Joel Matip: Der Kumpel geht. Die Kohle fehlt.

Nun ist es Gewissheit. Joel Matip wird den FC Schalke im Sommer verlassen und nach England wechseln, zu Liverpool, zu Jürgen Klopp. Dazu kann man ihn beglückwünschen. Schalke verliert seinen besten und wertvollsten Defensivspieler und bekommt nichts dafür. Das ist fürchterlich.

Joel Matips Stärke ist der Blick für die Situation. Ihn sieht man selten grätschen. Nicht weil er das nicht könnte, sondern weil er es nicht muss, weil es besser ist auf den Beinen zu bleiben, weil er mit den ersten Schritten so häufig die richtige Richtung einschlägt. Außerdem hat er ein ordentliches Passspiel und ist torgefährlich. Seine Vorstöße mit raumgreifenden Schritten waren schon so manches Mal ein geeignetes taktisches Mittel. In der aktuellen Saison führt Joel Matip Schalkes Kader in den Statistiken „Geblockte Schüsse“, „Klärungen“, „Abgefangene Pässe“ und „Gewonnene Kopfball-Zweikämpfe“ an.

Nein, ich nehme Joel Matip diesen Wechsel nicht übel. Er spielt auf Schalke seit er 8 Jahre alt war. Er wechselt zu einem coolen Club. Er wechselt in die Premier League und damit auf die größte Bühne im Ligafußball. Er wechselt zu einem Trainer der ihn sehr gut kennt, für den er kein Versuch ist, der weiß was er an ihm hat. Ich bin gespannt. Tatsächlich freue ich mich darauf, Joel Matips Weg weiter zu verfolgen.

Nein, ich nehme es Schalke nicht übel, dass man Joel Matip nicht halten konnte. Aber ein Vertrag mit einem Spieler aus der Knappenschmiede, der sich derart entwickelt hat, der in die Premier League wechselt, darf niemals ablösefrei enden. Niemals.

Dieses Produzieren von Spielerwerten über die Jugendabteilung ist Schalkes Geschäftsidee, die nicht zuletzt von Horst Heldt dazu gemacht wurde. Bei den Verpflichtungen fertiger Spieler hat Schalke in den letzten Jahren stets draufgezahlt. Mit dem Geld aus den Wechseln von Manuel Neuer und Julian Draxler hat der Club Löcher gestopft, die durch verpasste Champions League Qualifikationen und Fehleinkäufe entstanden sind.

Im Fall Joel Matip handelte Schalke einmal mehr nicht vorausschauend genug. Fragen nach Matips Ablösefreiheit begegnete Horst Heldt mit einer ganz eigenen Logik. Es wäre nicht darum gegangen, mit Matip „Kasse zu machen“, man brauche seine Qualität. Im Sommer bleibt Schalke aber nun weder diese, noch die Kasse.



Foto: Tomek Bo