Oliver Kahn

Na, das war doch mal ’ne Nachricht!

Kaum war im Radio der Name Oliver Kahn in einem Satz mit Schalke 04 zu vernehmen, explodierten sämtlichen Nachrichtenkanäle und Fan-Foren. Emotional war’s, und lustig. Witze wurden gerissen, über den, der früher mit Bananen empfangen wurde („Nahrungsergänzung, auf dass er lange lebe, der Olli!“) oder über den Schalke-Boss, dem man vieles nachsagt, nur kein Fachwissen („Ja, Herr Kahn, dann stellen Sie sich doch mal vor!“). Gestritten wurde, zwischen denen, die sich über einen „Titan“ in der Schalker Führung freuen würden und denjenigen, die in ihm den Boulevard-Bayern, den stets geschützten Irren sehen, mit zig Tätlichkeiten und ohne Rote Karte.

Oliver Kahn hat keine Erfahrung in diesem Job. Dies ist zum einen ein Argument gegen ihn, zum anderen lässt es uns mit dem Dilemma zurück, ihn für diesen Job überhaupt nicht einschätzen zu können. Es bleibt lediglich, sein öffentliches Auftreten, seine Interviews und sein Verhalten als Sportler zu bewerten, und sich diese Erkenntnisse zu Ausgangspunkten zu einer Managerkarriere zurechtzubiegen.

Oliver Kahns Ehrgeiz ist sicher über jeden Zweifel erhaben, ebenso sein Selbstvertrauen. Er ist eine Persönlichkeit und verfügt über eine gewisse Basta-Metalität. Führungsstärke kann man sich bei ihm gut vorstellen, und vor Reporterfragen erschrecken wird er sicher auch nicht. Er wäre der Kopf, an dem sich die Medien abreagieren könnten. Die Bildzeitung hat ihn zum Titan gemacht und will ihn nun wieder in der Liga sehen. Letztendlich hat Oliver Kahn diese „besondere Behandlung“ auch immer zu seinem Vorteil nutzen können.

Oliver Kahn als Fußballer war allerdings auch nie einer, den man mit den Attributen „modern“ oder „fortschrittlich“ versehen hätte. Neben einem starken Charakter und Medienkompatibilität wären es Begriffe wie „Vordenker“, „Kreativ“ oder „Innovativ“ die ich anführen würde, wenn ich nach einem Sportlichen Leiter suche, der konzeptionell arbeiten und Schalke 04 „nach vorne entwickeln“ soll. So gedacht fiele mir Oliver Kahn sobald nicht ein.

Mag sein, dass ich da mit Vorurteilen behaftet bin, dass ich ein falsches Bild von Kahn habe. Mag sein, dass er der richtige Mann für einen solchen Job ist. Oder eben nicht. Wir werden es erfahren, ob auf Schalke oder woanders. Unfreiwillig arbeitslos wird Kahn nicht bleiben.
Jedenfalls zitiert die Bildzeitung Aufsichtsratschef Tönnies mit dem Satz, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kahn-Engagements auf Schalke hoch sei – Während Reinhard Schüssler, der offenbar einen geeigneten Maulwurf im Schalker Aufsichtsrat aufgetan hat und schon vor Müllers Entlassung unangenehm auffiel, über einen nahezu chancenlosen Oliver Kahn berichtet.

Nichts genaues weiß man nicht. Oder vielleicht doch: Bild-Kahn-auf-Schalke-Ticker-Leser wissen immerhin, dass Oliver Kahn schneller pinkeln kann als Clemens Tönnies! Ein Gespräch nach nur 1:30 Min fortsetzen zu können ist zweifelsohne titanisch-weltklassig. Für nachfolgende Gesprächspartner ist dies eigentlich nur durch Unterlassen des Händewaschens zu unterbieten. Wir werden das verfolgen. Peinlich genau.