Schattentrainer Tuchel

Schalke ist schlecht in die Saison gestartet und nicht nur die Ergebnisse, auch das Spiel der Blauen enttäuscht. Viele Fans fordern die sofortige Ablösung von Trainer Jens Keller, auch deshalb, weil sie Jens Keller mit Thomas Tuchel vergleichen. Dieser ist derzeit ohne Job und spätestens seit bekannt wurde, dass sich Horst Heldt bereits in der letzten Saison mit ihm beschäftigte, schwebt er als Schalkes Quasi-Zukunfstrainer über dem Berger Feld; zumindest in den Köpfen der Fans. Aber was ist, wenn er es nie wird?

Keine Frage: Auch ich sehe Jens Keller kritisch und auch ich halte Thomas Tuchel für einen sehr guten Trainer, den ich mir bestens auf Schalke vorstellen könnte. Jens Keller ist nun seit mehr als anderthalb Spielzeiten Trainer auf Schalke und machte nie den Eindruck als sei er Herr der Lage, als führe er diesen Club, als wäre er es, der die Richtung vorgibt. Von Beginn an wirkte er getrieben und fehl am Platz, auf der großen Bühne, die Schalke 04 nun mal ist. Mittlerweile wurden unter Jens Keller vier Vorbereitungszeiten absolviert. Dreimal startete Schalke danach schwach in die nächste Runde. An Formation oder Spielstil hat sich nie Entscheidendes geändert, lediglich das Personal wechselte in dem von Manager Heldt vorgebenen Rahmen. Jens Keller war Interim-Trainer und ist es bis heute, auch wenn Schalke es verpasste, ihn nach einem halben Jahr abzulösen.

Thomas Tuchel hat bereits bewiesen, dass er sogar einem eher durchschnittlichen Kader eine bemerkenswerte taktische Flexibilität beibringen kann. Er hat gezeigt, dass er während Spielen schnell reagieren und Einfluss nehmen kann. Gemessen an den Möglichkeiten des FSV Mainz 05 war Thomas Tuchel bereits über Jahre ein erfolgreicher Bundesliga-Trainer. Für ihn würde ein Club wie Schalke 04 einen passenden Schritt in der Karriere darstellen. Zudem ist er auch in der Disziplin Öffentlichkeitsarbeit gut, einer, der diesen Club gut darstellen und eine gewisse Euphorie entfachen kann. Thomas Tuchel verkörpert Ehrgeiz, so wie ich es mir wünschen würde von demjenigen, der die Profimannschaft meines Clubs zu führen hat.

Aber Horst Heldt scheiterte bereits im Frühjahr 2013 daran, einen „Wunschtrainer“ zu verpflichten. Was, wenn auch auf Jens Keller nur die nächste Notlösung folgt? Schwebt Thomas Tuchel mittlerweile nicht derart hoch über allem, dass jede andere zukünftige Trainerverpflichtung enttäuschend wäre?
Hiermit fordere ich von jedem „Keller-Raus“-Fan ein Selfie, falls plötzlich Markus Babbel auf Schalkes Bank sitzt …