Mutmachender Erfolg im Vorwärtsgang

In einem aufregenden Spiel schlägt Schalke den Club aus Nürnberg 4:1 und hält den Anschluss an die Aufstiegsplätze. Dabei führte eine erfrischend variable Spielweise zu einem verdienten Erfolg, auch wenn die Blauen zwischendurch mal Glück hatten.

Saison 2021/22, 17. Spieltag: Schalke 04 – 1. FC Nürnberg 4:1

Am Donnerstag, am Abend vor dem Spiel, teilte Twitter-Kumpel Marcel Lindenau einen bemerkenswerten Tweet. Ronaldo, der brasilianische Weltmeister, habe in seiner Karriere unglaubliche 88 Tore dadurch erzielt, dass er zuvor den Torhüter umspielte. Als man in dem entsprechenden Video so geballt sah, was man sonst eher selten sieht, fragte ich mich, ob das denn tatsächlich so schwer ist, dass es einen Ausnahmespieler wie Ronaldo dazu brauchte, oder ob die Genialität nicht vielleicht in dessen Bewusstsein lag. Ob es einem technisch beschlagenen Spieler nicht generell leichter fallen müsste, Torhüter zu umspielen, als sie zu überlupfen oder den Ball sonst wie an den heranstürmenden Riesen vorbeizulegen. Daran erinnerte ich mich sofort, als Darko Churlinov in der 85. Spielminute das tollste Tor des Tages erzielte, nachdem er Nürnbergs Torhüter Christian Mathenia umkurvt hatte.

Dieser Treffer war die späte endgültige Entscheidung eines Spiels, das Schalke sehr verdient gewann, in dem Schalke bemerkenswert zielstrebig agierte, in dem aber trotzdem immer alles möglich schien.

Diesmal profitierten die Blauen vom Schiedsrichter, als dieser eine abseitsverdächtige Situation nicht lange genug laufen ließ und das Spiel vor einem erfolgreichen Nachschuss unterbrach. Durch die Unterbrechung war der VAR außen vor und konnte nichts korrigieren. Abseits war es nicht, es wäre Nürnbergs Ausgleich in der 36. Minute gewesen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte, als Nürnberg tatsächlich den Ausgleich erzielte, hatte das Spiel eine ausgeglichene Phase. Auch sonst gab es immer wieder mal Situationen, in denen Nürnberg den Ball im Mittelfeld eroberte und dann schnell vor Schalkes Tor auftauchte. Es war kein perfektes Spiel der Blauen. Kein Spiel mit »Dominanz«, in dem der Gegner keine Luft gehabt hätte. Und doch denke ich, dass es Schalkes bestes »Offensivspiel« in dieser Saison war.

Nicht wegen der vier Treffer, dafür fielen die Entscheidung zu spät. Auch nicht wegen der 25 Torschüsse, die am Ende in der Statistik abzulesen waren. Die bezeugten eher, dass Schalke im Abschluss zu unpräzise war. Es war der stete Zug zum Tor, der mich beeindruckte, und die Tatsache, dass Schalke über die gesamte Breite des Platzes gefährlich agierte.

Die Spielweise bestimmt den Charakter des Auftritts einer Fußballmannschaft, nicht die taktische Formation. Aus dem üblichen 5-3-2 heraus entwickelte Schalke gegen Nürnberg immer wieder sechs echte Offensivspieler. Blendi Idrizi agierte neben Rodrigo Zalazar im Mittelfeld und hielt seinen Halbraum deutlicher als zuletzt Dominick Drexler, der häufiger auf den Flügel auswich um Thomas Ouwejan zu unterstützen. Darko Churlinov und Marvin Pieringer mögen als Doppelspitze nicht über die Durchschlagskraft von Simon Terodde oder die Geschwindigkeit von Marius Bülter verfügen. Dafür agierten sie gegen Nürnberg aber sehr agil, wechselten ständig die Positionen, waren anspielbar und mitspielend, und damit mehr als nur Ziel der Offensive. Außerdem spielte Reinhold Ranftl als Counterpart zu Thomas Ouwejan sein bislang bestes Spiel für Schalke. Im Dreieck mit Rodrigo Zalazar und einem ausweichenden Stürmer schuf er ein Gegengewicht zur »Ouwejan-Seite«. Schalke war somit gegen Nürnberg deutlich ausgeglichener offensiv als in den bisherigen Saisonspielen.

Dass Schalke auch bei einer Führung weiter nach vorne spielt, wurde schon in den letzten Wochen etabliert. Das war ein Entwicklungsschritt, ein Unterschied zur Herangehensweise zu Beginn der Saison. Dass gegen Nürnberg das Fußballspielen im Vorwärtsgang funktionierte, obwohl mit Ranfl, Idrizi, Churlinov und Pieringer gleich vier Akteure auf dem Platz standen, die zuvor lange nicht erste Wahl waren, macht den Blauen hoffentlich Mut. Vielleicht kann man irgendwann rückblickend das Spiel gegen Nürnberg als einen nächsten Entwicklungsschritt betrachten, hin zu einem variableren Offensivspiel, nachdem zuvor doch häufig die immer gleiche Mannschaft über die immer gleiche Seite eher eindimensional auf individuelle Stärke setzend agierte.

Ma’kucken.

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