Kotelett-Kaiser, Kader und Kalender

Clemens Tönnies spricht. Rouven Schröder macht. Und Schalke spielt sofort gegen den HSV. Selbst wenn eigentlich nichts los ist, ist was los, auf Schalke. Schalker verstehen das.

Dass der »Kotelett-Kaiser der König von Schalke« sei, schrieb einst Alfred Draxler, Clemens Tönnies‘ Kumpel bei der »Bild«. Nun gab der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04 der »Welt am Sonntag« ein Interview. Auch »Die Welt« gehört zum Springer Verlag, wie die »Bild«, die nun ihrerseits die Zitate aus dem Interview aufgreift und daraus Meldungen generiert. Zur Presse des Springer Verlags hat Clemens Tönnies seit je her ein gutes Verhältnis. Dort mag man starke Männer die Geschichten liefern. Entsprechend dürfen und sollen sich diese Darstellen. Im aktuellen Interview lehnt Clemens Tönnies zunächst jegliche Verantwortung am Absturz des FC Schalke 04 ab, um dann seine Idee vom zukünftigen Schalke zu präsentieren und seine Gegner zu benennen.

Man habe auf die Zukunft gewettet? Natürlich, das mache doch jeder Unternehmer. Den Verein plagen Verbindlichkeiten von 217 Millionen Euro? Als er ging hätte die Verschuldung nur bei 169 Millionen gelegen. Ohne Corona wäre man auf einem »sehr, sehr guten Weg« gewesen. Zur Modernisierung des Clubs habe er noch mit dem »ehemaligen Vorstand« das Konzept zur Umwandlung des Vereins in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) entwickelt. Damit wäre man wettbewerbsfähig und es ginge nicht mehr darum, wer sich »den Forderungen der Ultras füge«, um durch den Wahlausschuss zu kommen.

Tatsächlich hatte Tönnies‘ »sehr, sehr guter Weg« reihenweise Sportvorstände und mit ihnen viele Trainer und viel Geld verbrannt. Am Ende war nie jemand schuld. Der Konzernabschluss zum 31.12.2019 wies Verbindlichkeiten in Höhe von 198 Millionen Euro aus. Aber nachhaltiger als die Schönfärberei werden Clemens Tönnies‘ Aussagen zur Umwandlung des Vereins und die Benennung der »Ultras« als Gegner wirken. Die KGaA wird als Rechtsform diskutiert werden und wird für die nach wie vor zahlreichen Blauen, die Schalke im Sinn von Clemens Tönnies geführt sehen möchten, nun der erste Vorschlag sein. Und weil klare Pole das Leben so schön einfach machen, sind für Clemens Tönnies, »Bild«, deren Anhänger und Leser alle diejenigen »Ultras«, die sich als Fans bezeichnen und nicht ohne Widerrede gut finden, was man selbst als richtig erachtet. Clemens Tönnies wird nie ganz weg sein.

Schalkes Kader nimmt Formen an

Thomas Ouwejan und Marvin Pieringer ausgeliehen. Danny Latza, Simon Terodde und Marcin Kaminski ablösefrei verpflichtet. Reinhold Ranftl, Victor Palsson und Marius Bülter für vergleichsweise kleines Geld aufs Berger Feld geholt: Schalkes Sportdirektor Rouven Schröder arbeitet flott. Seine Verpflichtungen ergeben fast eine Startelf, die dann mit den jungen Spielern aus der Knappenschmiede, die sich in der letzten Saison hervorgetan haben, zu einer Mannschaft werden sollen. Allgemein wird Schalkes Kaderplanung gerade als passend erachtet und Rouven Schröder erhält viel Applaus.

Ich mag diese Sichtweise. Ich finde Rouven Schröder sympathisch und freue mich über jede positive Meldung zu Schalke 04. Dennoch mag ich zwei Gedanken zum aktuellen Geschehen anführen:

Dass Schalke nun so flott handeln konnte lag auch daran, dass Dimitrios Grammozis seinen Job bereits in der letzten Saison übernommen hatte. Grammozis hatte längst einen Eindruck davon, auf wen er für die nächste Saison setzen mag und auf wen nicht. Mit ihm und im Austausch mit Peter Knäbel war längst klar, wie Schalke in der kommenden Saison spielen möchte, und welche Art Spieler es dafür braucht. Rouven Schröder konnte einsteigen, er musste nicht bei Null beginnen. Ein Teil des Applaus‘ gebührt deshalb auch Peter Knäbels Planung und Dimitrios Grammozis‘ bisherigem Tun.

Wenn Schalke jüngere Spieler verpflichtet, wird in der Regel gejubelt, sind es ältere Spieler, werden die Verpflichtungen kritischer betrachtet. Ich befürchte hingegen, dass der Kader insgesamt noch zu unerfahren ist.

Ich verstehe die Idee hinter dem Schema. Junge Spieler machen Hoffnung auf Wertsteigerung. In einer perfekten Welt spielen diese jungen Spieler alle toll, werden wertvoll und bringen den Club entweder aus eigener Kraft weit nach vorne oder bescheren dem Club zig Millionen an Ablöse bei einem Wechsel. Aber hinter diesem Szenario verbirgt sich viel Wunschdenken. Junge Spieler, die sich Schalke 04 im Jahr 2021 leisten kann, sind immer ein Versuch, nie eine Garantie. Auch von den Talenten der eigenen Jugendarbeit werden sich letztlich nur eine Handvoll im Profifußball etablieren. Dabei ist es immer von Vorteil für junge Spieler, sich in einem festen Gerüst von etablierten Spielern entwickeln zu können.

Schon unter Jochen Schneider versuchte Schalke, eine etablierte Elf mit jungen Talenten zu einem Kader aufzufüllen. In der Rückrunde der Saison 2019/2020 musste David Wagner dann damit umgehen, dass viele gestandene Profis verletzt waren und Schalkes Team hauptsächlich aus jungen Spielern bestand, die in der Bundesliga keinen Chance hatten.

Das hier soll gar nicht als große Kritik am aktuellen Geschehen verstanden werden. Ich halte den Weg der aktuellen Kaderplanung für richtig. Ich mag es, dass man den eigenen Nachwuchsspieler alle Chancen gibt, sich zu etablieren und letztlich hat Schalke auch nicht genug Geld, um 20 Spieler zu verpflichten. Aber gemessen an der großen Frage, ob die Planungen aufgehen, ist mir der Jubel unter Fans schon zu laut. Noch ist kein Spiel gewonnen und der aktuelle Kader stellt sich so dar, dass ich über jeden Spieler froh bin, der mehr als eine Handvoll Spiele Erfahrung auf Männer-Niveau aufweist.

Auftakt gegen den HSV

Dass bereits rausgekommen wäre, dass Schalke in dieser Saison nicht mit Spielen gegen Bayern, Dortmund und Leipzig in die Saison starten würde, versuchte ich Freitag noch zu witzeln. Dafür startet Schalke nun gegen den HSV und in Kiel, am 5. Spieltag kommt Fortuna Düsseldorf.

In einer zweifellos attraktiven Liga gehört Schalke 04 mit seinem Zuschauerzuspruch zu den attraktivsten Clubs. Das mag die DFL nutzen und das schließt für Schalke offensichtlich ein leichtes Startprogramm aus. Die Blauen müssen sofort liefern. Zwei Niederlage wären in Schalkes Situation eben nicht nur zwei Niederlagen, sondern ließen sofort das Gewicht der letzten anderthalb Jahre auf den Club sinken und würden jede Hoffnung sofort ersticken.

Man merkt: Positives Denken muss ich erst wieder üben. Bleiben wir derweil bei Daten und Fakten. Wie seit nunmehr 10 Jahren habe ich auch die Spieltage der kommenden Saison in einen S04 Google-Kalender gebracht. Damals hatte ich gerade damit begonnen, meinen Alltag über mein erstes Smartphone zu organisieren. Die Kalender-App war dabei die Zentrale, und über Google konnten auch die Termine des FC Schalke 04 importiert werden. Das funktionierte aber nicht gut. Die Aktualisierungen, insbesondere nach den regelmäßigen Spieltagsterminierungen, waren unzuverlässig. Außerdem bezogen sich die Termine ausschließlich auf den Ligabetrieb.

Also begann ich, meinen Kalender selbst zu pflegen, und weil es an dieser Stelle reicht, wenn einer die Arbeit macht, gab ich den Kalender frei. Ich habe keine Ahnung, wie viele Abonnenten der Kalender hat. Aber grundsätzlich scheint die Sache zu funktionieren, über Twitter, Facebook & Co. erhalten ich regelmäßig positives Feedback dazu.

Für diejenigen, die bereits selbst einen Google-Kalender nutzen, ist die simpelste Methode zum Abonnieren des S04 Kalenders, in der Desktop-Ansicht auf meiner Kalenderseite auf das „+ Google Calendar“ unten rechts zu klicken. Zur Integration in eine sonstige Kalender-App sollte einer der folgenden Links helfen:

Öffentliche Adresse zu diesem Kalender
Öffentliche Adresse im iCal-Format

Foto: Eric Rothermel

4 Thoughts

  1. Liegt sein versprochenes großes Abschiedsgeschenk (OT Tönnies: „Wenn ich gehe, dann mache ich dem Verein ein Abschiedsgeschenk – da fällt allen die Kinnlade runter.“) auch noch in der Schublade?

    Tönnies haut ausdrücklich noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Interna raus, obwohl er dazu schon lange nicht mehr autorisiert ist und zieht damit zum wiederholten Male die aktuellen Vorstandsmitglieder und amtierende Aufsichtsräte am Nasenring durch die Öffentlichkeit. Das ist ein Fall für den neuen Ehrenrat, der hoffentlich hinsichtlich Tönnies nicht so parteiisch sein wird wie der alte/aktuelle.

    Es kommt auch in dem BamS-Interview wieder der Narzisst in Clemens alias „keine Schalker Götter neben mir“ Tönnies zum Vorschein (OT Andy Müller, der lange mit Tönnies ganz eng zusammengearbeitet hat: „Tönnies war ein Narzisst, dem war der Rudi zu groß.“). Denn Tönnies erwähnt ausdrücklich, dass er auch weiterhin im Herzen Schalker bleibt, obwohl er kein Funktionärsamt mehr innehat. Offenkundig will er für etwas bewundert werden, das für über 160.000 Mitglieder selbstverständlich ist: Mit Herzblut Schalker Fan und Mitglied zu sein ohne ein Amt oder Macht im Verein zu haben.

  2. Wie mittlerweile leider typisch deutsch kann man einige Sachen nicht mehr ansprechen….in der Gesellschaft aktuell Regenbogenzeugs oder straftätige Ausländer etc.
    So ist es bei Schalke mit den Ultras. Hat man eigentlich mal zusammengerechnet wieviel Strafen bei DFB/DFL deren Tagen Pyros etc. die sog. „Ultras“ Schalke schon beschwert haben???
    warten wir mit ab ob es den Ultras jetzt gelingt „ihren“ Kandidaten in den AR zu bringen!

    sehen wir es mal positiv: war eine KGaA schon mal auf Schalke im Gespräch? eine eG ist illusorisch und nicht realistisch. Wenn ein Bert Rürup das schon mal durchgerechnet und für positiv befunden hat ist dies ja auch nicht schlecht.

    Sicherlich kann man den Zeitpunkt für das Interview kritisieren. Fakt ist: am Mittwoch ist er 1 Jahr nicht im Amt. Fakt auch: wo ist 1860 München jetzt nach Wildmosers Abgang?
    Ob man das vergleichen kann muß jeder für sich beurteilen und entscheiden.

    Hoffen wir einfach mal das beste und eine gewisse Portion GElassenheit tut allem mal gut! wenn man ein Haar in der Supe sucht findet man überall was….man muss nur lange GEnug suchen!

    wichtig ist nur das wir Schalker uns nicht gegenseitig weiter zerfleischen….aber ähnlich wie in der aktuellen Gesellschaft zwischen „Querdenkernb“ und „Merkel-Jüngern“ sehe ich leider immer noch gewaltige Risse durch die Mitgliederschaft…aber ich gucke nur noch nach vorne: wichtig ist für Schalke in absehbare Zeit (3 Jahre) wieder aufzusteigen, sich finanziell zu konsolidieren und ein geeignetes neues stabiles Finanzkonstrukt zu schaffen um langfristig wieder in gewohnten Sphären mitwirken zu können

  3. Für Pyros gab es meines Wissens einmal 20.000 Euro Strafe, das mit 10.000 multipliziert ergibt Tönnies‘ Schuldenberg. Wir hatten übrigens kürzlich 50.000 Euro Strafe zu zahlen, als jemand, der „man kann einige Sachen nicht mehr ansprechen“ sicher unterschreiben würde den Hertha-Spieler Jordan Torunarigha beim rassistisch beleidigt hat.

    Dass Tönnies den demokratisch durch die Mitglieder gewählten Wahlausschuss hasst und durch eine Kapitalgesellschaft aushebeln wollte, ist klar, er hatte zweimal grundlos Angst, dis Vorauswahl nicht passieren zu können. Aber die Zusammensetzung ist vomn jeher vielfältig und sorgt für vielfältige Kandidaten.

    Dass man nebenbei „typisch deutsch“ angeblich nichts ansprechen darf, diese Behauptung verwundert nun doch sehr. Überall finden sich neben positiven Stellungnahmen auch negative zu den Regenbogenaktionen. Du meinst vielleicht „nicht ansprechen darf, ohne dafür kritisiert zu werden“, aber unter Erwachsenen sollte Kritikfähigkeit doch normal sein.

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