Meine 7 Wünsche für Schalke 04

Nach der Saison ist vor der Saison und nach Horst Heldt folgt Christian Heidel. Noch bevor er richtig da war hat er André Breitenreiter mitgeteilt, dass er nicht länger Trainer des FC Schalke 04 sein wird. Am Mittag seines ersten offiziellen Arbeitstages wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Schalkes neuer Sportvorstand legt ein ordentliches Tempo an den Tag. Es gibt aber auch wirklich genug zu tun, nicht nur für ihn, auch für den nächsten Trainer und für den ganzen Verein. Zusammengefasst komme ich auf 7 Punkte, die abzuarbeiten notwendig sind, um den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.
 

  • Den Wunschtrainer verpflichten
  • Gradlinig handeln
  • Eigendarstellung verbessern
  • Selbstbewusst sein und handeln
  • Die Löcher im Kader stopfen
  • Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln
  • Demokratie leben

 
 
Aber der Reihe nach …
 
 
Den Wunschtrainer verpflichten

Alles steht und fällt mit dem Mann, der für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich ist. André Breitenreiter und Horst Heldt haben nicht gut zusammengearbeitet. Der Manager meinte, mit dem Kader wäre mehr möglich gewesen. Der Trainer forderte Verstärkungen die er nicht bekam. Schon früh war zu erahnen, dass es sich bei Breitenreiter und Heldt um eine Zweckgemeinschaft handelte. Zuletzt ließ Heldt durchblicken, dass er einst Thomas Tuchel verpflichten wollte, dass er sich damit im Club aber nicht durchgesetzt habe.

Christian Heidel muss sich durchsetzen. Er muss einen Trainer aussuchen von dem er absolut überzeugt ist. Er muss seine Entscheidung den Schalker Gremien erklären, sie überzeugen. Schalke braucht ein gut harmonierendes Trainer/Manager-Duo, ein Tandem das sich gegenseitig wertschätzt, unterstützt und notfalls verteidigt. Gegenseitiges Vertrauen der handelnden Personen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Arbeit.
 
 
Gradlinig handeln

Mal Hüh, mal Hotte lief es unter Horst Heldt. Egal was er sagte, man konnte sich nie sicher sein, ob er nicht vielleicht zwei Tage später das Gegenteil entschied. Mal gab er „bewusst kein Ziel“ aus, um später zu sagen dass man seiner Ansicht nach doch in die Champions League-Ränge kommen müsse. Mal gab er Ultimaten aus um später drauf zu pfeifen. Er polterte, warf Spieler raus, nur um sie später wieder reinzuholen. Er gab bekannt, Schalker Spieler würden in Zukunft unbedingt innerhalb eines gewissen Umkreises um Gelsenkirchen wohnen müssen, ohne das jemals umzusetzen oder auch nur selbst nach Gelsenkirchen zu ziehen.

Unter Horst Heldt wurden Spieler verpflichtet, die danach vom Trainer nie auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Man plante eine Saison mit dem damals wertvollsten Talent als Spielmacher, um nach drei Spieltagen die Planung über den Haufen zu werfen und für viel Geld einen (mehr als) fertigen Star zu verpflichten. Am Ende flüchtete das Talent und den Star schmiss man raus. Unter Horst Heldt agierte Schalke stets nur kurzfristig. Seine fehlende Linie brachte dem Club immer wieder Unruhe.

Christian Heidel legte in Mainz wiederholt eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag. Einer, dessen Wort gilt. Schalke braucht einen Sportvorstand, der sich zunächst überlegt was er will, es dann verkündet und in der Folge danach handelt. Egal ob es um die Zielsetzung, die Kaderplanung oder die Führung der Abteilung allgemein geht; das muss grundsätzlich so sein.
 
 
Eigendarstellung verbessern

Das Miteinander zwischen dem Trainer des FC Schalke 04 und den über Schalke berichtenden Medien war zuletzt schlecht, unter André Breitenreiter wie auch unter Jens Keller. Nun kann man sagen, daran seien die Medien schuld, und man kann Bespiele anführen, bei denen Journalisten tatsächlich über die Grenze des guten Geschmacks hinausschossen. Fakt ist jedoch: Man wird nicht zig Journalisten „irgendwie umpolen“ können und Geschmacklosigkeiten im Umgang mit Trainern sind auch kein schalkespezifisches Problem. Beeinflussen kann man nur, wie man sich selbst darstellt, wie sehr man was an sich heranlässt und welche Storys man den Medien anbietet.

Jens Keller und André Breitenreiter haben beide wahnsinnig viel über die Medien gesprochen. Beide brachten sich mit wiederholten Rechtfertigungen für irgendwas immer wieder selbst in die Defensive. Sie beschäftigen sich offensichtlich gründlich damit, wie und was über sie geschrieben wurde, ihnen war das wichtig. Das tat ihnen nicht gut.

Wurde Felix Magath in seiner Zeit auf Schalke in Pressekonferenzen auf etwas angesprochen, was sich auf Geschichten oder Gerüchte aus den Medien bezog, war seine Standardantwort, dass er keine Zeit hätte sowas zu lesen. Sich dies zum Beispiel zu nehmen sollte die unbedingte Empfehlung für Schalkes nächsten Trainer sein: Sei freundlich, sei verbindlich, erzähle und öffne Dich eben so viel, dass sie Geschichten zu schreiben haben. Aber lese diese Geschichten grundsätzlich nie! Und pfeife unbedingt drauf, wenn jemand sagt, was andere über Dich schreiben! Du hast dafür keine Zeit.
 
 
Selbstbewusst sein und handeln

Auch das hat zum Teil etwas mit Darstellung zu tun, letztlich aber auch mit der Sicht auf sich selbst und dem Gefühl, mit dem die Leute ins Stadion gehen. Es gilt, sich als großer Club mit gewissen Ansprüchen zu positionieren, ohne in übertriebene Großkotzigkeit zu verfallen.

Es scheint ein ewiges Thema zu sein: Auf Schalke seien die Ansprüche zu hoch. Um sich ja nicht an irgendwas messen zu lassen, um ja keine negativen Schlagzeilen erdulden zu müssen, gibt man keine Ziele aus und stellt sich selbst klein dar. Jeder nächste Gegner ist natürlich auch ganz toll, und wer das nicht sehe schaue nicht richtig hin. Dennoch wird Schalke in den einschlägigen Rankings seit Jahren unter den 20 wertvollsten Fußballclubs der Welt geführt.

Schalke erzielt höchste Einnahmen aus dem Sponsoring weltweit agierender Unternehmen, zeigt sich als Marke in den USA, im nahen wie im fernen Osten. Was Schalke 04 an Mitgliedsbeiträgen passiver Mitglieder kassiert ist mehr als die Hälfte der Bundesligaclub von ihren Trikotsponsoren erhalten! Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in den letzten Jahren sportlich wie wirtschaftlich enteilt. Dahinter ist alles offen. Es muss der Anspruch eines so potenten Clubs wie Schalke 04 sein, die dritte Kraft zu werden und zu bleiben. Dies muss man nicht unbedingt als offizielles Ziel ausrufen, aber man muss so agieren, es leben.
 
 
Die Löcher im Kader stopfen

André Breitenreiter hatte immer gesagt, ihm fehle ein erfahrener zentraler Defensivspieler im Kader. Er wollte auch Julian Draxler unbedingt halten. Horst Heldt hatte den unerfahrenen Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Bayern und im Winter Younes Belhanda aus Kiew ausgeliehen. Er konnte Joel Matip nicht halten und sowohl Roman Neustädters, als auch Sascha Riethers Vertrag laufen in ein paar Tagen aus. Horst Heldt hat einen lückenhaften Kader hinterlassen, nicht zuletzt um einen prima Geschäftsbericht für das Jahr 2015 vorweisen zu können.

Positiv formuliert kann man aber auch sagen, er hat Christian Heidel einen gewissen Spielraum gelassen. Gerade weil Höjbjerg und Belhanda nur ausgeliehen sind, gerade weil man mit Roman Neustädter und Sascha Riether bislang keine Entscheidungen über die Zukunft fällte, lässt sich für das neue Manager / Trainer-Gespann was bewegen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Eric Maxim Choupo-Moting, Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Dennis Aogo nur noch ein Jahr laufen. Auch hier können nun Weichen gestellt werden. Mit der Verpflichtung Naldos ist ein erster Schritt gemacht. Viele weitere müssen folgen.
 
 
Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln

In der letzten Spielzeit agierte Schalke wahnsinnig wechselhaft. Noch am 23. Spieltag agierte Schalke beim Abstiegskandidaten in Frankfurt mit 6 Verteidigern in der Startaufstellung, ohne jegliches Offensivspiel. Nur um sechs Tage später beim 3:1 in Köln zu stürmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bis heute lässt sich nicht sagen, für welchen Fußball, für welchen Spielstil André Breitenreiter als Schalker Trainer stand.

Ebenso wenig hatte Schalke eine Spielweise parat, die man unbedingt beherrschte, auf die man sich in kritischen Situationen verlassen konnte. Wenn Schalke zu wackeln begann wackelte stets alles. Ein Spiel mal „runterspielen“ oder in einer kritischen Phase beruhigen konnte Schalke unter André Breitenreiter nicht.

Natürlich muss ein Trainer stets pragmatisch sein. Natürlich gibt es immer Umstände, die zu Abweichungen davon führen, was normal ist. Aber was normal ist, für welchen Fußball die Mannschaft des FC Schalke 04 steht, muss überhaupt erst noch definiert werden. Dies, und das Etablieren von Automatismen die Sicherheit bringen, wird die Aufgabe des nächsten Trainers sein.
 
 
Demokratie leben

Der letzte Punkt geht alle an. Aktuell tobt der Wahlkampf, auf Schalke. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung steht Clemens Tönnies zur Wiederwahl. Der Aufsichtsratsvorsitzende, den einige Schalker für alles Schlechte verantwortlich machen, den andere Schalker für den letzten Retter gegen die Macht dubioser Fanorganisationen halten. Clemens Tönnies nutzt seinen Einfluss, um in diversen Medien seine Sorgen um den Club zum Ausdruck bringen zu können, ohne dabei je kritisch hinterfragt zu werden. Andererseits instrumentalisieren Gegner sogar den vor der Fankurve weinenden Horst Heldt, um gegen Clemens Tönnies Stimmung zu machen – Leute, die ziemlich genau vor einem Jahr Horst Heldt Gift und Galle entgegenspuckten.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Es ist unbedingt notwendig, dass Schalke danach wieder zusammenfindet. Jeder Wählende ist dies nur, weil Schalke ein grundsätzlich demokratischer Verein ist. Auch wenn die Wahl nicht so ausgeht, wie man es selbst gerne hätte, die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist zu akzeptieren. So wichtig Vereinspolitik auch ist: In den Scharmützeln darum darf die Unterstützung des Clubs nicht geopfert werden.