Endlich.

Schalkes „Kein-Sieg-in-der-Bundesliga“-Serie war also doch endlich. Gleich 4:0 gewannen die Blauen gegen die TSG Hoffenheim. Ein Spiel, das sehr ähnliche Spielglückkanten wie andere Begegnungen in der jüngeren Vergangenheit aufwies, das eigentlich knapper war als es tatsächlich endete. Ich bin dennoch für ausgelassenes feiern.

Insgesamt ist Fußball ein verdammt zufälliges Spiel. Häufig ist das Niveau so ausgeglichen, dass beide Mannschaften nur zu einer Handvoll Chancen kommen. Dann entscheiden die viel zitierten „Kleinigkeiten“. Der Moment, in dem der Stürmer den Ball mit dem Kopf voll erwischt, oder er ihm über die Glatze flutscht. Die Szene, in der ein langes Bein den parallel zum Tor kullernden Ball über die Linie spitzelt, oder in der Schuhgröße 46 knapp nicht reicht. Ich sehe darin oft Glück und Pech. Wie bei einer Münze, die auf einer Kante entlang rollt, bis sie auf eine Seite fällt. Ich hadere durchaus mit dieser Sichtweise. Gerne würde ich alles Geschehen auf dem Platz Können und Unfähigkeit zuschreiben. Dann ist wer schuld, der bejubelt oder verflucht werden kann. Ich glaube denjenigen, die das so handhaben, geht es besser. Das laute Jubeln ist sicher gesund, ausgelassenes Zetern bestimmt auch. Dann kommt raus, was an Emotion in einem wartet. Manchmal gelingen mir diese Ausbrüche auch. Häufiger hadere ich jedoch mit dem Zufall, den ich in den Szenen sehe.

Endlich aber fiel die Münze mal wieder auf die richtige Seite, in den Szenen, die ich für mich als Spielglückkanten ausgemacht hatte. Nachdem zunächst alles wie in den letzten Wochen so häufig verlief. Nachdem Schalke gefällig begann, ohne sich ausreichend Chancen zu erspielen. Nachdem der Gegner sich berappelte, die Initiative ergriff. Nachdem er über Schalkes rechte Seite vors Tor und zu Abschlüssen kam.
Diesmal war der Stürmer beim Abschluss nicht in perfekter Balance, dafür waren die Beine der Blauen an den richtigen Stellen! Diesmal geriet Schalke nicht in Rückstand, obwohl des Gegners Chancen durchaus hochwertig waren!

Aus der Gelassenheit des Sieges heraus könnte das Was-wäre-gewesen-wenn-Szenario den Schalker Blick auf die letzten Spiele befrieden. Schalke hatte zuletzt nicht weniger gekämpft, sie hatten auch taktisch nicht wesentlich anders agiert. Gleichzeitig birgt dieser Blick die Gefahr der Erkenntnis, dass vermutlich auch das nächste Spiel wieder eine Spielglückkante haben wird. Und weil mir Schalke 04 den Optimismus abgewöhnt hat, mag ich noch nicht nach vorne schauen. Lieber will ich Heldenlieder singen!

Um sich an das letzte Schalker Spiel ohne Gegentor zu erinnern braucht es schon fast Hypnose. Im Neben der Erinnerung grinst einem dann Alexander Nübel entgegen. Viel lieber juble ich Ralf Fährmann zu!

Mehr irreal als nur heldenhaft: Matthew Hoppes Stürmershow. Welch großartige Tore das waren! Dass ein Schalker Angreifer tatsächlich wie ein Knipser wirkt, hätte doch niemand mehr für möglich gehalten.

Dass Amine Harit großartig kicken kann, wusste man hingegen. Dass er das plötzlich noch mal tun würde, nachdem er es so lange bleiben ließ, erstaunte aber doch. Er, der Spiele entscheiden kann, wenn er wirbelt. Wenn er wirbeln darf. Ich möchte wahnsinnig gerne glauben, dass es auch an Christian Gross lag. Ich möchte gerne glauben, dass wir die Story vom sensiblen Jungen erleben, den die väterliche Figur beiseite nimmt, dem mir weisen Worten der Rücken gestärkt und in der taktischen Anweisung die langersehnte Freiheit geschenkt wird.

Dass der zum Messias hochgejazzte Sead Kolasinac im ersten Spiel nach Rückkehr gleich den ersten Sieg feiern durfte, ist eine überragende Geschichte. Sollte Schalke den Abstieg noch verhindern können, wird sein Kopfballpass zu Harit, vor dem 1:0, sicherlich noch oft besungen werden. Als Ausgangspunkt der Aufholjagd.

Und wenn irgendwer schöne Geschichten schreiben und Helden laut besingen kann, dann ja wohl Schalke 04.

Ma’kucken.

Bild: Andreas Ernst

4 Gedanken zu “Endlich.

  1. Richtig ist was hilft….sagte ein hiesiger Chefarzt von ambulanten Tageskliniken. Und wenn das eben nen Seo hinter Amine ist so dass der gefühlt 1904 % stärker spielt und er den Matthew super bedient und er das Glück (oder Können) für die situativ richtigen Abschlußentscheidungen trifft ist das auch gut.
    Nicht immer alles hinterfragen wollen, sich aktuell freuen, feinjustieren und versuchen den Faden weiterzuspinnen…..denn AM ENDE DER SCHLACHT werden die Toten gezählt und nicht nach dem 15. Spieltag!
    Gut GEhn’n

  2. Torsten, in einem deiner viel geschätzen Beiträge hast mal geschrieben, dass – wenn auch oft beschrieen – ein Aufstieg durch Zeit geben analog zu Dortmund auf Schalke niemals möglich wäre.

    Sollte S04 sich (hoffentlich) am Ende der Saison retten – vielleicht wäre das zugleich der Grundstein für eine tief sitzende Demut die endlich mal langfristig und geduldiges handeln erlaubt. Vorrausgesetzt man findet zum richtigen Zeitpunkt auch den richtigen Trainer.

    Wie schätzt du das ein?

  3. Ich denke Du meist diesen Text: Der Blaue Mythos von der Gelben Geduld

    Darin wollte ich vor allem argumentieren, dass es die vielzitierte „Geduld“ gar nicht gibt – außer vielleicht bei einem Club wie Freiburg, der für sich ein eigenes Maß dafür festgelegt hat, was „Erfolg“ ist. Ich denke, dass ein Club den Erfolg stets vom Jetzt ausgehend bemisst, und dann eine Verbesserung bzw. zumindest ein ungefähres Halten des Erfolgsniveaus erwartet.

    Das erwarte ich auch weiterhin bei Schalke 04. Klar, wenn man knapp die Klasse hält, ist natürlich „mehr Luft nach oben“. Aber dass es überhaupt wieder nach oben geht, das liegt ja nicht nur am Trainer. Da sollten wir mal abwarten, ob sich unser Club wirtschaftlich noch mal entsprechend berappelt. Der Misserfolg wird sich auch in den Werbeeinnahmen auswirken. 2022 läuft das Gazprom-Sponsoring aus, das über Tönnies-Connection am Club gehalten wurde.

    Ich denke, da ist viel Umstrukturierung notwendig. Da mag ich noch nicht an einen erfolgreichen Zurück-nach-oben-Aufstieg denken.

  4. Was war das für ein toller Nachmittag! Gerade, als man wieder anfing zu zweifeln, ob es nicht doch wieder in die falsche Richtung geht, der erste Zuckerpasss von Harit und was für ein geiler Abschluss von Hoppe! Und dann noch 2 so abgezockte Abschlüsse nach ebenso schönen Vorarbeiten. Und zum Abschluss dann noch das Sahnehäubchen von Harit. Schön, dass mal wieder erleben zu dürfen!

    Bei der TSG hat man sehr schön gesehen, dass es bei denen mittlerweile ähnlich läuft wie bei uns. Nach anfänglichem Abwarten und beginnendem leichtem Übergewicht, wurde denen spätestens mit dem 2. und 3. Tor der Stecker gezogen, wie uns allzu oft in den letzten 30 Spielen zuvor.

    Und wäre irgendwann das 1-0 für die TSG gefallen, wäre auch unser Kartenhaus vermutlich wieder ganz schnell zusammengefallen. Hoffen wir, dass wenigstens etwas Selbstvertrauen durch diesen Sieg zurückgewonnen werden konnte und dieses nicht direkt wieder nach dem nächsten 0-1 in sich zusammen fällt.

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