Niederlage im Auftaktspiel: Die Lücke zwischen Trainer- und Fangefühl

Schalke 04 verliert sein erstes Zweitligaspiel nach 30 Jahren Erstklassigkeit. 1:3 endete der Saisonauftakt gegen den Hamburger SV. Fast alles war neu und einiges war gut, an diesem Abend. In der Bewertung der taktischen Herangehensweise klafft allerdings eine große Lücke zwischen der Sicht des Trainers und der Sicht der Zuschauer.

Anderthalb Spielzeiten dauerte Schalkes einzigartiger Absturz. Anderthalb Spielzeiten durften keine Fans ins Stadion. Nun, eine Liga tiefer, soll alles anders werden. Gegen den HSV stand kein Spieler mehr auf dem Platz, dem man einen Anteil am Absturz ankreiden würde. An einem herrlichen Sommerabend war das Stadion immerhin zu einem Drittel mit Fans gefüllt. Zwanzigtausend Schalker, die Lust auf diese neue Mannschaft, auf diese neue Saison hatten.

Aus Sicht des Trainers war die Niederlage unglücklich und das taktische Konzept ist aufgegangen. Für die Sichtweise Dimitrios Grammozis’ lassen sich einige gute Argumente anführen. Obwohl der HSV fast 80% des Ballbesitzes für sich verbuchen konnte, hatte Schalke mehr und bessere Torchancen als der Gegner. Letztlich gibt ein Trainer seiner Mannschaft genau dafür taktische Vorgaben mit auf den Weg. Dass der Ball über die Linie rutscht bewirkt keine Taktik der Welt. Dass sein Team in die für Torchancen notwendigen Situationen kam, hatte Grammozis’ Matchplan bewirkt.

Diese Herangehensweise, dem Gegner des Ball derart konsequent zu überlassen, war allerdings das Gegenteil von dem, was sich die Fans von diesem Spiel erhofft hatten.

Wir wollen natürlich dominant spielen, gerne selbst den Ball haben und versuchen, viele Torchancen zu kreieren. Darauf liegt unser Hauptaugenmerk. Und wenn wir den Ball nicht haben, wollen wir ihn so schnell wie möglich zurückholen.

So hatte Dimitrios Grammozis seine Idee von Schalke in der 2. Liga selbst formuliert. Mit dieser Erwartungshaltung ging man in Gelsenkirchen am Freitag ins Stadion. Nicht, weil Grammozis das so sagte, sondern weil man auf Schalke gerade erst mehr als eine Saison hinter sich hat, in denen das jeweils andere Team das Geschehen bestimmte.

Kaum jemand erwartete, dass Schalke den HSV an die Wand spielen würde. Dass Abläufe nicht passen würden, dass sich dieses Team erst finden muss, war allen klar. Aber der freiwillige Verzicht auf Ballbesitz erinnerte zu sehr an das Hinterherlaufen der Blauen in der letzten Saison, als dass man sich an einer Torschussstatistik hätte erfreuen können.

20.000 Schalker wollten ihre Mannschaft in Richtung gegnerisches Tor brüllen, aber die überließ lieber dem Gegner den Ball! Schalke ließ an diesem Abend nicht nur die ersten Punkte liegen und verlor Kapitän Danny Latza verletzt. Man verpasste auch die Chance, gleich zu Saisonbeginn die Herzen der Fans »im Sturm zu erobern«, sofort einen »Wir sind wieder da«-Moment zu kreieren um somit auch emotional eine Abgrenzung zur letzten Saison, einen emotionalen Neubeginn zu schaffen.

Bis auf Weiteres bleiben Hoffnung und Sympathie. Es war gut, Schalke wieder mit Zuschauern zu erleben. Da stand ein Team in Blau auf dem Platz, das man mögen kann! Eine Mannschaft, die ganz am Anfang steht, mit einem Trainer, der noch zeigen muss, dass er auch aktiv spielen lassen kann. Vielleicht ja nächste Woche.

Foto: Wikimedia

5 Thoughts

  1. Ja, alles in allem hätte es gut gehen können, wie du in den beiden letzten Absätzen aber auch schreibst, fühlt es sich eher an, als hätte man eine Chance verpasst.

  2. Gut zusammengefasst, Torsten.
    Ich fand die Kritik in den gängigen Foren/Medien größtenteils viel zu harsch. Für mich haben viele Schalker sich noch nicht wirklich mit der Realität abgefunden, oder sie vielleicht noch nicht einmal erkannt.
    Wir stehen ganz am Anfang eines Weges, der keineswegs direkt in den Aufstieg führen muss. Realistisch betrachtet, ist das wohl eher die unwahrscheinlichere Variante.
    Für eine komplett neue Mannschaft in ihrem allerersten Pflichtspiel gegen einen Liga-Primus war das unterm Strich gar nicht mal so schlecht.
    Natürlich hatten wir alle auf mehr gehofft, nicht nur in Bezug auf das Ergebnis.
    Aber trotz allem bin ich Freitag mit einem besseren und hoffnungsvollerem Gefühl nach Hause gegangen, als es in den letzten Jahren die Regel war.
    Ein wenig wehmütig darf man aber sein. Denn hier gebe ich @Carlito1904 recht. Es fühlt sich schon so an, als hätte man auch was verpasst.

  3. Gude, bin Lilie!
    Was macht Ihr bitte in Liga 2?
    Tönniers war & is Euer Untergang!
    Ob vorne orrer hinne mauchelnt!
    Rudi, würde sich im Grab rum drehn!
    Blau-Weiße-Grüße

  4. Ohne Chef nach 15 Minuten, mit schwacher Bank und wackliger Innenverteidigung wäre ein 1:1 ja doch schön gewesen. Egal mit welchem Plan.

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