Ein positiver Blick auf die Personalie Christian Gross

Nun ist offiziell, was vor vier Tagen von verschiedenen Medienportalen übereinstimmend gemeldet wurde: Christian Gross wird die Mannschaft des FC Schalke 04 bis Saisonende trainieren und den letzten Rettungsversuch unternehmen. Vor 10 Jahren fand ich ihn gut. Nun möchte ich das wieder so empfinden.

Christian Gross ist 66 Jahre alt. Er ist ein Jahr und drei Monate jünger als Huub Stevens. Im Februar hatte er sein Karriereende erklärt, nachdem er die letzten sechs Jahre in Saudi-Arabien und Ägypten tätig war. Im Dezember 2009 wurde er Trainer des VfB Stuttgart, der zu dieser Zeit Platz 16 belegte. In den verbleibenden 19 Spielen holte der VfB unter Gross 43 Punkte und belegte am Ende Platz 5. Zu dieser Zeit war auch Jochen Schneider für den VfB Stuttgart tätig.

Viel prägender war Christian Gross allerdings für den FC Basel, bei dem er 11 Jahre tätig und erfolgreich war. Zwischen 1999 und 2009 gewann Basel vier Meisterschaften und vier Mal den Schweizer Pokal. Seit 2003 arbeitete auch Peter Knäbel für den FC Basel. Knäbel war in Basel zunächst drei Jahre als Technischer Direktor und weitere drei Jahre als Leiter der Nachwuchsabteilung tätig.

Man kann also feststellen, dass die beiden höchsten für den Sport zuständigen Funktionäre des FC Schalke 04 den neuen Trainer Christian Gross bestens kennen.

Dass diese Trainerentscheidung die Stimmung rund um Schalke 04 nicht ad hoc besser macht, ist natürlich leicht nachzuvollziehen. Die letzten beiden Trainerentscheidungen Schneiders – das Festhalten an Wagner über die letzte Saison hinaus und die Auswahl Manuel Baums – haben Schalke den letzten Tabellenplatz gebracht. Die Mannschaft wird als trainerfressendes Monster voller Egomanen angesehen und der Kader ist derart unausgeglichen besetzt, dass seit einem Jahr jeder Gegner geeignet große Lücken auf dem Platz finden konnte. Dass Christian Gross zudem seit 2012 nur noch in Fußball-Entwicklungsländern tätig war, heizt auch keine gute Laune an. Das alles ist mir klar, ich kann mich selbst nicht von den Bedenken frei machen.

Aber ehrlich: Ist es vorstellbar, dass ein Trainer für Schalke 04 verfügbar ist, der über solche Bedenken erhaben gewesen wäre? Der ganz Schalke ob seines Namens und seiner Reputation sofort dazu gebracht hätte, mit der Einstellung ins neue Jahr zu rutschen, dass die Blauen den Klassenerhalt schon noch schaffen, dass alles gut werden wird?

Das denke ich nicht.

Medienberichten zufolge soll Christian Gross nur im Fall des Klassenerhalts gut an diesem Engagement verdienen. Sein Tun ist nur bis Saisonende geplant. Der Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt ist also ein letzter Versuch, die Liga zu halten, belastet aber gleichzeitig nicht die ungewisse Zukunft.

Beides ist gut.

Mit Domenico Tedesco ist ein Trainer an diesem Kader gescheitert, der Strukturen aufbrach. Tedesco schickte mit Höwedes oder Naldo Spieler weg, die er nicht mehr wollte, unabhängig von deren Status oder Beliebtheit. David Wagner verbrannte im Sturzflug zwischen Pech und verletzungsbedingten Ausfällen. Mit Manuel Baum hatte auch ein Lehrer und Pädagoge mit diesem Kader keinen Erfolg. Alle drei Trainer hatten vor ihrem Job bei den Blauen wenig Erfahrung im Profibereich. Nun setzt Schalke auf einen Trainer, der in seiner Karriere schon mit jedem Spielertyp und mit jeder Tabellensituation zu tun hatte. Der Erfolge vorweisen kann und als integer gilt.

Das halte ich für nachvollziehbar.

Die Bedenken, dass Gross zuletzt irgendwo in der Wüste trainierte, zeigen vor allem, dass für den Deutschen alles von außerhalb Deutschlands nichts gilt. Wie man die Meistertitel von Lucien Favre in der Schweiz nicht ernst nahm, kann man sich nicht vorstellen, dass man auch in Ägypten oder Saudi-Arabien hart arbeiten und sportliche Ziele erreichen kann.

Der Charakter eines Menschen ändert sich dabei nicht, vielleicht wird der Horizont sogar breiter. Und vielleicht versteht Gross nach seinen Erfahrungen Spieler wie Amine Harit besser.

… schrieb Andreas Böni in der schweizer Zeitung Blick. Der Titel seines Textes lautet „Wenns einer schafft, dann Gross!“. Ich möchte mich ertappt fühlen, mit diesem Zitat. Ich möchte, dass Böni recht hat. Vor allem möchte ich, dass Gross Schalke schafft.

Ma’kucken.

12 Gedanken zu “Ein positiver Blick auf die Personalie Christian Gross

  1. Ich habe mir ange wohnt einfach zu sagen das Glas ist immer mindestens halb voll und nicht halb leer. Heute zogen auf unseren neuen Trainer Kirche sind Frauen wir können nur gewinnen nicht verlieren.Und der Baum hatte ich das Gefühl dass keine positive zu helfen war die sich auch in den Punkten niederschlägt.
    Ob jetzt der Alpen Magath einen Draht zu den Spielern noch findet bleibt abzuwarten oder ob einige Spieler sich hinter den Rücken schon anderweitig orientieren.
    Drücken wir es mal andersrum aus: der finanzielle Einsatz und somit das Risiko ist relativ gering, vielleicht haben wir ja mal Glück mit einem positiven Auftakt in Berlin, denn die taumeln auch ganz schön. Noch ist nichts verloren und bei Tabellenplatz 18 kann es nur Berg aufgehen. Glück auf!

  2. Danke Torsten. Was bleibt außer der positive Blick und die Hoffnung. Fällt mir jetzt beides etwas leichter.

  3. Während jemand Schneider offenkundig gesagt hat, dass er seine Hände unter dem Tisch verstecken soll, ließ Christian Gross seinen Händen auf offener Bühne freien Lauf.

    Und trotzdem schleimt Gross nicht und wirkte (u.a. deshalb) auf mich authentisch, und in Bezug auf seine Aufgabe als „COACH“ selbstsicher (etwa mal mehr Sein als Schein!?). Er ist sehr erfahren im Abstiegskampf und die trockenen Antworten (z.B. die klare Kante zu Bentaleb: „Nein, der gehört nicht dazu.“) haben was, erinnern mich sogar etwas an Ernst Happel.

    Kann mich übrigens noch sehr gut daran (Gerüchte, Berichterstattung) erinnern wie sehr Assauer Gross damals haben wollte. 

    Aber das ist in der Tat schon lange her, und selbst ein Ernst Happel könnte bei unserer aktuellen Truppe wahrscheinlich nichts Entscheidendes mehr bewirken.

  4. Hm, den Punkt bzgl der Spieler mit arabischen / afrikanischen Wurzeln hatte ich bislang nicht bedacht. Aber eigentlich liegt es ja auf der Hand.

    Und außerdem ist es so oder so ein Himmelfahrtskommando. Und es zählt eigentlich nur noch Platz 16 zu erreichen. Und schlechter kann es dem Grunde eh auch nicht mehr werden.

    So what? In diesem Sinne, Glück auf, Christian!

  5. Viele Schalker glauben offenbar immer noch an einen „Heilsbringer“ und sind nun enttäuscht, dass es „nur“ Gross geworden ist, der da gekommen ist. Ganz ohne Zauberstab und Heiligenschein und anscheinend auch ohne Humor.
    Ich wünsche ihm und uns das Beste und hoffe, dass es noch nicht zu spät ist für Platz 16. Mein persönlicher Alptraum ist übrigens, dass wir in der Relegation gegen Bochum spielen und verlieren.

  6. Nach den drei gelernten Pädadoden ohne vorherige Erfahrung bei Spitzenclubs (von den Umsätzen her wären wir einer), unter denen nunmehr die dritte Saison in Folge schlecht verlief, erscheint ein derart markanter Wechsel des „Typen“ auf der Trainerbank folgerichtig.

    Ma’kucken.

  7. (NB, wieso kann man nicht für 120 Sekunden oder so seinen Kommentar noch korrigieren? wäre ganz angenehm)

  8. @Herr Ney
    Das geht hier leider nicht. Diese Seite ist nicht mehr selbst verwaltet (wie zu koenigsblog-Zeiten) sondern steht unter dem wordpress.com-Schirmchen. Mein Tarif lässt keine PlugIn-Installation zu sondern bietet im Paket nur bestimmte Möglichkeiten. Das ist ein klarer Nachteil, finde ich auch. Mein Vorteil ist, dass ich mich nicht mehr um Backups und Updates kümmern muss, was mir zuvor immer auf den Sack ging. Letztlich will ich ja nur schreiben.

  9. Ich bin ja schon froh darüber, dass es keine Verbindung zu Klopp gibt. Gross wird ja kaum sein äußerst schwer erziehbarer schwuler (Schwipp)Schwager aus der Schweiz sein, oder, Herr Rescherschör?

  10. Ich denke, die Trainer-Entscheidung ist in Ordnung, auch wenn Schneiders Stuttgart-Connections fast so sehr nerven wie er selbst.
    Die Aufgabe wäre für niemanden leicht und klassische Feuerwehrmänner gibt es nicht mehr viele. Funkel kann nicht mit Stars, Gross hat schon eine Menge Stars trainiert, inklusive Pseudo-Stars wie wir sie haben.
    Wenn wir vor dem Rückspiel gegen Hertha (also vier Spieltage vor Schluss) auf Schlagdistanz zu Platz 15/16 sind, wäre das bereits ein Erfolg.

  11. Die Hoffnung auf einen positiven Effekt durch einen erneuten Trainerwechsel wurde heute in der zweiten Halbzeit pulverisiert….genauer gesagt schon ab der 20. Minute, da war schon wieder die Luft raus……und die Hertha übernahm das Ruder…

  12. Thorsten , was freut mich ist , das einige Fans in den 3 Schalke Forum jetzt um 11: Uhr 29,01.2021 , in die Wünsch Aufstellungen , eine dreierkette oder 2 Abräumer bevorzugen !
    Wir müssen Morgen dagegen halten , der Heutige Trainer und sein Team wiederholen immer die gleiche falsche Vorgehensweise von andere, für mich seit Mayer und Goretzka ( Als Sechser oder Achter geschmissen)! Nur mit Stambouli und Serdar in Zentraler Mittelfeld , Kohfeld ,Baumann und Marco Bode lesen bestimmt ständig unsere Forum Diskussionen und reiben sich die Hände! Der Spiel wo Paciencia sich verletzt hat war ,glaube ich , der letzte mit Dreierkette ,Augusburg oder, wo der Harmlose Schöpf bei Gregoritsch Flanke nur als Zuschauer daneben stand! Der Trainerteam und Umfeld lesen auch alles bestimmt Unterhalten sich auch darüber und Groß macht schon wieder dieses Unding! 16 Spiele ,keine Gegner darf unterschätzt werden , Schluss mit der Überbewertung Neigung unsere Spieler ,mehrere Unentschieden sind mehrer Punkte dazu und mit Klaas zu Hause den zweite Hälfte rein können wir vielleicht ein Paar Dreier ,aber immer mit stärke Mittelfeld bis zu letzte Minute! Harit oder Uth als Joker , Raman kann mit Hunter wegen der Sprache bestimmt was gemeinsam Improvisieren! Aber Groß ist für mich auf der Falsche Spur vielleicht noch , mit Stambouli und Serdar Morgen eine Stunde vor Spiel Anfang Augestellt wenn ich könnte würde Huub Stevens kontaktieren!
    Besten Dank!

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