Schalke taumelt dem Abstieg entgegen

Schalke verliert auch unter der Führung von Huub Stevens, 0:1 gegen Arminia Bielefeld. Der Club taumelt dem Abstieg entgegen. Nun sollen ein neuer Trainer und ein neuer Sportdirektor wieder Struktur auf den Platz und in die Kabine bringen. Medienberichten zufolge sei Alexander Zorniger ein heißer Kandidat für den Trainerposten.

Es war schwer zu ertragen, das Spiel gegen Arminia Bielefeld. Nach Abpfiff sagten die Trainer, das sei Abstiegskampf. Das, was man sich unter Bundesligafußball gemeinhin vorstellt, war es jedenfalls nicht. Kaum mehr als zwei Pässe in Folge bei einem der Teams, ein Hin und Her an hohen Bällen wie auf einem Bolzplatz, lediglich mit der Dynamik des Profifußballs beim Zusammenprallen von Körpern und der Geschwindigkeit bei Grätschen. Nach der Halbzeit hatte ich für fünf Minuten das Gefühl, Schalke könne Struktur in sein Spiel und eine gewisse Überlegenheit auf den Platz bringen. Genau in dieser Phase fiel der glückliche Treffer Bielefelds und zermalmte jede Hoffnung auf einen Sieg für Blau. Denn dass sich Schalkes Mannschaft von einem solchen Rückschlag nicht würde erholen können, schien jedem um mich herum und jedem Spieler auf dem Platz ganz klar zu sein.

Ich kann nicht sagen, welche Veränderungen ich erwartet hatte, durch den Umstand, dass nun Huub Stevens als der verantwortliche Trainer das Team führte. Ich befürchte, auch Jochen Schneider hätte keine Erwartung formulieren können. Tatsächlich gab es keinen Unterschied zu den vorherigen Spielen, sieht man mal davon ab, dass Hamza Mendyl auf den Platz durfte. Das Spiel hätte exakt so auch mit Manuel Baum an der Seite ablaufen können. Welche auch immer erhofften Effekte durch den Interimseinsatz sind nicht verpufft; es gab sie nicht. Huub Stevens und Mike Büskens machten den Job letztlich, um ihrem Club Zeit für einen Trainerwechsel zu verschaffen. In dieser Saison, die keine Pausen hat, muss jede Veränderung im laufenden Betrieb vorgenommen werden.

Obwohl Huub Stevens den Journalisten nach dem Spiel bereits schöne Feiertage wünschte, und obwohl Jochen Schneider vor der Partie sehr prompt mit „Ja!“ antwortete, als er gefragt wurde, ob er denn schon einen Trainerkandidaten vor Augen hätte, geht man weiter davon aus, dass das Duo Stevens/Büskens die Mannschaft auch noch im morgigen Pokalspiel gegen Ulm betreuen wird. Elf Tage später, wenn Schalke am 2. Januar bei Hertha BSC antreten muss, sollte S04 aber mit einem neuen Trainer aufwarten.

Das könnte Alexander Zorniger sein, schrieb gestern Früh Bild und meldete gestern Nachmittag auch Sky. Zorniger war während Jochen Schneiders Zeit in Stuttgart für ein halbes Jahr Co-Trainer beim VfB. Er verhalf Leipzig zu Aufstiegen in die dritte und in die zweite Liga. Seine weniger erfolgreiche Zeit als Cheftrainer des VfB Stuttgart begann, als Jochen Schneider den VfB gerade verlassen hatte. Ab 2016 hatte Alexander Zorniger zweieinhalb recht erfolgreiche Jahre in Dänemark, bei Bröndby Kopenhagen. Zuletzt stand er kurz vor einem Engagement bei Twente Enschede. Ihm lag bereits ein Angebot vor, bis sich deren neuer Technischer Direktor dafür aussprach, doch lieber auf einen niederländischen Trainer zu setzen.

Ob man die Position „Technischen Direktor“, „Sportdirektor“ oder praxisorientierter „Kaderplaner“ nennen möchte, solch einen Mitarbeiter will auch Schalke 04 wieder engagieren. Dieser soll möglichst zeitnah anfangen und die kommende Saison planen, unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Das meldete gestern die WAZ. Zu Jochen Schneider selbst, der ob der sportlichen Talfahrt, des unausgegorenen Kaders und seiner Trainerentscheidungen heftig in der Kritik steht, gibt es indes derzeit keine Alternative.

Foto: Pierre Poschadel

6 Gedanken zu “Schalke taumelt dem Abstieg entgegen

  1. Naja, bislang bewegt sich die Effizienz der „Stuttgart-Connection“, wie auch der „Mainz-Connection“ zuvor, in überschaubaren Grenzen. Aber vielleicht haben wir ja auch mal Glück in der Personal-Lotterie. Ich habe immer mehr den Eindruck, die letzten Jahre wurden auf Schalke nach dem Motto „Wer hat noch nicht, wer will nochmal“ geplant. Die irrlichternden Trainer-, Manager-, Kaderplaner-Entscheidungen und deren Ergebnisse erwecken nicht den Eindruck, dass diese (hochgezahlten) Jobs eine besondere Expertise erfordern. Jeder durfte für überschaubare Zeit mal machen, was er meint. Unterm Strich ist ein nicht-bundesligatauglicher Kader, ein völlig aufgeblähtes Funktionsteam und ein führungsloser, überschuldeter Verein dabei herausgekommen. Das hätten viele hingekriegt.

  2. Das ist schon eine sehr verzweifelte Idee, einen Trainer einer desolat auftretenden Mannschaft in einer englischen Woche einen Tag vor dem nächsten Spiel zu feuern in der Hoffnung, die als Übergangslösung angekündigte Klub-Ikone werde allein durch ihre Aura ein anderes Auftreten bewirken. Sie sagt viel über den Zustand in der Führung. Für Schalke kommt es jetzt darauf an, sich gezielt auf die Zweite Liga vorzubereiten, unter dieser Perspektive einen Trainer zu holen, der nicht mehr unter dem Druck steht die Klasse halten zu müssen – und dann auch zu dieser Zusage zu stehen, sie klar zu kommunizieren und dann nicht am Saisonende aus Frust oder irgendeinem empfundenen medialen Druck noch mal zu wechseln (falls die Kasse das hergibt). Deshalb ist es auch richtig, jetzt nach einem passenden Sportdirektor zu schauen – einen neuen Sportvorstand, den der Verein auch bräuchte, dürfte man in der Situation kaum finden, und es würde auch die Vorbereitung auf Liga Zwo bremsen. Der HSV zeigt, wie schwer die Umstellung von Haltung und Struktur fällt, dass es Jahre dauern kann, und deshalb ist es richtig, mit der Vorbereitung jetzt zu beginnen. Denn auch wenn die Saison noch lang ist, macht der aktuelle Kader null Hoffnung darauf, dass die Mannschaft zu irgendeinem Lauf ansetzen könnte. Akzeptiert der Verein das nicht, ist auch der nächste Trainer am Saisonende fällig, der Sportvorstand endgültig, und dann verliert Schalke wieder wertvolle Zeit, die andere Klubs und die neuen Konkurrenten besser nutzen können.

  3. Für Schalke kommt es jetzt darauf an, sich gezielt auf die Zweite Liga vorzubereiten, unter dieser Perspektive einen Trainer zu holen, der nicht mehr unter dem Druck steht die Klasse halten zu müssen – und dann auch zu dieser Zusage zu stehen, sie klar zu kommunizieren und dann nicht am Saisonende aus Frust oder irgendeinem empfundenen medialen Druck noch mal zu wechseln (falls die Kasse das hergibt).

    Ja, ein Sportdirektor sollte wohl so planen. Aber jetzt einen Trainer zu installieren, der in einem halben Jahr einen guten Job machen soll, und dabei so zu tun, als gäbe es jetzt keinen Druck, ist undenkbar.

    Deshalb darf es meines Erachtens jetzt nur einen Trainer geben, der zunächst einen Vertrag bis Saisonende bekommt, und den Job hat, zu versuchen, das unmögliche möglich zu machen.

  4. Man munkelt doch Liga 2 würde aufgrund Lizenz nicht klappen. Gleichzeitig frage ich mich wieso es dann (mit der Lizenz) für Liga 1 klappen sollte?

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