Man möchte Schalke nicht glauben müssen

Schalke spielt nicht gut, das zeigte die 3:1 Niederlage in Frankfurt. Schalke kommuniziert nicht gut, das zeigte ein nächstens Mediendementi auf der Clubwebseite. Sich zu erklären, warum sich der Club darstellt, wie er sich darstellt, fällt schwer. Am liebsten möchte man ihm nicht glauben müssen.

Möchte man Positives aus Schalkes Spiel gegen Eintracht Frankfurt ziehen, kann man feststellen, dass man bis kurz vor Schluss auf eine Überraschung hoffen durfte. Das ist viel wert, in dieser Saison, die schon so viele trostlose Niederlagen bot. Das lag vor allem an Matthew Hoppes Toren. Gegen Hoffenheim zeigte er sich wie ein Top-Torjäger. Beim Treffer gegen Frankfurt nutzte er einen Abstimmungsfehler in der gegnerischen Hintermannschaft eiskalt aus. Wenn Schalke also plötzlich aus „Wenig“ trotzdem Tore generieren kann, dann muss man als Fan ein Spiel bei einem Rückstand von nur einem Tor noch nicht abhaken.

Dennoch muss man feststellen, dass das Schalker Spiel gegen Frankfurt wirklich sehr „Wenig“ bot. Zu wenig. Schalke erspielte sich keine einzige echte Torchance. Hoppes Treffer aus dem Nichts war der einzige Schalker Schuss, der wirklich aufs Frankfurter Tor ging. Zu mehr fehlte Schalke viel, vor allem der Ball.

Frankfurt war über 90 Minuten in allen Belangen überlegen. Schalke lief die meiste Zeit hinterher, kam nicht in die Zweikämpfe, war stets zu weit weg. Dass man tief stand, um keine Pässe in den Rückraum zuzulassen, war eine nachvollziehbare Vorgehensweise. Wie leicht sich Frankfurt dennoch immer wieder durch Schalkes defensives Mittelfeld kombinieren konnte, war schlimm anzuschauen. Nun steht der letzte Spieltag der Hinrunde an. Falls Schalke gegen den 1. FC Köln verliert, geht man mit mindestens sieben Punkten und einem grauenvollen Torverhältnis Rückstand auf den Relegationsplatz in die Rückrunde.

Ein Abstieg ist keine diffuse Zukunftsangst, sondern ein wahrscheinliches Szenario. Der kicker beschäftigt sich in seiner heutigen Montagsausgabe ausführlich mit der Situation auf Schalke. In einer Online-Vorabveröffentlichung wurde berichtet, dass Schalke einen Sportdirektor suche. Dabei sei Jochen Schneider außen vor, der Aufsichtsrat würde diese Personalie alleine angehen, denn der neue Sportdirektor solle das Potenzial haben, kurz- bis mittelfristig auch Jochen Schneiders Job zu übernehmen.

Eine sehr nachvollziehbare Darstellung. Jochen Schneider wirkt mit Schalke in allen Belangen überfordert. Außerdem hatte Schneider zuletzt selbst, in einem Live-Interview bei Sky, nach Fragen zu einem kommenden Sportdirektor auf den Schalker Aufsichtsrat als verantwortlich verwiesen. In diesem und anderen Interviews ließ Schneider durchblicken, dass er nicht damit rechnet, bei einem Abstieg seinen Job zu behalten. Mehrfach bot er sogar an, bei einer Freistellung auf eine Abfindung zu verzichten, da er nur bezahlt werden wolle, wenn er auch dafür arbeite. Dass sich also der Aufsichtsrat um einen neuen und von Jochen Schneider unabhängigen Mann bemühen sollte, scheint logisch.

Aber nur 3 Stunden nach der Veröffentlichung, und rund eine halbe Stunde nach Abpfiff des Spiels in Frankfurt, erschien auf der Clubwebseite ein Dementi. Dabei wird der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jens Buchta mit einer Aussage zitiert, dass der Aufsichtsrat nicht daran arbeite, einen Nachfolger für Schneider zu finden, und dass Jochen Schneider damit betraut sei, gemeinsam mit dem Aufsichtsrat einen Sportdirektor zu finden.

Es ist die nächste Ausgabe einer Reihe Dementi, welche zuletzt auf der Clubwebseite zu Medienmeldungen über Schalke 04 veröffentlicht wurde. Es ist reverse Kommunikation. Schalke 04 hat weitestgehend eingestellt, die Medien und seine Anhängerschaft über die Entwicklung und das Wirken seiner Entscheidungsträger zu informieren. Trotzdem dringen die Nachrichten zu den Nöten und Taten aus allen Ritzen dieses alten Schiffs und erscheinen auf den Kanälen der den Kahn begleitenden Journalisten. Das sich so ergebende Bild stellt Schalke dar, weil Schalke sich selbst nicht darstellt. Ab und an ein schwaches Dementi zu veröffentlichen bringt vielleicht ein paar Fans dazu, Medien als böse anzusehen. Letztlich bestätigen diese Dementi umgekehrt in großen Teilen das Bild der Medien von Schalke 04. Denn dass Schalke überhaupt einen neuen Sportdirektor sucht, dass Tönnies für ein finanzielles Engagement einen einstimmigen Aufsichtsratsbeschluss forderte, dass der Club langjährige und teils führende Mitarbeiter ihrer Aufgaben entzog, das alles wurde von Schalke 04 weder verkündet noch adäquat kommunikativ begleitet. Es wurde von BILD, WAZ, Sky, kicker oder Sport1 berichtet und erklärt.

Nun möchte man Schalke nicht glauben müssen, dass tatsächlich Jochen Schneider denjenigen sucht, der wieder Struktur in den Kader bringen soll. Nun möchte man glauben, dass dem Aufsichtsrat klar ist, dass Schalke jemanden braucht, der Schalke 04 besser repräsentiert als der so oft schnippisch wirkende Jochen Schneider. Sollte die Clubmeldung tatsächlich bedeuten, dass sich der Aufsichtrat noch nicht nach einem potenziellen Nachfolger Schneiders umschaut, wäre das ähnlich schlimm wie eine chancenlose Mannschaft auf dem Platz. Glaubt man Schalke lieber einmal mehr nicht so ganz, kann man sich die Meldung als Versuch erklären, Schneider als Vorstand vor einem Lame Duck-Label zu schützen. Ich gehe davon aus, dass es nicht allzu lange dauert, bis das besser einzuschätzen ist.

Grafik: Mohamed Hassan unter cc-Lizenz

4 Thoughts

  1. Die Tatsache, dass die neue Hoffnung abermals getroffen hat ergibt eine gewisse Zuversicht, dass es nicht bei 4 Toren bleibt.

  2. Kein Knoten geplatzt bei der Mannschaft.

    Die Außendarstellung ignoriere ich fast nur noch, es ist so traurig.

  3. Auf mich wirkt das Wirken der Verantwortlichen beim FC Schalke 04 so, als wenn sie sich nichts sehnlicher wünschen, das wieder jemand da ist der alles bestimmt, so wie in den letzten mehr als 10 Jahren. Sie selbst scheinen nicht in der Lage zu sein eine Richtung bestimmend vorzugeben. Aber Clemens Tönnies ist nun mal nicht mehr da, jetzt müssen die aus dem Schatten selbst handeln. Dabei geben sie ein jämmerliches Bild ab, anders kann ich es nicht nennen.

  4. Wir bedanken uns außerdem bei den Mitgliederversammlungen den letzten Jahre für ihre Wahlentscheidungen zum Aufsichtsrat.

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