Betrübt sein abgesagt: Mut ansingen, machen!

Schalke verliert 0:2 gegen Bayern München. Das Stadion singt der Mannschaft Mut an. Das darf als Startschuss zur Aufholjagd nach der Winterpause verstanden werden.

Saison 2022/2023, 15. Spieltag: Schalke 04 – Bayern München 0:2

Die Zahlen

Am Ende zählen natürlich nur die Tore. Das 0:2 gegen Bayern München lässt Schalke 04 mit 9 Punkten auf dem 18. Tabellenplatz überwintern. Der Rückstand auf Rang 15 bleibt bei 5 Punkten und nunmehr 16 Toren. Der Abstand zum Relegationsplatz ist auf ebenfalls 5 Punkte und 10 Tore angewachsen. Von den Statistiken zum Spiel konnte Schalke keinen Wert für sich entscheiden. Vor allem der Ballbesitz (30% S04, 70% FCB) und die dadurch bedingte Anzahl der gespielten Pässe (277:658) bilden das Geschehen ab, die Werte der angekommenen Pässe zeigen die Überlegenheit der Bayern auf (71%:90%). Auch die Anzahl der Abschlüsse (7:21) und die Schüsse aufs Tor (on target, 2:6) fallen deutlich aus. Die xG-Werte lagen am Ende bei 0,80 zu 1,93.

Die Meinung

Eine Halbzeit lang hat Schalke gut mitgespielt, in diesem Spiel zweier so ungleicher Teams. Natürlich: Die Mannschaft des FC Bayern ist darauf ausgelegt, um den Titel in der Champions League mitzuspielen. Für Schalke muss hingegen viel richtig zusammenkommen, damit man den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen kann. Bedenkt man das, kann man an diese Niederlage leichter einen Haken setzten. Und wenn man zusätzlich bedenkt, wie hilf- und hoffnungslos diese Mannschaft in dieser Saison schon agierte, wie schlecht man gegen Leverkusen oder Hoffenheim aussah, dann kann man dieses Spiel gegen den FC Bayern sogar positiv bewerten. Die Spiele gegen Hoffenheim liegen einen Monat zurück, und damals war es nicht abwegig, gegen Bayern München ein 0:8 zu erwarten. Nun wurde es ein 0:2, und zwischendurch bot Schalke dabei »richtigen Erstligafußball«.

In meinem Umfeld führte dieses Spiel gar zu einer Art trotzigem Jubel. Ich mag das als ein Schüren von Hoffnung einordnen. So wie das Stadion, wie die Nordkurve die Mannschaft »in die Winterpause anfeuerte«. Statt einen Abgesang auf einen Tabellenletzten wurde dieser Zeitpunkt zu einem Startschuss zu einer Aufholjagd gemacht. Es heißt, auf Schalke wäre Stimmung stets extrem, ständig wechsle man zwischen Goethes auf die Liebe bezogene Gefühlsantipode »himmelhoch jauchzend« und »zum Tode betrübt«. Nun ist es, als hätte Schalke das betrübt Sein abgesagt: Den Blick auf das Positive richten, antreiben, weil nur das in die Richtung des Ziels Klassenerhalt führen kann.

Und während das Stadion den Kraftakt des Durchhaltens dieses Ist-Zustands bis Saisonende zu leisten hat, muss der Verein den Ist-Zustand um seine Profimannschaft unbedingt weiter verändern. Um sich am Ende auf Platz 15 oder zumindest in die Relegation zu retten, hilft ein überragendes Stadion, braucht es aber definitiv die Ergebnisse einer Bundesliga-Mittelfeldmannschaft aus den Spieltagen 16 bis 34.

Die Hoffnung

… heißt Thomas Reis. Das ist eindimensional und mag zu simpel klingen, aber letztlich ruht alles auf dem Tun, der Darstellung und der Expertise des neuen Schalke-Trainers. Er ist der, der da ist. Er ist der, der klar spricht. Er ist der, mit dessen Statements zur schwierigen Lage man sich als Fan identifizieren kann: Kein Geschwafel, Ziel, das Beste geben. Vor allem spielt die Mannschaft nach drei Wochen unter Thomas Reis deutlich besseren Fußball als zuvor. Darin liegt die Hoffnung. Dass mehr Zeit in der langen Winterpause zu noch mehr Struktur, zu mehr gutem Spiel führt. Dass sich Schalke personell noch verstärken kann und der Trainer nach der Rückkehr verletzter Spieler mehr Optionen haben wird. Und dass das dann zu besseren Ergebnissen führt. Eben zu Ergebnissen einer Bundesliga-Mittelfeldmannschaft.

Ma’kucken.

3 Thoughts

  1. Bin da entzweigespalten im Erleben. Habe mich einerseits fast schon mit dem Abstieg abgefunden (Auftakt nach der Winterpause mit Frankfurt auswärts und dem österreichischen Getränkehersteller), vielleicht weil ich nach 3 Jahren anhaltender Enttäuschungen – außer Saisonfinale in der 2. Liga – meine Nerven schonen will. Bin andererseits weiter bei jedem Spiel mit vollem Elan dabei, weil Fußball zwar kein Spiel mehr ist, bei dem man nicht von vornherein weiß wie’s ausgeht (die Abschlusstabelle wird zu 90% die Kaderwerte widerspiegeln), aber der Mensch als solcher ist ja gut im Ignorieren solcher Tatsachen.

    Ma“gucken.

    Vielen Dank, Torsten Wieland, für die Beiträge in den letzten Wochen. Oft kann man nur den Haken druntermachen, weil es sich besser kaum sagen lässt.

  2. Kann man mich den Worten von Ney nur anschließen! Und möchte außerdem ergänzen, dass es schön ist, wieder regelmäßiger von dir Texte zu unserem glorreichen S04 lesen zu dürfen! Danke dafür! :-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s