Alles schön auf Schalke – Nur der Fußball stört

Kurz vor Schluss gewinnt Schalke sein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart doch noch mit 3:2. Jubel brandet auf, danke, bitte, Abpfiff. Zuvor saß ich mal wieder lange Zeit auf meinem Platz, schaute ins sonnige, so schön anzuschauende blau-weiße Rund und fragte mich, wie Schalke 04 es schafft, mit solch langweiligem Gekicke das Stadion immer und immer wieder voll zu bekommen. Letztlich kam ich drauf. Wir gehen nicht wegen, sondern trotz des Fußballs auf Schalke!

Wir gehen ins Stadion, weil die immer gleiche Abfolge des Drumherum einem fast religiösen Ritus folgt. Wir gehen, weil wir dort Freunde treffen. Um zu quatschen, um zu trinken. Ich gehe immer wieder gerne zusammen mit meinem Sohn, weil Schalke „unser Ding“ ist. Vor mir sitzt einer, der geht auch deshalb, weil er dort rauchen kann; daheim glaubt die Frau, er rauche seit Jahren nicht mehr – wenigstens tut sie so.

Wir feiern gerne, und wenn Schalke mal wieder schlecht spielt, feiern wir uns eben selbst, oder schöne Erinnerungen. Es ist eher selten, dass wirklich das ganze Stadion gemeinsam die Mannschaft anfeuert. Wird aber der „Mythos“ besungen, oder der Weg zum UEFA-Cup-Sieg, da singen alle mit! Gegen Stuttgart griff sogar das Lied von den „unter Brücken schlafenden, asozialen Schalkern“ auf die anderen Tribünen über. Das beginnt mit „Wir sind Schalker“, und darum geht’s vor allem. Wir besingen, feiern und mögen was wir sind, nicht was wir sehen.

Denn gesehen haben wir mal wieder über weite Strecken des Spiels kaum was. Träger Spielaufbau, Pässe ins nichts, schlecht aufeinander abgestimmte Mannschaftsteile. Man hätte nicht erwarten können, dass Schalke Glanzfußball zeige, man hätte eine „unglaubliche Moral aufgebracht“, gab Benedikt Höwedes später zu Protokoll. Liest man sowas, ohne eine Ahnung um die Situation, könnte man glauben, da spräche ein Spieler eines unterklassigen Clubs nach einem Pokalfight gegen einen Bundesligisten. Aber so dramatisch wars nicht. Schalke zeigte sich auf Augenhöhe mit dem aktuellen Tabellenletzten – und tatsächlich hatte schon zuvor auch kaum jemand an mehr geglaubt.

Immer mehr Schalker stört dieser Fußball. Meine beste Freundin, im Stadion neben mir und seit Arena-Eröffnung auf diesem Platz sitzend, wird ihre Dauerkarte am Saisonende abgeben. Eine von vielen, man hört es immer wieder. Andere werden kommen und hoffentlich auch keinen guten Fußball erwarten. Echte Schalker sind sie, wenn sie es halten wie wir, die bleiben: Das Geschehen auf dem Platz, mit der guten Hoffnung auf einige Highlights, vor sich hin plätschern lassen, und derweil sich selbst am richtigen Ort genügen. Mit einem fröhlichen Glückauf auf den Lippen.

Foto: Ute Lochner, vfbegeisterung.de