Die endlose Reihe der Überzeugten

André Breitenreiter ist davon überzeugt, auf Schalke erfolgreich sein zu können. Eben wie alle anderen Schalke-Trainer vor ihm auch. Als Zuschauer ist man durchaus erstaunt, dass die Reihe derjenigen, die es versuchen wollen, offensichtlich nie endet.

Mirko Slomka, Fred Rutten, Felix Magath, Ralf Rangnick in seinem zweiten Versuch, Huub Stevens in seinem zweiten Versuch, Jens Keller erst als Interims- und dann als Dauerlösung, Roberto Di Matteo und nun eben André Breitenreiter: In den achteinhalb Jahren, in denen ich diesen Club bloggend begleite, versuchten sich auf Schalke acht Cheftrainer. Die Charaktere hätten unterschiedlicher nicht sein können. Jeder hatte seine Qualitäten, sie hatten unterschiedliche Führungsstile, unterschiedliche Spielideen, unterschiedliche Arten, mit Fans und Medien zu kommunizieren. Immer gab der Club vor nach Kontinuität zu streben, immer stand ein „jetzt aber“ und ein „mit dem aber“ dabei im Raum.

Dass alle diese sehr verschiedenen Vorgänger André Breitenreiters aus unterschiedlichsten Gründen gescheitert sind lässt erahnen, dass es wohl eher am System Schalke liegt, dass die gewollte Kontinuität nie erreicht wurde. Man hätte vermuten können, dass die Fußballlehrer Land auf Land ab dies auch gesehen haben, dass es schwierig sei noch jemanden zu finden, der sich dafür hergibt. Aber es ist anders, da kommt immer ein Nächster.

Es muss daran liegen, dass man im Profifußball dazu erzogen wird an sich zu glauben und Zweifel abzuschalten. Ohne die absolute Überzeugung bezüglich der eigenen Qualitäten steigt niemand in den Profibereich auf. Jeder neue Trainer auf Schalke formuliert, dass es ihm mehr oder wenige egal ist was vorher war. Jeder glaubt, dass es mit ihm anders werden wird, jeder entwickelt seinen eigenen Ehrgeiz, seine Gier, Schalke zu schaffen. Und dieses Ziel erscheint wunderbar.

Auf Schalke gibt es sicher gutes Geld zu verdienen, aber das alleine taugt nicht als Erklärung. Es ist die Größe der Bühne. Es ist die Sucht nach dem Jubel, der von hier aus überall im Land gesehen wird. Dieser Club gibt einem die Möglichkeit gegen Real Madrid und Inter Mailand anzutreten, sogar zu gewinnen. Wer erahnen will worum es geht möge sich an die Ehrenrunde Felix Magaths erinnern, nach dessen erster Saison auf Schalke, der zuvor schon so viel gewann und der doch völlig aufging in diesem Jubel, in diesem Moment. Schalker, das sind viele, das ist eine große Masse, die Anziehungskraft ist entsprechend – fast als hätte Isaac Newton Schalke schon erklärt.