Sichtweise

Es läuft nicht rund, auf Schalke. Da wird alles diskutiert, da ist nichts zu abwegig, um nicht als Grund für den unbefriedigenden Tabellenplatz herangezogen zu werden. Ich mag es, wenn es bei den Diskussionen nach einem Spiel um Fußball geht. Doch auch in diesen komme ich ab und an nicht mehr mit, dann nämlich, wenn plötzlich aus voller Überzeugung vorgeschlagen wird, mit welcher Formation, mit welchen bestimmten Spielern gar, Schalke zu spielen hätte, damit sich der Erfolg wieder einstellt. Dazu fühle ich mich zu ahnungslos, oder ich habe zuviel Trainervertrauen, oder beides.

Ich bemühe mich durchzusteigen, wenn ich ein Fußballspiel sehe. Ich versuche auf die Leistung einzelner Spieler zu achten, ich schaue auf die Formation, auf die Spielweise, suche nach Mustern in den Abläufen. In machen meiner Texte nehme auf auf diese Erkenntnisse bezug, manchmal kommentiere ich anderes. Zu 99% beschäftige ich mich aber mit dem was war. Wenn mir in Diskussionen im Brustton der Überzeugung jemand darlegt, was wie sein sollte, bin ich immer vollkommen baff.

Eine Formation alleine sagt nicht unbedingt was über die Spielweise aus. Jede Formation kann sehr offensiv oder sehr defensiv interpretiert werden. Die Abläufe werden eingeübt. Wie jeder Proficlub beschäftigt auch Schalke 04 nicht nur den einen Trainer, der den Kopf hinhält, sondern einen Betreuerstab, halb so groß wie der Spielerkader. Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, Spieler zu fördern und ihre aktuelle Form und Fähigkeit einzuschätzen. Der Cheftrainer wird letztlich die Entscheidung treffen, von der er glaubt, dass sie am ehesten zu drei Punkten führt; immer.

Wenn dann jemand kommt und meint, er wüsste genau, dass es fortan mit diesem Spieler nichts mehr werde, dass unbedingt der andere spiele müsse, dass die Mannschaft nur erfolgreich sein könne, wenn man in Zukunft anders angeordnet auf dem Platz stünde, dann schüttle ich stets leise den Kopf. Dabei will ich niemandem das Wissen um den Fußballsport absprechen, und es geht mir auch keinesfalls nur um Fans. Auch wenn ehemalige Nationalspieler oder Leute mit Trainerschein in TV-Studios sitzen und sich zu solchen Aussagen hinreißen lassen, frage ich mich, woher sie die Chuzpe nehmen, sich über diejenigen zu erheben, die sich professionell rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen. Meines Erachtens grenzt das an Hochstapelei.