Die moderne Form des Schalker Kreisels

Früher stand der Begriff Schalker Kreisel für ein erfolgreiches Spielsystem der Blauen aus Gelsenkirchen. Heute taugt der Kreisel vor allem als Symbol für die Schalker Personalpolitik: Man weiß nie so recht in welche Richtung die Entscheidungen fallen. Jüngstes Beispiel ist der Fall Sydney Sam. In der vergangenen Saison wurde er mit lautem Getöse suspendiert. Nach der Verpflichtung des neuen Trainers wurde bestätigt, dass Sam nie wieder für Schalke spielen soll. Ab heute gehört er wieder zur Mannschaft. Schalke kreiselt weiter.

Schalke hat sich Sidney Sams Verpflichtung seinerzeit einiges kosten lassen. Durch die Suspendierung verlor der Spieler deutlich an Marktwert. Zuletzt wollte ihn Eintracht Frankfurt ausleihen, es war zu lesen dass Schalke dabei noch einen Teil von Sams Gehalt übernehmen sollte. Nachdem er den Medizincheck nicht bestand galt er endgültig als nicht mehr vermittelbar.

Ihm eine zweite Chance auf Schalke zu gewähren sei deshalb sehr vernünftig, sagen nun manche. Ihn spielen zu lassen sei die einzige Chance, seinen Wert nochmal zu erhöhen. Das mag stimmen. Für falsch halte ich die Entscheidung trotzdem. Denn dieser Fall ist ein Weitermachen, das nächste Beispiel dafür, mit wie wenig Linie Schalke 04 Spieler verpflichtet und führt. Diese fehlende Linie ist aber der Grund dafür, dass sich Schalke regelmäßig in solche Situationen bringt, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen, um noch das vermeintlich Beste aus schlechten Situationen zu machen!

Schalke gehört nicht zu den größten Fischen im Aquarium Profifußball, eigentlich müsste Schalke gelegentlich auch mal „Haihappen liefern“, Spieler verpflichten, besser machen und an größere Clubs verkaufen. Tatsächlich ist es aber die Regel, dass von Schalke eingekaufte Spieler den Club weniger wertvoll verlassen. Schalke verbrennt Spielerwerte, weil es bei seinen Einkäufen nicht planvoll vorgeht. Weil letztlich regelmäßig irgendwas nicht stimmt, weil Schalke dann wieder kurzfristig entscheidend, wieder ohne Linie ist, wie bei Sidney Sam.

Sam selbst wurde nach einer guten Saison in Leverkusen auf Schalke geholt, obwohl es seine Position im Schalker Spiel nicht gab und er als verletzungsanfällig galt. Kevin-Prince Boateng wurde bewusst als Führungsspieler installiert, dann aber irgendwann nicht mehr als solcher behandelt und letztlich suspendiert, weil man mit seinem Ego nicht zurecht kam. Tranquillo Barnetta wurde verpflichtet und fortan nie ein komplettes Spiel auf seiner besten Position eingesetzt. Barnetta wurde mit finanziellem Verlust weggeschickt, kam zurück, blieb aussortiert, war dann unter Di Matteo plötzlich wieder wichtig, dann wieder unwichtig, und wurde letztlich nicht mal verabschiedet, als sein Vertrag auslief. Jermaine Jones wechselte noch extremer zwischen unersetzlich und nicht gewollt, wurde auch suspendiert, war danach gleich wieder Stammspieler und wurde kurz drauf trotzdem abgeschoben. Adam Szalai wurde geholt, um einen Stürmertyp ähnlich wie Huntelaar als Backup zu haben, und er wurde verkauft, weil man ein Jahr später lieber einen anderen Stürmertyp neben Huntelaar haben wollte.

Diese Liste ließe sich beliebig lange fortführen. Spieler wie Bastos, Marica, Jurado oder Pukki wussten letztlich wohl überhaupt nicht, wieso Schalke 04 sie überhaupt nach Gelsenkirchen geholt hat. Spieler wie Obasi oder Santana haben nie funktioniert.

Mit Jefferson Farfán wurde seinerzeit für 10 Millionen Euro viel Qualität eingekauft. Er spielte stets auf seiner Position und brachte seine Leistung. Julian Draxler ist ein großes Talent, überhaupt liefert die Knappenschmiede Talente, die wertvoll sind. Werte, die Schalke letztlich zu Geld machen muss. Um die inkonsequente Personalpolitik zu finanzieren, die gestern in der zweiten Chance für Sidney Sam ein Symbol für die moderne Form des Schalker Kreisels gefunden hat.