Folgerichtig Schlusslicht

Schalke verliert 1:2 in Berlin. Zwar zeigte sich Schalke gegenüber den Spielen gegen Hoffenheim und Leverkusen verbessert. Auf Grund individueller Fehler war aber auch gegen diesen Gegner auf Augenhöhe kein Punktgewinn drin. Nach fünf Niederlagen in Folge ist Schalke folgerichtig Tabellenschlusslicht.

Saison 2022/2023, 11. Spieltag: Hertha BSC – Schalke 04 2:1

Die Zahlen

Am Ende zählen natürlich nur die Tore. 2:1 für Hertha bedeutet 0 Punkte für Schalke und den 18. Tabellenplatz nach 11 Spieltagen. Die das Spiel abbildenden Statistiken stellen sich weitestgehend ausgeglichen dar. 55% zu 45% Ballbesitz, 10 zu 9 Schüsse, xG Werte von 0,62 zu 0,56. Die Zweikämpfe wurden komplett pari bewertet, 50% zu 50%. Insgesamt ausgeglichene Zahlen zu einem ausgeglichenen Spiel …

Die Meinung

… das durch individuelle Fehler auf Schalker Seite entschieden wurde.

Der Distanzschuss Lucas Tousarts war zu halten, Alexander Schwolow ließ ihn durch. Beim Angriff der Hertha, der zum entscheidenden 2:1 führte, entschied sich Maya Yoshida für die Bewegung in Richtung eines aussichtslosen Zweikampfs, statt seine Position zu halten, und öffnete dadurch den großen Raum, in dem sich Wilfried Kanga frei bewegen und das entscheidende Tor erzielen konnte.

Dabei zeigte sich Schalke durchaus verbessert. Defensiv hielt man die Ordnung besser als in den Spielen zuvor. Interimscoach Matze Kreutzer »erlaubte« Ouwejan und Aydin, die ganze Seitenlinie zu bespielen. Wo zuvor Halbfeldflanken folgten, ging das Spiel weiter, versuchte man gezielter vors Herthaner Tor zu kommen. Die Ideen waren zu erkennen, die Umsetzung funktionierte allerdings zu selten. Dass der beste Spielzug, der letztlich gar zum Torerfolg führte, auf Grund eines umstrittenen Abseits‘ eine halbe Platzlänge zuvor zurückgepfiffen wurde, war so unglücklich wie letztlich das ganze Spiel.

Am Ende muss man allerdings feststellen, dass auch diese deutlich verbesserte Leistung nur dazu reichte, gegen Hertha BSC ein Spiel auf Augenhöhe zu gestalten. Spielerisch agierten beide Mannschaften auf überschaubarem Niveau. Wenn sich ein Duell um Kampf und Kraft weitestgehend unentschieden gestaltet, entscheiden zumeist die individuellen Fehler über die Punkte.

Die Aussicht

Schalke möchte in dieser Wochen einen Trainer präsentieren, der die Mannschaft bereits beim Spiel gegen den SC Freiburg betreut. Schalke ist Tabellenletzter und ist dies zurecht. Rouven Schröder sagte, der Trainer müsse sich komplett auf Schalke 04 einlassen. Wer in dieser Situation unterschreibt, dem mag man das zugestehen.

Ich wünsche mir einen Trainer mit Ideen fürs Offensivspiel. Einer, der gerne »mit dem Ball« denkt, und nicht nur dagegen. Einen, der Schalkes Spiel besser macht, und der bereit ist, das Bessermachen auch in der Zweiten Liga fortzusetzen. Ich träume von Aufbau, von Kontinuität. Von gutem Fußball.

Ma’kucken.

8 Thoughts

  1. Hallo Torsten

    Wie immer sehr treffend, dem ist nicht’s hinzuzufügen.

    Gruß Hermann

  2. Hallo Torsten ,
    Wie immer triffst du den Nagel auf den Kopf !
    Leider …

    Liebe Grüße
    Kathrin

  3. Neben den realistisch-zutreffenden Einschätzungen zum Spiel finde ich meine eigene Sichtweise bei diesem Absatz sehr wieder:

    „Ich wünsche mir einen Trainer mit Ideen fürs Offensivspiel. Einer, der gerne »mit dem Ball« denkt, und nicht nur dagegen.“

    Das wäre in der Tat wirklich sehr erfrischend und, glaube ich, über kurz oder lang auch zielführender für ein relativ erfolgreiches Schalke; und mit relativ erfolgreich meine ich Mittelfeld der Bundesliga, mehr erwarte ich überhaupt nicht (mehr). Ernst gemeinte Frage: Wer war der letzte Trainer (ohne Interimstrainer) auf Schalke, der grundsätzlich einen offensiven Ansatz vom Spiel hatte? Breitenreiter?

  4. @Simon:

    Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, finde ich. Ich nehme an, Du meinst damit auch, dass diese Trainer eher dem Ballbesitz zuneigen, als den Gegner „nur“ totzupressen und dann asap zum Abschluss zu kommen?!

    @Hermann:

    Danke!

    @Kathrin:

    Danke, liebe Grüße zurück, schön von Dir zu lesen!

  5. @ Torsten:

    Ja, genau. In diese Richtung ging auch meine Vorstellung/Definition eines offensiven Ansatzes. ;) In meiner (möglicherweise etwas schöngefärbten) Erinnerung war das zum letzten Mal – im Großen und Ganzen – unter Breitenreiter der Fall, den man vielleicht doch länger hätte wirken lassen sollen. Klar – er hatte hierfür auch noch einen anderen Kader zur Verfügung, aus dem möglicherweise noch mehr herauszuholen gewesen wäre, wenn er durch den nicht abgesicherten Last-Minute-Transfer von Draxler seinerzeit nicht so geschwächt worden wäre. Doch grundsätzlich hatte ich damals das Gefühl, Schalke möchte auch selbst durch lange Ballbesitzphasen den Takt des Spiels bestimmen.

    Natürlich ist auch mit Risiko verbunden so zu spielen. Aber den anderen Ansatz, den du beschreibst Torsten, immer weiter zu verfolgen, ist mir auch zu einseitig und auf Dauer wenig attraktiv anzuschauen – und irgendwie ist das Ganze ja auch dazu gedacht, beim Fußballschauen so etwas wie Freude (über schöne Spielzüge, etc.) zu empfinden. ;)

  6. @Simon:

    Die Hotte-Nummer, Draxler zu verkaufen und keinen Ersatz parat zu haben, war damals echt ein Knaller. Meine Kommentare dazu, aus dem Herbst 2015, kann man übrigens hier und hier noch nachlesen.

    Ich finde die Einschätzung, ob es am Trainer oder am Kader liegt, tatsächlich nicht so leicht. Als Schalke noch ein Champions League-Club war, hatte man quasi von alleine häufig mehr Ballbesitz als der Gegner. Die haben sich in GE gerne zunächst mal zurückgehalten.

    Irgendwann entwickelte sich der Fußball allgemein dahin, dass man nach Ballgewinn mit möglichst wenigen Kontakten zum Abschluss kommen wollte. Ich erinneren mich an Ausführungen von Jogi Löw dazu. Der Erfolg von Klopp beim BVB machte die „Gegenpressing-Monster“ zur Blaupause für viele Clubs. Ich würde sagen, das hält bis heute an.

    Gerade, wenn man sich individuell als eher schwächer als der Gegner verortet, also unter dem Pressing des Gegners den Ball eher häufig zu verlieren droht, ist der Versuch, mit möglichst wenigen Kontakten zum Abschluss zu kommen, natürlich auch naheliegend. Dass deshalb die Trainer, die so größere Chancen auf Erfolg sehen, nix anderes Spielen lassen könnten … ich weiß das wirklich nicht einzuschätzen.

  7. Ich sehe da auch eher den weg eventuell noch mal runter zu gehen, aber unter Reis eine gefestigte Mannschaft auf zu bauen, die nicht gleich wieder auseinander gerissen wird nach dem aufstieg. A little Kontinuität und etwas weniger kurzfristigen Erfolg (wobei der natürlich auch wünschenswert ist)…

  8. @Lennard

    Klar, wenn es sportlich nicht reicht, wird das der Weg sein müssen. Ein Plan / Ziel / Wunsch kann das aber nicht sein. Schalke 04 ist massiv von den Einnahmen der Ersten Liga abhängig. In Liga 2 wird die finanzielle Situation immer schlimmer.

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