Schalke geht weiter

Gestern gab Manuel Neuer bekannt, dass er seinen Vertrag beim FC Schalke 04 nicht verlängern wird. Er wird demnächst für den FC Bayern München das Tor hüten. Er stellte dar, dass die Grundlage für seinen Entschluss eine Trennung zwischen seinem Ich als Schalker und seinem Ich als Profisportler war und ist. Ich halte das für nachvollziehbar.

Manuel Neuer hat das Talent, der beste Torwart der Welt werden. Für diesen Titel gibt es keine Statistik. Man ist es, wenn man die Leistung abliefert, wenn es erkannt wird und wenn die Fußballwelt sagt, dass man es ist. Dafür muss man in der ersten Reihe agieren. Schalke 04 ist im Weltfußball nicht die erste Reihe. Bayern München ist, trotz der aktuellen sportlichen Probleme, eine feste Größe in der Champions League. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ich glaube Manuel Neuer, dass es in erster Linie um diesen Ehrgeiz geht.

Dass Manuel Neuer stets offen vortrug, Fan seines Vereins zu sein, fliegt ihm nun um die Ohren. Der Wechsel vom kickenden Fan zum Profi wird ihm als Verrat an der Liebe zu seinem Verein ausgelegt. Man kann anführen, dass Manuel Neuer durch seine bewusste Darstellung als „Heimat-Schalker“ das Verlangen nach Treue geschürt hat. Damit lässt sich die Wut vieler Fans erklären.

Dass sich Manuel Neuers Verbundenheit zum FC Schalke 04 verändert hat, dass er den Verein gar „verrät“, denke ich nicht. Dass Profifußballer nicht für den Club ihres Herzens spielen ist Gang und Gäbe. Häufig weil es sich einfach nicht ergibt, in diesem Fall eben weil der Heimatverein zu eng geworden ist. Übrigens schützt die Verbundenheit zum Verein auch nicht generell vor Fankritik. Joel Matip beispielsweise kam als 9-Jähriger Knirps zum FC Schalke 04, er kann damit wohl auch mit Fug und Recht als Schalker Jung bezeichnet werden. Als es zu Beginn der Saison nicht gut für ihn lief war er bei vielen Fans flott unten durch, echter Schalker hin oder her. Treu sein sollen also vor allem die Guten.

Mir gefällt das alles auch nicht. Ich mag Manuel Neuer, ich bewundere sein außergewöhnliches Spiel. Bis heute und noch ein paar Spiele ist er der wichtigste Teil der Schalker Defensive. Danach muss ich ihm die Pest an die Handschuhe wünschen. Übel. Aber Schalke geht weiter.



Foto: Tomek Bo