Zeit für Lobbyisten

In den letzten Jahren ist die Welt immer kleiner geworden. Wer früher darauf wettete, dass die TSG Sprockhövel Unentschieden gegen Germania Windeck spielen würde, kann heute voraussagen, welcher Spieler im 3. Spiel der 2. norwegischen Liga als erstes einen Gelbe Karte sehen wird. Wenn Wetten zum Problem wird, hat man es mit einem globalen Problem zu tun. Ein globales Problem lässt sich durch nationale Gesetze nicht lösen.

Seit Jahren verdient die Bundesliga viel Geld mit Werbung privater Wettanbietern, obwohl in Deutschland die Nutzung dieser Anbieter verboten ist. Nun nehmen Deutschlands Fußballfunktionäre den aktuellen Wettskandal zum Anlass, sich für ihre Sponsoren einzusetzen. Sie fordern eine „Liberalisierung“, d.h. ihrem Geldgeber soll das Geschäft erleichtert werden, auf dass der Geldgeber mehr Geld gäbe. Als könne man vermuten, es wäre auch nur in einem Fußballspiel weniger betrogen worden, gäbe es mehr Wettanbieter in Deutschland.

Unabhängig davon, ob man die staatliche Regelung zu Glücksspielen in Deutschland befürwortet oder nicht: Diese Lobbyarbeit ist so offensichtlich dass es schmerzt. Die schmalen Gedankengänge sind so plump, dass es fast peinlich ist. Allein es fehlt die öffentliche Empörung – wohl weil das Volk gerne wetten will.
Die Hure Bundesliga liegt seit langem mit ihrem Glücksspielfreier im Bett. Nun möchte sie mit ihm flanieren.