Die Relegation: Dramatik als Qualität

Die Relegationsspiele zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC boten viel schwachen Fußball, aber letztlich eben doch viel Dramatik. Davor, währenddessen und danach: Immer wieder höre oder lese ich, dass man die Relegation unbedingt abschaffen müsse, weil sie nicht fair sei. Ich kann das nicht verstehen. Fairness im Profiwettbewerb ist eine Illusion und der gestrige Showdown war ein Highlight, wenn nicht das Highlight der Saison! Davon lebt die Liga.

Die Bundesliga hat einen Meister für den die Schale nicht mehr als ein Trostpreis ist, für den die Bundesliga nur noch Trainingsbetrieb darstellt. Einen Kampf um den Titel gibt es nicht mehr, an ihrer Spitze ist die Liga gähnend langweilig. Der Pokalwettbewerb hat Charme, aber der diesjährige, vom Weltkonzern gepimpte Titelträger ist so sympathisch wie ein Furunkel am Hintern, und die Feier dieses Titelgewinns war kaum mehr als ein Betriebsausflug. Nichts, was dem Fußballfan irgendwelche Emotionen hätte bescheren können. Natürlich ist da für Vereinsfans noch der Kampf um die Plätze, aber dabei geht es eben nur um Zukunft. Emotionen müssen aber im Hier und Jetzt gelebt werden.

Im gestrigen Relegationsspiel konzentrierte sich eine Saison auf kaum mehr als eine Stunde. Etablierte Großkotze kurz vor dem Fall. Emporkömmlinge mit mehr Herz denn Plan. Ein Plot der sich zu der Geschichte „historischer Ligawechsel“ aufbaute, der dann durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters umgestoßen wurde; der dann auf ein Elfmeterschießen als dramatischste Variante zulief, aber auch von dieser Schiene gerissen wurde, durch die Entscheidung, kurz vor Schluss.

Das ist Bundesliga. An eine im April feststehende Meisterschaft mit 15 Punkten Vorsprung kann sich in zwei Jahren niemand mehr erinnern. Das gestrige Spiel wird ewig in Erinnerung bleiben. Bei HSV- und KSC-Fans, und bei allen diesen Freaks, für die der Fußball nicht nur aus Taktiktafeln besteht, für die Qualität nicht erst im Viertelfinale der Champions League beginnt, die eben auch Leidenschaft und Dramatik als Qualität erachten.