»Fehlentscheidung«? Es fehlen die Worte

Am Samstag in Bremen wurde Schalke 04 von den Schiedsrichtern um den Sieg gebracht. »Fehlentscheidung« hieß es überall. Ich empfinde dieses Wort als unpassend und den Umgang des DFB mit diesem Vorfall, mit solchen Vorfällen, als provozierend lapidar.

Die gemeine Fehlentscheidung prägte Fußball-Diskussionen in Deutschland bis zum Sommer 2017. Der Schiedsrichter pfiff und nach dem Spiel wussten es alle besser. Souveräne Schiedsrichter stellten sich nach dem Spiel den Medien, betrachteten die TV Bilder und äußerten sich entsprechend. Mal wurde begründet, warum sie die Entscheidung weiterhin so vertraten. Mal erlangten sie durch verschiedene Kamerablickwinkel einen anderen Eindruck der Szene. Mal baten sie sogar um Entschuldigung und räumten ein, dass ihre Entscheidung offenbar falsch gewesen sei.

Nur selten konnte das die Emotionen von Fans besänftigen. Es wurde weiter Zeter und Mordio geschrien. Und doch gab es bei 99% der Fußballfans und -beobachtern die Einsicht, dass einem Schiedsrichter natürlich immer Fehler passieren konnten. Dass der eine Blickwinkel, nach dem er entschied, eben nur einer war. Dass die rund ums Spielfeld aufgestellten Kameras durch andere Perspektiven zu anderen Erkenntnissen führen mochten. Dass deshalb ein Unterschied zwischen Schiedrichterblick und Kamerablick zwangsläufig aufkommen musste.

Um diesen Unterschied abzuschaffen, wurde 2017 der VAR eingeführt, der »Video Assistent Referee«. Nun schaut sich also ein extra abgestellter Schiedsrichter die Kamerabilder an. Wenn es an die endgültige Entscheidung geht, soll aber der Schiedsrichter auf dem Platz das letzte Wort haben, also schaut sich dieser die Kamerabilder auch noch an, an einem Monitor am Spielfeldrand. Damit dieser dort nicht stundenlang steht, hat der DFB den Einsatz des VAR und der damit verbundenen Technik begrenzt. Die Voraussetzung für das Eingreifen des VAR sei demnach, dass »nach seiner Einschätzung eine klare und offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz vorliegt. Ist eine solche, klar falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Platz nicht gegeben, darf der Video-Assistent nicht eingreifen. Der Video-Assistent ist also nicht dazu da, eine bessere Entscheidung zu finden. Auch wird es weiterhin Szenen geben, die nicht eindeutig aufzulösen sind. Der Video-Assistent soll den Fußball ein Stück weit gerechter machen.«

Wie kann man dann, wenn Dinge wie am Samstag in Bremen passieren, noch von »Fehlentscheidung« sprechen? Schon der Singular ist unpassend. Da sitzt ein FIFA-Schiedsrichter vor dem Bildschirm und da steht ein weiterer FIFA-Schiedsrichter auf dem Platz, gemeinsam mit der Erfahrung von fast 300 Erstligaspielen. Und der eine greift ein, obwohl er nicht eingreifen soll. Und der andere »verbessert«, obwohl es nicht ums verbessern geht. Und nach Minuten des Anschauens von Zeitlupen entscheidet er auf einen Strafstoß, den kein Funktionär im deutschen Fußball, kein Journalist und kaum ein Fan zu erkennen imstande ist.

Die Schiedsrichter kennen die Regelungen des DFB nicht. Oder sie halten sich nicht dran. Im Nachgang werden vom DFB namenlose Erklärungen veröffentlicht, dass das Vorgehen eben falsch gewesen sei. Die Leichtfertigkeit und Arroganz, mit der die Bundesliga mit dem Instrument VAR umgeht, ist unerträglich. Nichts an diesen Vorgängen hat noch irgendwas mit dem unschuldigen Begriff »Fehlentscheidung« früherer Tage zu tun. Für solches Vorgehen fehlen einem schlicht die Worte.

Foto: Wikimedia

6 Thoughts

  1. Danke für die nachgereichte Definition für „die Voraussetzung für das Eingreifen des VAR“. War mir nicht geläufig, und mildert meine Wut über diese Entscheidung nicht gerade. Ich konnte es auch kaum ertragen, dass es am Ende hieß, aber die Bremer hätten sich aufgrund des Spielverlaufs den Punkt verdient. So läuft Fußball nicht, wie wir wissen, und sie haben den Punkt eben nicht verdient, wegen der Art und Weise.

  2. MAGsein!
    Genauso ist es!
    Durch einen unberechtigten Elfer kann kein gerechtes Ergebnis zustande kommen, genauso wenig kann man sagen dass das Unentschieden verdient gewesen sei! Wer in 97 Min. kein reguläres Tor erzielt, hat es NICHT verdient!

  3. Wo mir einfach was ab geht, die Männer in „Schwarz“ fordern für sich Respekt ein und halten es nicht für nötig sich beim Verein und seinen Fans zu entschuldigen. So etwas ähnliches hatten wir 2001,wo sich nach Jahren Dr. Merk eine andere Entscheidung getroffen werden konnte

  4. Warum habt ihr nicht den Arsch
    In der Hose dem Verfasser des
    Komentars zu nennen. Dieser traf
    im wesentlichen den Nagel auf den
    Kopf. Ganz ganz schwacher Journalismus, einfach erbärmlich.

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