Mein Schalke-Geschenk

Weihnachten. Zeit der Besinnung. Der Ruhe. Des Schenkens und des Beschenktwerdens. Für mich lag diesmal ein besonderes Schalke-Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Ein Trikot, das mich daran erinnert, worum es abseits des Profisports bei Schalke 04 auch immer geht.

Trotz der Corona-Pandemie hatte ich ein gutes Jahr. Mein Job ist nicht gefährdet. Meinen Kindern geht es gut. Die Frau, die ich liebe, ist zu mir gezogen. Mit einigen Dingen habe ich neu begonnen. Und nun kriege ich es sogar wieder hin, hier regelmäßig zu schreiben.

Schalke 04 war auch in 2020 ein wichtiger Teil meines Lebens. Zunächst konnte ich mich ganz gut mit dem reinen Fernseherlebnis und der ruhigen Atmosphäre der leeren Stadien arrangieren. Ich schaue mir auch ab und zu U19-Spiele an. Da ist es auch ruhig, da geht es auch ausschließlich um das Geschehen auf dem Platz. Doch je länger Schalke schlecht spielte, desto falscher fühlte es sich an, nicht Teil des Geschehens, nicht nah dran zu sein, nicht irgendwie helfen zu können.

Unter Corona-Bedingungen würde guter Fußball belohnt, schrieb der geschätzte Tobias Escher in seinem Resümee zur bisherigen Saison. In den vergangenen Jahren hätten sich Teams mit solider Defensive, Glück und einem engagierten Publikum Punkte erschlichen, das ginge nun nicht mehr. Das negative Verb ist das Ergebnis einer Einstellung zum Fußball, die sich auf das reine Geschehen auf dem Platz reduziert. So ist Schalke nie gewesen. So ist Schalke nicht groß geworden. So wird Schalke tatsächlich nie existieren können.

Schalker sind viele, und die sind sonst immer da. Tausende auswärts, 60.000 bei Heimspielen. Erschlichen wurde auf Schalke gar nichts. Es waren die ganz großen Momente in den Leben von Schalker Fußballfans, wenn die Mannschaft vielleicht nicht besser als ihr Gegner war, aber von einem tobenden Stadion zum Sieg gebrüllt wurde.

Solche Momente habe ich im Stadion mit meiner Freundin Kerstin geteilt, und mit Herbert, ihrem Vater. Jahrelang hatten wir gemeinsame Plätze in Block S5. Und wenn mal gar nichts lief, ging man trotzdem hin, weil man ja sich hatte, weil man dort zusammen war.

2017 ist Herbert sehr plötzlich verstorben. Die Ohne-Sieg-Serie in diesem Jahr haben Kerstin und ich gemeinsam auf der Couch ertragen. Gewollt abergläubisch haben wir uns durch den Getränkemarkt gesoffen und es mit verschiedenen Outfits probiert. Irgendwann kam die Frage auf, weshalb ich eigentlich kein Trikot hätte. Weil ich mal für mich entschied, kein Gazprom-Trikot anziehen zu wollen.

Gestern Abend lag neben den Geschenken von meinen Kindern und von der Frau auch noch ein Päckchen von Freundin Kerstin unter unserem Weihnachtsbaum.

Mein Papa hat es immer sehr genossen, im Stadion neben Dir zu sitzen, mit Dir über unseren Verein zu philosophieren und seine Witze zu reißen. Es würde ihn also mit Sicherheit freuen, Dich in seinem Trikot zu sehen!

Das ist mehr Schalke als jeder Sieg und jede Niederlage. Danke Kerstin. Danke Herbert.

9 Gedanken zu “Mein Schalke-Geschenk

  1. Gänsehaut_Geschichte Torsten, so werden es die vielen Schalker bestimmt auch beim Lesen empfunden haben, liebe Weihnachtsgrüße aus der Voreifel

  2. Ich habe mit Schalke nichts am Hut. Ein Abstieg wäre für mich dennoch ein Verlust. Ein weiterer Schritt des Niedergangs der Bundesliga.

    Ich lese Deine Texte immer sehr gerne.

  3. Tja, früher war Schalke auch mehr…..die Spieler, Rudi, Charly, sonnenkönig.
    Dann wurde es immer weniger mit den o.g. Leuten,
    Alles wurde immer mehr durchvermarktet,
    Wir verpassten den Anschluss nach ganz oben,
    Neue Leute mit neuen Ideen…..aber auch kein Erfolg.
    Ich wurde seelisch krank, verlor Job,
    Musste dauerhaft Medikamente nehmen die sich mit Alkohol NICHT vertragen
    Daher keine Busfahrten mehr, es gab daraus resultierend neue sportliche Interessen
    Schalke spielt noch schlechter mit einem Jahr höher Flug Dank Tedesco
    Aber irgendwann kommt der Punkt du sitzt in der Arena und nichts Kitzelt dich
    Und jetzt ohne Zuschauer ist alles irgendwie nur künstliche Pappmaschee
    Wird unser Fußball überleben?
    Ich glaub’s nicht

  4. Boff. Gänsehaut. Verstohlen eine Träne wegwisch. Ja, so ist Schalke! Danke für die Geschichte und Deine Gedanken. Glück auf!

  5. Sehr tröstlich, lieber Torsten. Und schön zu hören, dass es Euch gut geht. Dir und Euch alles Gute.

    Und wenn ich es nicht ohnedies schon vorgehabt hätte, allein schon dafür, wieder ins Stadion zu dürfen und Schalke bei der Restchance auf den Klassenverbleib zu unterstützen, werde ich mich impfen lassen.

  6. Hallo Torsten und der Rest der Gemeinde,

    ich habe erst vor Kurzem festgestellt, dass Du schon länger wieder online bist. Was für ein Fest zum Fest. Der gute alte Königsblog hat mir in der Tat gefehlt. Gerade in dieser fussballelirisch kargen Zeit, was unseren Herzensclub betrifft. Schön zu lesen das es Dir gut geht. Als die Datenschutzverordnung und Dein privates Leben den alten Blog ausschalteten, sah Deine Welt ja noch anders aus. Umso schöner das es sich gedreht hat.

    In der Zwischenzeit ist auch bei mir viel passiert. Meine Frau hat eine Krebserkrankung halbswegs überstanden und unser Sohn ist jetzt schon auch 6 Jahre alt.

    Als Schalker von Opas Gnaden seit der Kindheit wollte ich ihn natürlich auch richtig erziehen, gerade was den Ballsport und den richtigen Verein betrifft. Allerdings hat ihn das eigentlich nie interessiert. Sport ist nicht so sein Ding. Noch nicht einmal vor dem Fernseher. Erstaunlicherweise hat sich das genau in diesem Jahr geändert. Er schaut zwar kein ganzes Spiel, kommt aber immer wenn ich leicht depressiv auf dem Sofa sitze und Sky schaue und ist jedes Mal sauer wenn die Anderen mal wieder ein Tor mehr haben. Dafür grölt er fröhlich Schalke vor noch ein Tor und geht dann am nächsten Tag mit seinem Schalkerucksack stolz in die Vorschule. Seit gut zwei Monaten liegt er mir in den Ohren das er auch unbedingt so eine Schalkekarte haben mag, wie Papa eine in seinem Portemonnaie hat (Mitgliedsausweis). Und eigentlich sollte ich stolz wie Bolle sein aber ich winde mich seitdem, weil der Verein den ich liebe in meinen Augen nicht mehr der ist, der er einst war. Und das nicht bezogen auf den sportlichen Erfolg sondern auf diese ganzen Protagonisten die diesen Verein niedermachen. Das ist doch völlig traurig.

    Wir haben gestern zusammen online seinen Mitgliedsantrag ausgefüllt. Er ist das, was Schalke braucht. Die Zukunft. Ich habe ihm nochmal erklärt das es wahrscheinlich nix wird mit Bundesliga im nächsten Jahr, er meinte trocken: Scheiss auf Bayern, die gewinnen immer, wir sind jetzt Schalker. Also von mir hat er das nicht ;-)

    Allen da draußen ein gesundes neues Jahr. Passt auf Euch und Eure Lieben auf. Mir fehlt ein wenig hoffedoc aus dem alten Blog. Ich hoffe es geht ihm gut. Wir arbeiten ja beide im gleichen Sektor. Immerhin ist Ney mit umgezogen.

    BTW Schönes Trikot. Ich hab das gleiche im Schrank. Ich weigere mich bis heute Gazprom zu tragen, habe aber auch kein Problem damit wenn andere es tun. Meins ist von 2002. Erstaunlich, dass es immer noch passt…

    Tschüss MarkusWiesbaden

  7. Wow, schöner Text und ein echt tolles Geschenk! Gänsehaut beim Lesen. Deswegen, aber auch beim Gedanken an die 60000 im Stadion, die unseren Verein nach vorne brüllen. Die Menschen, die Schalker, das drumherum um das Spiel, mit den Freundinnen &Freunden fehlt mir.

  8. Vielen Dank, dass Du diese Geschichte mit uns geteilt hast, Torsten!

    Sie erinnert uns an das, was Schalke wirklich bedeutet, trotz all dem ganzen Scheiß, der mit und in unserem Verein geschieht.

    Lasst uns das nie vergessen!

    Glückauf,
    Gernot

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