Zurück auf Los

Schalke verliert auch das dritte Saisonspiel und ziert mit 0 Punkten und 1:15 Toren das Tabellenende. Rettende Transfers wird es nicht geben, ein neuer Trainer ist schon da. Schalke muss zurück auf Los, jetzt. Uns bleibt nichts, als die Dinge zu erwarten, die kommen werden.

Man könnte nun aufzählen, was der Schalker Mannschaft auch gegen Leipzig alles nicht gelang. Aber das ist müßig. Das Ist wurde wochenlang besprochen. David Wagner wurde durch Manuel Baum ersetzt. Vielleicht findet Jochen Schneider heute, am letzten Tag der Transferphase, noch irgendwo einen geübten Rechtsverteidiger. Aber Baum ist Trainer, kein Zauberer, und ein Rechtsverteidiger, wer auch immer das sein könnte, wird nicht der Superstar sein, an dem ein ganzes Team seine zermürbte Moral erneuern kann.

Man könnte seinen Blick auf das richten, was anders war, gegen Leipzig, unter dem neuen Trainer. Sich ein bisschen Hoffnung ergaunern, an Kleinigkeiten, die letztlich weder zu besserem Spiel, noch zu einem besseren Ergebnis führten; die es aber dennoch gab. Doch wie übel wäre es gewesen, hätte es überhaupt keine Änderungen gegeben?! Natürlich agiert jeder nächste Trainer ein bisschen anders als der letzte, redet anders, stellt ein bisschen anders auf. Natürlich hofft man, dass es diese Änderungen sind, die den Erfolg zurückbringen. Vielleicht sind sie es sogar. Aber nicht im Einzelnen. Kleinigkeiten müssen sich summieren, um das Große zu Verändern. Bislang, bis jetzt, waren sie unerheblich.

Man könnte der Meinung sein, dass Trainer Baum erst nach dem Leipzig-Spiel hätte Verantwortung übernehmen sollen. Dass Schalke diese erwartbare Niederlage besser einem Einmaltrainer hätte anpappen müssen. So, dass Baum mit seiner Arbeit, vermeintlich unbeschadet, in der nun folgenden Länderspielpause hätte starten können. Aber ist Baum denn von dieser Niederlage tatsächlich angekratzt, weil sich die Mannschaft nach zweieinhalb Trainingstagen zeigte wie zuvor? Wie wäre es wohl bei einer Mannschaft angekommen, der es an jeglicher Struktur fehlt, wenn der neue Skipper als erste Entscheidung Unangenehmes hätte ablehnen und ausblenden wollen? Wie soll ein Trainer einem Team erklären, dass es auf jeden Schritt, auf jeden Meter ankommt, dass aus jeder Erfahrung gelernt werden soll, wenn er selbst die erste mögliche Erfahrung verweigert, um später vielleicht alleine besser dastehen zu können?

Es ist gut, dass Schalke einen neuen Trainer hat, und dass die nächsten Punkte erst in 13 Tagen vergeben werden. Schalke hat drei Spiele verloren, von denen die allermeisten Bundesligaclubs zwei ebenfalls verlieren werden. Noch ist nicht viel Schlimmes passiert, in dieser Saison. Die Angst vor der Zukunft entspringt dem Blick zurück. Den sollte man nun sein lassen.


10 Gedanken zu “Zurück auf Los

  1. Ein Text der einem Mut machen kann. Bei Einem schon, bei mir nicht. Ich mache mir keine Sorgen mehr um diese Saison, die sportliche Zukunft des Vereins Schalke 04, bei mir liegt es tiefer. Ich sorge mich um den Verein als solches. Ein Abstieg bei Verbindlichkeiten um die 200 Mio €, eher einige zig Mio mehr, da ist selbst eine Lizenz nicht einfach so zu erhalten.
    Und dann?
    Zu negativ? Vielleicht.

    Vielleicht bleibt Schalke aber auch im Graubereich und dümpelt in den Ligen so vor sich hin. Mal hier, mal da.
    Auch negativ? Wer weiß.

    Vielleicht passiert aber auch dieser eine Moment der allem wieder Leben einhaucht, wo alle plötzlich glauben. In der Arena gab es reichlich solcher Momente, wo die Stimmung von komplett unten mit einer Aktion kippte. Ich wünsche mir das. Auch das wir bald mal wieder in die Arena gehen dürfen. Und zwar alle.

    …Der FC Schalke wird nie untergehen…

  2. @ Noch ist nicht viel Schlimmes passiert, in dieser Saison.

    Union wird kein Selbstläufer und gegen die Bienen ist in der jetzigen Verfassung kein Kraut gewachsen…

    … darf man dann von „Schlimmes passiert“ sprechen?

  3. Ich bin da ganz bei Torsten. Nicht, weil seine Logik unwiderlegbar wäre, sondern weil wir keine andere Wahl haben.

  4. … darf man dann von „Schlimmes passiert“ sprechen?

    Dürfen darf man natürlich immer. Man darf sich auch jetzt in der „schlechtester Start aller Zeiten“-Medienbubble abarbeiten. Die Frage ist immer, ob das angemessen ist.

  5. @derwahrebaresi: Mit 5 Niederlagen zum Saisonauftakt kennen wir uns doch bestens aus. Wäre doch das dritte Mal. :)

    Ansonsten würden diese 5 Niederlagen gegen die Top3-Teams der letzten Saison gewesen sein. Gegen Union und Bremen ist natürlich ärgerlich, aber in unserer jetzigen Verfassung ist das eben so. Ich hoffe nun auf Ruhe und einen guten Restart nach der Länderspielpause. Vielleicht mit 3 Punkten gegen die Eisernen.

  6. @Rabenherz

    Ich befürchte halt, dass der Abstand dann doch schon zu groß ist.
    Alleine das Torverhältnis zum jetzigen Zeitpunkt macht mir schon Angst und Bange. :-(

  7. Es wäre am klügsten gewesen, sich seit Samstag 20:20 Uhr bis übernächsten Sonntag 18 Uhr ohne Internet im Keller einzusperren. Denn was dazwischen passiert (Transfertag heute bislang, Schneiders Sky90-Interview gestern) vermittelt nicht gerade Aufbruch. Umso wichtiger wäre schon gegen Union ein Sieg.

  8. Die psychologische Komponente wird hier definitiv zu wenig berücksichtigt: wenn die Mannschaft 20 Spiele in Folge verliert, mit 0:15 bei einem desaströsen Torverhältnis in die neue Runde startet und es an wirklichen Führungsspielern fehlt, wird es extrem schwer, wieder Tritt zu fassen und Selbstvertrauen zu gewinnen. Ich habe den Eindruck, dass Schalke über kurz oder lang dem HSV nachfolgen wird. Die Mannschaft scheint mir zur Grüppchenbildung zu neigen, keiner kämpft für den anderen und neue Spieler passen sich schnell ans niedrige Niveau an. Gutes Beispiel sind doch Uth und Rudy (Gottseidank ist der wieder weg !), die ausgeliehen Leistung gezeigt haben und bei Schalke schnell wieder unterdurchschnittlich spielen. Das Problem ist nicht der Trainer, sondern die Mannschaft. Fast alle Spieler sind Nationalspieler, so dass nominell der Kader stark sein müsste – es fehlt aber an mannschaftlicher Geschlossenheit. Da bringen auch Trainerwechsel nichts, auch wenn dies – mangels der Möglichkeit, die Mannschaft zu feuern – die einzige Möglichkeit ist, einen neuen Impuls zu setzen. Gibt es denn eine Erklärung dafür, dass unter Tedesco eine Saison super lief, die nächste dann bescheiden, bei Wagner die Hinrunde sehr solide und in der Rückrunde dann der Absturz kam ? Das Potential ist also da, wird aber auf einmal nicht abgerufen. Verletzungspech haben andere Teams auch, das kann allein nicht der Grund sein. Es muss dich einen Weg geben, aus eine Truppe von egozentrischen Jungmillionären ein Team zu formen!!! Hat irgendjemand eine Idee ?- ich bin allmählich ratlos, eine Teampsychologin gab es ja schon einmal.

  9. „Die Mannschaft scheint mir zur Grüppchenbildung zu neigen,keiner kämpft für den anderen, neue Spieler passen sich schnell ans niedrige Niveau an, das Problem ist nicht der Trainer, sondern die Mannschaft, es fehlt aber an mannschaftlicher Geschlossenheit, eineTruppe von egozentrischen Jungmillionären.“

    Kann man gerne so sehen, nur hat das wenig mit den Problemen und deren Lösung zu tun.

  10. @ Ney
    Ich bin ja dankbar für jede andere Erklärung – wo liegen denn die tatsächlichen Probleme ? Und welche Lösungen gäbe es dafür ? Ich lasse mich gern eines Besseren belehren.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.