Tschöö Julian!

Ich mag Julian Draxlers Spiel sehr und habe mich sogar immer als Fan dessen bezeichnet. Ich mag seine Dynamik. Wenn er mit Tempo nach innen zieht, im Zentrum ankommt, von wo aus er mit beiden Füßen einen tollen Abschluss hat oder eben mit Übersicht abspielen kann. Ich habe seine Fähigkeiten immer gerne mit denen Rafael van der Vaarts verglichen; als der noch gut war. Gerne hätte ich Julian Draxler weiter auf Schalke spielen sehen.

Fan seines Spiels, aber Fan des Spielers war ich nicht. Das gelingt mir irgendwie nicht mehr, nicht nur bei Julian nicht, generell. Vielleicht bin ich dazu einfach zu alt. Vielleicht war es aber auch tatsächlich der Wechsel Manuel Neuers, der mich veränderte. Manuel Neuer fühlte ich mich irgendwie verbunden. Sachlich konnte ich seinen Wechsel nachvollziehen, aber es tat trotzdem weh, und die Art und Weise ärgerte mich letztlich mehr als ich es wollte.

Julian Draxler gab sich immer distanzierter als Manuel Neuer. Ich nehme an, er wollte aus Manus Fall lernen. Am Ende hat er eigentlich gar nichts mehr gesagt. Jetzt muss er erfahren, dass es egal ist, wie man sich gibt. Als Junge von hier, der weg will, kann man „es“ nicht richtig machen.

Meines Erachtens hat Julian Draxler nichts wirklich falsch gemacht. Nach seinem Einstand, mit dem Big Bang in der Verlängerung des Pokalspiels gegen den 1. FC Nürnberg, und nachdem ihm wirklich jeder mehrmals das Wonderkid-Label aufgepappt hatte, überstiegen die Erwartungen an ihn alle Maße. Julian Draxler ist heute noch erst 21 Jahre jung. In diesem Alter hat er schon unglaubliche viereinhalb Spielzeiten als Profi auf Schalke hinter sich – und diese immer unruhig, mit 6 verschiedenen Trainern! Er ist heute noch nur im Alter eines Talents, aber die Schalke Nation geht davon aus, dass er den Club schon in der Vergangenheit hätte tragen sollen.

Also entschied er sich dazu, woanders „erwachsen“ zu werden, und brachte dem FC Schalke 04 damit soviel Geld ein wie noch nie ein Spieler oder ein Wettbewerb zuvor. Schalker bleibt er, selbstverständlich, egal wer was auch kräht – so wie auch Manuel Neuer stets Schalker bleiben wird, egal wer was auch kräht. Ich würde mir ja wünschen, dass es auf Schalke ganz leise wird, still, wenn Julian Draxler im falschen Trikot zurückkommt. Damit er das Besondere spürt. Aber vermutlich spuckt der Mob wieder Gift und Galle, wie bei Manuel Neuer, und ich muss zusehen, dass mein Sohn von einem zum fremdschämen und unwürdigen Schauspiel möglichst wenig mitbekommt …

Gestern schrieb Sead Kolasinac seinem Zimmerkumpel Julian auf seiner Facebook-Seite einen „Abschiedsbrief“. Nette Worte, wie ich finde. Denen mag ich mich anschließen, auch wenn ich nicht weiß was „brate“ bedeutet:

Dir, Julian, nur das Beste! Aber Deinem neuen Club alles Pech der Welt.

Glück auf.

Lieber Julian,

dein halbes Leben hast du Auf Schalke verbracht! Davon waren die letzten Jahre unsere gemeinsamen Jahre!…

Posted by Sead Kolašinac on Mittwoch, 2. September 2015

Foto: Tomek Bo