Keller bleibt: Heldt scheitert erneut

Jens Keller bleibt vor allem deshalb Trainer auf Schalke, weil Horst Heldt nicht geschafft hat, einen „Wunschtrainer“ zu verpflichten. Dass Keller genügend Rückhalt erfahren wird, die nächste sportliche Krise zu überstehen, ist nicht zu erwarten. Die bestmögliche Chance auf einen Neuanfang auf der Trainerposition nach Ralf Rangnick wurde kläglich vergeben.

Ralf Rangnick war ein Wunschtrainer Horst Heldts. Als sich dieser krankmeldete wollte Schalkes Manager nicht die schnellste, sonder die beste Lösung. Er wollte einen Trainer verpflichten, der Rangnick ähnlich ist; und kam nur fünf Tage später mit Huub Stevens um die Ecke, dem Rangnick unähnlichsten Trainer in der Geschichte der Bundesliga. Die Zeit hätte eben gedrängt hieß es, zu dem Zeitpunkt hätte Heldt sein vorhaben nicht umsetzen können, die Vorraussetzungen seien schlecht gewesen.

Als Huub Stevens Mitte Dezember beurlaubt wurde und Horst Heldt ziemlich deutlich kommunizierte, dass Jens Keller die Mannschaft nur bis Saisonende betreuen würde, hätten die Vorraussetzungen besser nicht sein können. Fünf Monate Zeit um einen Trainer zu finden, der zu Beginn der Folgesaison startet. Fünf Monate, um ein Anforderungsprofil zu erstellen, Kandidaten zu scouten und eine entsprechende Liste abzuarbeiten.

Horst Heldt wollte Thomas Tuchel, er wollte Christian Streich, und wenn Armin Veh gewollt hätte, hätte „die Geschichte mit Schalke sicher an Fahrt aufgenommen“. Aber Veh wollte so wenig nach Schalke wie die anderen.

Deshalb darf Jens Keller weiter machen. Nicht weil sich in der Zwischenzeit irgendwas Grundlegendes verbessert hätte oder weil sein „schlüssiges Konzept die Entscheidungsträger überzeugt“ hat, wie nun der Öffentlichkeit weisgemacht werden soll. Nicht weil die Ergebnisse keine Entscheidung gegen ihn zugelassen hätte, seine Pflichtspielbilanz ist durchschnittlich (8 Siege, 4 Unentschieden, 7 Niederlagen). Nicht weil seine Präsenz überragt, so was wie Aufbruchstimmung konnte er nie entfachen. Er ist einfach nur da, wo von denen, die Horst Heldt wollte, keiner hin will.

Jens Keller mag ein guter Trainer sein. Dafür, wie er die ständigen ambivalenten Statements Tönnies’ und Heldts ertrug, hat er großen Respekt verdient. Trotzdem wird er auf Grund der Art und Weise des Zustandekommens seiner Weiterbeschäftigung das „Notlösung“-Label nicht so schnell loswerden. Auf WDR 2 wurde bereits nach der unsäglichen Niederlage gegen Stuttgart die Frage gestellt, ob er bei einer weiteren Niederlage in Freiburg nicht gleich wieder entlassen werden müsse. Ich denke nicht, dass Jens Keller derjenige sein kann, mit dem Horst Heldt durch „Dick und Dünn“ gehen wird. Dabei bräuchte Schalke genau das, einen Trainer, von dem die Klubführung so überzeugt ist, dass ihm auch kurzfristige Misserfolge zugestanden werden, um Kontinuität zu wahren, um Erfolg solide aufzubauen, statt ihn durch den x-ten Umbruch vom Umbruch mit zig Millionen erkaufen zu müssen. Einen Wunschtrainer.

Horst Heldt wird weiter suchen und weiter entlassen. Demnächst Jens Keller.