Es geht ums Geld (um nichts sonst)

Schalke 04 hat gestern mal wieder einen rausgehauen. Obwohl die Fan-Abneigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp auf Schalke nie ein bemerkenswert großes Thema waren, nahm man die Vorfälle des Wochenendes in anderen Stadien zum Anlass, die eigenen Fans mit harten Formulierungen zu warnen. Nach dem Abgang Christian Heidels ist das Ressort „Kommunikation“ auf Schalke dem Vorstand für Marketing angehängt worden, Alexander Jobst. Das ist bezeichnend und passend. Das Bewusstsein über diese Tatsache eröffnet einem die Chance, die Statements und das Handeln der Funktionäre des FC Schalke 04 zu verstehen. Und was Schalke im Kleinen tut, tut die Liga im Großen. Es geht nicht um Moral oder Rassismus, nicht um Hass oder Fairness. Es geht ums Verkaufen des Premiumprodukts Bundesligafußball.

Das ist so einfach und offensichtlich, dass es mich wundert, wie viele Kommentatoren weiterhin versuchen, tiefergehende Erklärungen oder Hintergründe zu finden.

Die Mitglieder des FC Schalke 04 haben dem Club eine Satzung gegeben, die sich deutlich gegen jede Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit richtet, die Integration fordert. Der Vorstand und der „Ehrenrat“ des FC Schalke 04 haben dennoch im Fall der rassistischen Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies beschwichtigt und kleingeredet, weil Clemens Tönnies als Unternehmer und Strippenzieher dem Club beim Geld verdienen hilft. Der gleiche Vorstand äußert sich lieber zu früh als zu spät im Fall Hopp, weil Fan-Proteste das Gesamtbild stören, das Sauber-Image der Liga beschmutzen und weil Dietmar Hopp ebenfalls für viel Geld in der Liga sorgt.

Auch der DFB handelt nach diesen Maßstäben. Aktuell ist viel von einem Fehlverhalten des DFB zu lesen, weil dieser aufgrund der Beleidigungen gegen Dietmar Hopp Spiele unterbrach, das aber bei Affenlauten gegen den Herthaner Jordan Torunarigha im Pokalspiel auf Schalke nicht tat. Ich denke, dass der Schiedsrichter damals das Spiel durchaus unterbrochen hätte, wäre Torunarigha sichtbar durch Plakate oder für alle hörbar beleidigt worden. Dem war nicht so, nicht nur die Schiedsrichter, auch das Fernsehen hat von dem Vorfall selbst nichts mitbekommen und erst verspätet durch die Aussage des Spielers davon erfahren. Ich traue den Schiedsrichtern und dem DFB durchaus zu, auch in „lauten“ Fällen von Rassismus klarer und drastischer als bislang vorzugehen. Nicht weil ihnen die Tränen Torunarighas nahe gehen, sondern weil offener Rassismus das Image der Liga stark beschädigt.

Letztlich handelt die Liga auch im Umgang mit den Fankurven stets nach diesem Maßstab. Gerade gibt es viele Texte, die erklären, warum sich die Kurven überhaupt gegen Dietmar Hopp richten. Andere versuchen die Subkultur zu erklären und bemerken, dass es ganz natürlich ist, dass eine solche nicht so funktioniert, wie es „die Oberen“ gerne hätten. Mit solcherlei kann man sich gerne beschäftigen, das macht einen sicherlich auch nicht dümmer. Aber bezüglich der Beziehung zwischen Fankurven und Ligaführung ist das alles völlig egal. Es geht nicht darum, was die Fans wollen, sondern wie viel diejenigen, welche die Show veranstalten und verkaufen, zulassen möchten.

Tatsächlich will die Liga Fans in den Kurven, Stehplätze, Choreografien und gute Stimmung. In den meisten Clubs werden Fanclubs und Ultra-Gruppen hofiert, werden ihnen Sonderrechte eingeräumt. Im Großen und Ganzen funktioniert das als gutes Miteinander. Selbst die Farce um Pyrotechnik, bei dem die einen verbieten, die anderen doch machen, und das in der Regel keine schlimmeren Konsequenzen als für Clubs mit Millionenumsätzen lächerliche Geldstrafen hat, kann als irgendwie eingerichtetes Miteinander angesehen werden. Die Clubs bieten der Subkultur ihren Raum, weil ihr Tun für das Produkt Bundesliga Bilder und Gesang produziert.

Die Liga hält zugunsten dieser Bilder und des Gesangs das nicht gewollte verhalten aus. Bislang ist die Mehrheit der Funktionäre der Ansicht, dass man die Bundesliga mit bunten und lauten Kurven besser vermarkten kann als ohne. Jede Spielunterbrechung und jede „Skandalmeldung“ ist aber ein Punkt mehr für diejenigen, die dem Tullus gerne ein Ende bereiten würden. Die darauf hinweisen, dass sich die Premier League in England und der Sport in den USA auch ohne Platz für Subkultur sehr gut verkaufen lässt, und dass der Ärger möglicherweise mehr kostet, als man durch den Mehrwert von Bildern und Gesang verdient.


6 Gedanken zu “Es geht ums Geld (um nichts sonst)

  1. In der Tat: Was für eine Heuchelei vor dem Hintergrund wie sich unsere Vorstandsmitglieder in der Causa Tönnies verhalten haben.

    Übrigens, an „ganz dunkle Zeiten“ fühlt sich Dietmar Hopp durch die Fanbanner und -proteste vom Samstag erinnert. Das hat er wirklich so gesagt gegenüber seinem Hofberichterstattungssender Sport 1 (der darin natürlich nichts Problematisches erkannt hat). Damit hat Hopp die Nazi-Zeit und den Holocaust in unerträglicher Weise verharmlost.
    Zu allem passt leider auch noch, dass Dietmar Hopp wohl immer noch versucht, seinen Vater Emil Hopp als Opfer darzustellen, und dabei Fakten wegredet, wie man hier nachlesen kann: https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/die-legende-vom-unschuldigen-nazi/

    Von der (imho eindeutig verfassungswidrigen!) Zweiklassen-Mitgliedschaft bei 1899 Hoffenheim (Lex Hoffenheim des DFB), von dem Skandal um die Schallkanone im Gästefanbereich („Sohn einer Hupe“), von der Ver- und Behinderung von Mitbestimmung bei SAP durch Hopp u.a. will ich gar nicht erst anfangen. Aber die Tatsache, dass das alles inzwischen zumindest von der Sportjournalisten totgeschwiegen wird, zeigt, dass Protest angebracht und angesagt ist gegen Hopp und sein Spielzeug 18,99 € Hoppenheim.

    Ausgerechnet bei dem Thema sollen die Schalker Fans aus diese Art und Weise nun mundtot gemacht werden!? Unfassbar!

    Wie auch immer, sollte Schalke 04 – entgegen den Verbandsstatuten/Dreistufenplan – die Mannschaft früher als nötig vom Platz schicken und dem Verein dadurch ein Schaden entstehen, so werden die Vorstandsmitglieder dafür zivil- und vereinsrechtlich in die Haftung zu nehmen sein.

  2. Dass ein solcher Aufschrei der Verantwortlichen der DFL gerade jetzt stattfindet, hat mMn weniger mit Dietmar Hopp zu tun, als vielmehr mit dem jetzigen Zeitpunkt der Ausschreibung der TV – Rechte ab 2021.

  3. @derwahrebaresi: naja, das schreibt Torsten oben ja eigentlich schon selbst: „Bislang ist die Mehrheit der Funktionäre der Ansicht, dass man die Bundesliga mit bunten und lauten Kurven besser vermarkten kann als ohne. Jede Spielunterbrechung und jede „Skandalmeldung“ ist aber ein Punkt mehr für diejenigen, die dem Tullus gerne ein Ende bereiten würden.“

    Solche Bilder und die dazugehörigen Unterbrechungen, sind nicht gut fürs Geschäft.

  4. Zu SchalkerFubafan:
    Erstens haben die Verbrechen seines Vaters nunmal rein garnichts mit ihm zu tun, selbst wenn er sie etwas relativiert (wobei die „Juedische Allgemeine“ wohl kein Ausbund an Objektivität in diesem Fall ist).
    SAP wird schon lange nicht mehr von Hopp alleine gemanaget,und ich bin mir ziemlich sicher dass die Sache mit dem Betriebsrat eher marginal war-du glaubst nicht wieviele sich bei SAP bwerben und wieviele gerne dort arbeiten würden. Und wenn man GAZPROM als Sponsor hat sollte man sowieso mal ganz ruhig sein.

    Die Schallaffäre ging eher von einem übereifrigen Platzwart aus und war im Endeffekt harmlos.
    Die dunklen Zeiten an die diese Hetzjagd erinnert können genauso RAF Terror oder NSU Terror sein, auch dieses immer wieder aufkommende Argument, dass man mit solchen Vegleichen „den Terror in unertraeglicher Weise verharmlost“ ist völlig aus der Luft gegriffen.

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