiter wie zuvor.

Lächerlich zwar, aber besser so. Wohl auch für die BOGESTRA.