Von Künstlern und dem Nikolaus

Der heilige Nikolaus, dessen wir am heutigen Tag Gedenken, war ein Bischof. Die historische Person soll zwischen 260 und 365 gelebt haben. Ich glaube, zu dieser Zeit war ein rotes Gewand noch dem Papst vorbehalten, aber da kann ich mich irren. Ziemlich sicher bin ich mir hingegen, dass der Bischof nicht mit Zipfelmütze unterwegs war. Aber man hat eben so sein Bild, dass von der Umwelt beeinflusst wurde.

In Sachen Nikolaus soll Coca-Cola an der Vermischung des Bildes eines Bischofs mit dem eines in firmenfarben plüschig gekleideten Weihnachtsmanns gearbeitet haben. Wohl weniger geplant, aus einem gesellschaftlichen Ich-Verständnis heraus, wird hierzulande ein technisch begabter Fußballer mit einem Künstler asoziiert, und ihm wird in der Folge eine gewisse Faulheit zugesprochen. Ein Künstler, das war seit jeher für die sich gerne als allesamt hart arbeitend glorifizierenden Leute im Ruhrgebiet ein Müßiggänger. Einer der erst dann aktiv wurde, nachdem ihn eine merkwürdige Muse endlich küsste.

In diesem Kontext fällt der Begriff „Künstler“ häufig im Zusammenhang mit José Manuel Jurado. Er ist der mit den Geistesblitzen ab und an, der ganz plötzlich tolle Dinge kann, auf die man aber eben immer wieder eine ganze Weile warten muss. Ich denke das ist falsch, alles, sowohl die Bezeichnung, als auch das Warten. Auch Künstler können produktiv sein, Fußballspieler müssen es. In der Zeit, in der ein Spieler nicht das Außergewöhnliche leistet, muss er zumindest normal Gutes bringen, als einer von Elf. Dann ist alles ok, dann warte ich gerne. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, ist er auf dem Spielfeld so falsch wie der Weihnachtsmann am 6. Dezember.