Ein Spiel dauert 90 Minuten: Sei nicht scheiße!

Knapp 90 Minuten dauerte die erste Veranstaltung von „mitGEredet“ am Dienstagabend, einem neuen Digitalformat, in dem die Vorstände des FC Schalke 04 auf Fragen von Mitgliedern eingehen. Und nach dem Spiel ist vor dem Spiel, die zweite Veranstaltung fand bereits gestern statt, weitere folgen in der kommenden Woche. Ein Spiel dauert jedenfalls nie nur 53 Sekunden. Anhand eines derart kurzen Mitschnitts wird im Netz gerade über die Veranstaltung geurteilt, werden die Vorstände bewertet. Das ist falsch.

Ausgerechnet Herr Pepo, jemand der es eigentlich gut meint mit Schalke 04, lieferte mit dem 53-sekündigen Schnipsel die Grundlage für Häme von Alfred Draxler und eine BILD-Überschrift wie: „Nie war es peinlicher, Schalke-Fan zu sein!“. Ausgerechnet ich selbst habe gestern Früh einen Retweet dieses Schnipsels retweetet, weil es in dem Ausschnitt um ein Thema ging, zu dem ich einen Tag zuvor mit anderen Schalkern twitterte. Damit habe ich selbst zur Verbreitung des Mitschnitts beigetragen.

In dem Mitschnitt ist zu sehen, wie dem Vorstand eine live eingegangene Frage gestellt wird. Weshalb die Neubesetzung der Stelle „Stab Kommunikation“ mit Daniela Fuß-Ulbring erst am 08. Februar kommuniziert wurde, obwohl sie doch schon zum 01. Februar eingestellt worden sei. Es ist zu sehen, dass sich keiner der drei Vorstände für die Frage zuständig fühlte. Christina Rühl-Hamers, als Vorstand für Finanzen und Personal auch für Einstellungen zuständig, wies korrigierend darauf hin, dass Frau Fuß-Ulbring erst zum 03. Februar eingestellt worden sei. Der für Kommunikation zuständige Vorstand Jochen Schneider war nicht im Bilde. Nachdem er letztlich den Vorstand für Organisation, Alexander Jobst, in dessen Aufgabenfeld die Schaffung der Stelle fiel, um Unterstützung bat, brach der Mitschnitt ab.

Alle drei Vorstände geben in diesem Mitschnitt kein gutes Bild ab. Vor allem Jochen Schneider macht einen überforderten Eindruck. Ein Schnipsel, der gerade so gut passt, da auf Grund der sportlichen Misere vor allem Schneider als Vorstand Sport in der Kritik steht, da er schon häufiger einen überforderten Eindruck machte und wiederholt zeigte, dass Kommunikation nicht seine Lieblingsbeschäftigung ist. Der Mitschnitt wurde bislang über 150.000 Mal gesehen.

Aber es ist falsch, aufgrund dieser paar Sekunden über Jochen Schneider in dieser Veranstaltung zu urteilen. Vor allem ist es auch falsch, aufgrund dieser paar Sekunden über die Veranstaltung an sich zu urteilen.

Das Format ist gut und es ist glaubwürdig. Moderator und Fragensteller Jörg Seveneick trifft den Ton der Mitglieder und stellt die Fragen ihrer Intention entsprechend, ungeschönt und nicht gebügelt. Die Vorstände antworten wertschätzend. Es sind Rückfragen möglich. Sich live zuschalten zu lassen ist ebenfalls machbar.

Natürlich sind die handelnden Personen auch in diesem Format nicht anders zu erleben, als man sie zuvor erlebte. Egal ob schriftlich oder live, Alexander Jobst wird man wahrscheinlich niemals was Offizielles ohne seinen Marketing-Dukus sagen hören. Der Eine hält das für professionell, die Andere für zu glatt. Auch in diesem Format wirkt Jochen Schneider nicht so, als hätte er Spaß am Antworten. Er macht stets den Eindruck, als müsse er da gerade was erledigen, was eigentlich nicht zu seinem Job gehören sollte. Trotzdem wurden alle Fragen beantwortet, auch von Jochen Schneider, und gerade er las auch keine vorbereiteten Antworten ab, sondern beantwortete die Mitgliederfragen eben so, wie er auch in Mediengesprächen den Pressevertretern antwortet. In der Gesamtbetrachtung empfand ich beide Veranstaltungen als informativ und als einen geeigneten Baustein zu einer besseren Kommunikation.

Jedem Mitglied möchte ich empfehlen, sich die Veranstaltungen in voller Länge anzuschauen, wenn man sich wirklich eine Meinung über die Aussagen der Vorstände bilden möchte. Ausschnitte oder kurze Zitate, wie sie nach solchen Veranstaltungen durch Foren und Social Networks getrieben werden, reichen nicht, um sich ein Bild vom Sachverhalt zu machen, um Intentionen zu verstehen oder gar Urteile zu fällen. Mir ist natürlich auch klar, dass es immer Leute gibt, denen es nicht um den eigentlichen Sachverhalt geht, die ausschließlich nach Munition suchen, um gegen diejenigen schießen zu können, die ihnen nicht passen. Aber die sind eben scheiße.

Man sollte nicht scheiße sein, und man sollte auch zusehen, dass man nicht aus versehen scheiße ist. Je schneller man im Netz unterwegs ist, man flott hier was teilt und da was weiterleitet, desto größer ist diese Gefahr. Das gilt selbstverständlich auch für mich selbst. Fehlerfreiheit kann ich nicht garantieren. Dass ich nicht scheiße sein will aber wohl.

5 Thoughts

  1. Also äh…ähm.äh…ähm…äh…ähm ich fand speziell den Jochen sehr „entlarvend“, sprich: das er einfach kein Mann für die ERSTE Reihe ist. Er mag ein guter Zuarbeiter gewesen sein, in Stuttgart, in Leipzig, aber für die erste Reihe fehlt so einiges.
    Und wenn der Alex übertrieben auf Kumpel macht werd ich auch vorsichtig. er versucht MIT ALLEN MITTELN die Ausgliederung voran zu treiben. Den Schalker Stallgeruch hatte er nie und wird er nie haben.
    Die Christina dagegen ist „unschuldig“ und muß den Scherbenhaufen von PP jetzt ausbaden (nebenbei bemerkt: das PP sich für den AR bewirbt ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten).
    Habe die letzten Tage den sehr hörenswerten „Phrasenmäher-Podcast“ von Felix Magath gehört. Dort erfährt man auch einiges Amüstantes und Richtiges über Hans Sarpei, der immer und gern über die Medien ablästert und nix Problemlösendes beiträgt
    So eine Respektperson wird bei Schalke dringend benötigt. Ob sich ein „Rolf“ Rangnick hierzu erbarmt weiss ich nicht.
    Der neue Sportdirektor UNTER JS wird auch nur eine Witzfigur werden.

    Sicherlich kann man 90 Minuten nicht auf 0:53 min runterbrennen, aber dieses Mitgeredet-Format erinnert mich sehr an ein ruhrpöttisches Ohnsorg-Theater….einfach nur lächerlich und erbärmlich wie der aktuelle Stand in der Bundeseliga!

  2. Einfach komplett online stellen auf Youtube und damit zugänglich machen.
    160.000 Mitglieder und Millionen Schalke-Fans hätten es verdient.

    Dann werden aus 53 Sekunden ganz automatisch 90 Minuten.

  3. DANKE! Das sind 1:1 meine Gedanken zu diesem Thema.
    Wir Schalke-Fans haben unfassbar gelitten – und zerfließend in unserem Selbstmitleid liefern wir nun den Stoff, damit sich BILD, Doofmund-Fans, Bielefeld-Fans und sogar HSV-Fans weiter über uns lustig machen.

    Wir malen fiese Banner und hängen diese irgendwo auf, wir bilden Menschenketten um Personen aus dem Verein zu kriegen und wir teilen extrem negativ belastete Videos, welche innerhalb von Stunden viral durch das Netz schießen, nur um unseren Vorstand zu schaden und ggfs. den Nächsten aus dem Verein zu bekommen – das ist mir alles zu negativ.

    Ich bin fest davon überzeugt, dass die geilsten Fans der Welt – die Fans des Vereins mit den zweitmeisten Mitgliedern Deutschlands, die Fans eines der wertvollsten Clubs der Welt – nein… die Fans vom FC Schalke 04 e.V. definitiv in der Lage sind positive Schlagzeilen zu erwirken, wenn das im Verein schon niemand anderes tut.

    Wir sind abgestiegen. Wir haben uns bis auf die Knochen blamiert. Die Fremdscham-Skala ist mehrfach explodiert. Mir reicht’s. Raus aus dem Selbstmitleid, Arsch hochkriegen und jetzt darauf einstellen, dass wir im kommenden Jahr mit mehr als ausverkauften Heimspielen und legendären Auswärtstouren die zweite Liga rocken! Das erwarten wir von Spielern und Vorstand, aber wir selbst als Fans sollten auch endlich mal damit anfangen.

  4. Wir alle, die wir in irgendeiner Form im Netz unterwegs sind, sind anfällig für zu schnelle Reaktionen und Einschätzungen, auch wenn wir nicht aktiv etwas zur Verteilung einer Info beitragen. Das beginnt schon im Kopf und der Neigung, einer Aussage, die uns gefällt, schnell mal zuzustimmen. Darauf immer mal wieder hinzuweisen, wie Du das hier in Deinem Beitrag machst, ist wichtig.

    Ich bin der Einzelkritik an den Verantwortlichen, vornehmlich der an Schneider, müde. Wir wiederholen uns nur und ändern doch nichts. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass Schneider einer für die zweite Reihe ist, das gab ich bereits zu bedenken, als er zu Schalke kam.

    Ich kann jetzt auch nicht einfach den Hebel auf zweite Liga umstellen, solange wir noch oben spielen, besteht an jedem noch ausstehenden Spieltag die Hoffnung auf Punkte. So unvernünftig darf ich als Fan sein.

    Nicht so die Entscheider. Für die gilt es jetzt, so bodenständig wie möglich (orientiert an den finanziellen Möglichkeiten) für die zweite Liga zu planen. Anstatt nach einem großen angeblichen Retter zu schielen (Rangnick, ich kann es echt nicht mehr lesen), vielleicht besser mal im Breisgau eine Schnupperwoche absolvieren und von dort ein paar Tipps mitnehmen, wie man mit magerem Budget dauerhaft Bundesliga kann und was davon auch auf Schalke umsetzbar wäre.

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