Schneiders Short-Term Schalke

Schalke 04 will sich mit Jean-Clair Todibo verstärken. Das französische Innenverteidiger-Talent steht beim FC Barcelona unter Vertrag und möchte auch dorthin zurück. Das stört Schalke nicht. Die Verpflichtung passt zum Kurs, den Schalkes neuer Sportvorstand Jochen Schneider eingeschlagen hat. Aktuell steht bei den Blauen Flexibilität höher im Kurs als langfristiges Planen.

Neben Todibo stehen mit Jonjoe Kenny, Juan Miranda und Michael Gregoritsch drei weitere ausgeliehene Spieler im Kader. Mit Juan Miranda ist ein Bleiben bis 2021 vereinbart. Gut möglich, dass die anderen Schalke schon in der nächsten Transferperidode wieder verlassen. Außerdem laufen die Verträge von Daniel Caligiuri, Bastian Oczipka und Benjamin Stambouli in fünf Monaten aus. Dem Kader droht der nächste Umbruch.

So würde es Jochen Schneider selbst wohl nicht formulieren. Für ihn bedeuten auslaufende Verträge und kurzfristige Leih-Engagements Flexibilität. Schalke konnte sich in den letzten 3 Spielzeiten zweimal nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. Für den Club ist das dramatisch. Der Konzernzwischenbericht 2019 wies Verbindlichkeiten von 226 Millionen Euro aus. Größere Investitionen in Ablösesummen und Gehälter für vermeintliche Stars kann sich Schalke derzeit nicht leisten. Geld dafür muss man sich zunächst durch sportliche Erfolge und daraus resultierenden Einnahmen erwirtschaften.

Da ist es schlau, zunächst keine großen Risiken einzugehen. Natürlich würde Schalke Jonjoe Kenny gerne über den Sommer hinaus behalten. Jetzt, wo klar ist, dass er auf Schalke eingeschlagen ist. Aber Spieler möchten möglichst viel Geld verdienen und in ihrer Karriere voran kommen. Wer in der englischen Premier League spielt oder beim FC Barcelona unter Vertrag steht, kommt nicht auf Schalke, weil hier die Fans lauter singen. Schalke bietet solchen Spielern Bundesliga-Spielzeit, einen Trainer, dessen Name aus der Premier League bekannt ist und die Aussicht, nach individueller Weiterentwicklung zum vorherigen Club, in die vorherige Liga, „zum vorherigen Status“ zurückkehren zu können.

Auch bezüglich der Spieler, deren Transferrechte bei Schalke 04 liegen, ist eine Vertragspolitik nach dem Grundsatz der Flexibilität zu erkennen. Die Vertragsverlängerungen mit Weston McKennie und Amine Harit waren wichtig, weil sie den höchsten Wiederverkaufswert versprechen. Der geplante Vertrag mit Alexander Nübel, inklusive Ausstiegs- bzw. Wechselmöglichkeit, hätte ebenso ins Konzept gepasst. Gleichzeitig ist man mit Investitionen in ältere Spieler, deren Karriereplan nicht mehr unbedingt ein Verlassen der Blauen zu einem größeren Club vorsieht, eher vorsichtig. Spieler wie Bastian Oczipka, Daniel Caligiuri und Benjamin Stambouli waren in der jüngeren Vergangenheit wichtige Stützen. Neue Verträge mit ihnen binden aber Budget, versprechen keine späteren Transfereinnahmen und lassen sich auch nicht so leicht „loswerden“, falls der sportliche Erfolg in absehbarer Zukunft ausbleibt und die Kaderkosten weiter gesenkt werden müssen.

Bei einer Vertragsverlängerung mit Weston McKennie vor allem an dessen Wiederverkaufswert zu denken, mutet unromantisch an. Und sollte sich Schalkes sportliche Leitung gegen eine Vertragsverlängerung mit Benjamin Stambouli entscheiden, würde das ein eher lauteres Grummeln in der Fangemeinde auslösen. Der Franzose bespielt die einschlägigen sozialen Netzwerke regelmäßig und gekonnt, ist sehr sympathisch und wird gemocht. Trotzdem ist es nicht abwegig, dass sich Schalke auch bezüglich dieser Personalie nach Alternativen umschaut, den Blick auf Entwicklungsmöglichkeiten, Wiederverkaufswerte und Flexibilität richtet. Es würde ins Bild passen, das Jochen Schneider bislang als Sportvorstand des FC Schalke 04 abgibt. Eher nicht romantisch, auch nicht smart, aber nachvollziehbar und klar in seinem Tun.

Reset

Im Januar 2007 hatte ich angefangen, im eigenen Blog über Schalke 04 zu schreiben. Am 24.05.2018 habe ich mein königsblog abgeschaltet. Heute vor 600 Tagen.

Nein, das hier ist kein königsblog 2.0. Im August 2017 hat mein Leben einen Neustart erfahren. Dass ich seitdem weniger Texte veröffentlichte, dass ich meine Webseite letztlich abschließen konnte, lag auch daran, dass mein Alltag wieder wertvoller und spannender wurde.

Aber ich mag das Schreiben. Und ich habe weiterhin stets meine Meinung zu den Dingen um Schalke 04. Deshalb ist das hier nun meine Plattform für Dieses und Jenes.

Hier sind die königsblog-Texte zu finden, die es meines Erachtens wert waren, auch abseits der damaligen Tagesaktualität, aufgehoben zu werden. Dass ich die vielen tollen Kommentare zu eben diesen Texten zurückließ, tat mir in der Seele weh, war aber rechtlichen Gründen geschuldet.

Hier wird es wieder Texte zu Schalke 04 geben. Wie regelmäßig, wie häufig, vermag ich noch nicht zu sagen. Meine Idee ist, dass es hier auch andere Texte geben wird. Wie sich das entwickelt: Ma’kucken.

Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Der FC Schalke 04 war in seinen Anfangsjahren eng mit der Zeche Consolidation verbunden. Er wurde entscheidend durch die Einwanderer geprägt, die damals der Arbeit wegen aus Masuren ins Ruhrgebiet kamen, die Koslowskis, Tibulskys, Zurawskis.

Auch heute profitiert Schalke 04 von seinem Standort, der Mitten im Ruhrgebiet als Ballungszentrum seit je her für Einwanderer attraktiv war. In der Knappenschmiede werden Mercans, Yildiz‘, Kutucus oder Cans ausgebildet, die in Recklinghausen, Düsseldorf oder Gelsenkirchen geboren wurden, deren Familien sich einst bewusst für den Zuzug entschieden haben.

Der Verein Schalke 04 hat sein Bestreben, die Integration ausländischer Mitbürger zu fördern, in der Satzung verankert. Gleich in Paragraph 2 wird klargestellt, dass der Verein rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen aktiv entgegen tritt.

Schalker sind viele. Wir sind schwul und hetero, vom Glauben geprägt und Atheisten, wir haben alle Hautfarben, wir sind behindert und topfit, sind arm und reich, klug und manch einer auch doof. Wir sind bunt. Wir dürfen es sein, wir sind okay wie wir sind, und wir vereinen uns unter der blau-weißen Fahne.

Wer für Ausgrenzung ist, wer meint, der Zuzug von Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, führe zum Untergang des Landes, der hat Schalke 04 nicht verstanden. Wer umgekehrt Schalke verstanden hat, kann unmöglich damit einverstanden sein, dass es rechtsradikale Politiker im Bundestag geben soll.

Deshalb: Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Messias Tedesco? Erst mal nur „der Nächste“

Eine lange Saison steckt in den Schuhen. Der Endspurt. Gewonnen, verloren, unentschieden. Gewonnen, verloren, gewonnen. Noch ein Spiel gegen einen gleichwertigen Gegner. Ein Punkt reicht, um das Saisonziel doch noch zu erreichen! Auf Sieg spielen, an sich glauben! Um dann doch zu verlieren.

Klingt nach Schalke. Ähnlich widerfuhr es den Blauen immer dann, wenn man doch noch auf einen Europa League-Platz hätte kommen können. Die oben beschriebene Abfolge ereilte aber Erzgebirge Aue. Am letzten Spieltag verlor Aue in Düsseldorf mit 0:1.

Dass Aue auf „Sieg spielen“ würde, wie von Tedesco angekündigt, davon war kaum etwas zu sehen. Zwar kombinierten die Veilchen teilweise ansehnlich, aber kaum bis ins letzte Drittel.

… schrieb der kicker später. Dass Aue dennoch feiern durfte und nicht in die Relegation musste lag daran, dass Bielefeld und 1860 München ihre letzten Spiele ebenfalls nicht gewannen. Als Retter Aues durfte sich Domenico Tedesco selbstverständlich dennoch feiern lassen. Von 11 Spielen unter seiner Leitung verlor Aue nur drei, gewann sechs. Aber als ein Proficlub wie Schalke 04 …

verpflichtet man ja nun wirklich keinen Trainer, der für ein paar Wochen bei Aue wohl gute Arbeitet leistete, sondern in erster Linie den von vielen als überragend empfundenen Jugendtrainer, der auch in Aue überraschend großen Erfolg hatte.

… wie Kommentator sternburg gestern so treffend schrieb.

Bevor Domenico Tedesco im März Aue übernahm war er U19-Trainer in Hoffenheim. Dieses Amt hatte er erst zu Saisonbeginn übernommen. In der Saison zuvor gewann Hoffenheim die Staffel Süd/Südwest. In den 20 Partien unter Domenico Tedesco kam Hoffenheim auf 10 Siege, 2 Unentschieden und 8 Niederlagen. Bei seinem Abschied belegte die TSG Platz 4 und hatte bei einem Torverhältnis von 38:35 die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

Bevor er nach Hoffenheim kam war Domenico Tedesco Cheftrainer der U17 des VfB Stuttgart. In der Saison 2013/2014 führte er das Team auf Platz 2. In der Saison 2014/2015 gewann sein Team die Staffel. In den zwei Spielzeiten vor Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart ebenfalls Platz 2 und 1. In den zwei Spielzeiten nach Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart Platz 1 und 2.

Stopp!

Der Wieland, der ewige Mopperkopp! Will der den neuen Trainer schon vor dem ersten Testspiel schlechtmachen? Was will er uns damit sagen? Dass sich Heidel vertan hat?

Nein. Ich möchte nur darstellen, dass Schalkes neuer Trainer kein Messias ist, und dass seine Erfolge mit Jugendteams keineswegs so spektakulär waren, wie man glauben könnte, wenn man nun die vielen Jubeltexte liest, die gerade über ihn verfasst werden. Experten nennen Domenico Tedesco eines der größten Trainertalente. Aber das wurde zuvor eben auch schon über viele gesagt. Gerade zwischen den Spielzeiten wird viel gelobt. Wer wissen will, was ich meine, suche mal nach Texte über Markus Weinzierl, als dieser zum Trainer des Jahres ernannt wurde.

Ich freue mich auf Domenico Tedesco. Er wirkt sympathisch und enthusiastisch. Man sagt, er wisse was er tue. Er hat noch nirgendwo enttäuscht. Sein junges Alter empfinde ich nicht als problematisch. Ich sehe keinen Grund zur Sorge, ich wüsste nicht, warum ich diesem Trainerwechsel nicht optimistisch begegnen sollte. Noch sehe ich aber auch keinen Grund, heute optimistischer zu sein, als ich es bei den Trainerwechseln zu Roberto Di Matteo, André Breitenreiter oder Markus Weinzierl war.

Ma’kucken.

Foto: Tomek Bo

Der Tullus um Meyer & Konoplyanka

Der DFB-Pokal und die europäischen Wettbewerbe hatten ihre Endspiele. Zu Schalke gab es keine nennenswerten Nachrichten. Das ist nun endlich vorbei. Seit gestern gibt’s auf Schalke endlich wieder Tullus! Nachrichten um Max Meyer und Evgen Konoplyanka konnten dafür sorgen.

Eigentlich ist der Tullus gerade gar nicht auf Schalke, sondern eher medial um Schalke herum, denn beide Spieler sind derzeit mit Auswahlmannschaften unterwegs. Aber so kleinlich will nun wirklich niemand sein, wenn es endlich mal was zu schreiben gibt. Über Max Meyer heißt es, er habe ein Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt. Evgen Konoplyanka gab derweil ein Interview in dem er bestätigte, dass Markus Weinzierl nicht mehr mit ihm plane, in dem er den Trainer beschimpfte und prophezeite, dass Schalke mit Weinzierl absteige.

Nach dem schlechten Abschneiden in der letzten Saison steht Markus Weinzierl natürlich im Fokus. Da fallen solche Aussagen eines Spielers wie Miraculix‘ Zaubereicheln auf den Boden und lassen einen Wald aus Gewissheit entstehen, dass dieser Trainer nicht richtig mit seinen Spielern umgeht, dass es so nichts werden kann. Kritik an Markus Weinzierl zu entkräften ist schwierig, wenn es um Dinge geht die nicht auf dem Platz passieren. Man weiß einfach nicht, was konkret vorgefallen ist, man weiß nicht, was gegenüber wem in welchem Ton gesagt wurde. Wir wissen nun lediglich, wie bei Evgen Konoplyanka ankam, dass man ihm sagte, dass Schalke nicht mehr mit ihm plane. Nach seinen Leistungen und nach diesem medialen Coup zu urteilen wird er dem Club in der kommenden Saison nicht fehlen.

Spannender ist die Personalie Max Meyer. Einmal mehr kommuniziert der von der Agentur ROGON vertretene Spieler über die BILD und gibt dort zur Veröffentlichung bekannt, dass Schalke ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht hätte, dass er mit seinem Management die Ablehnung entschieden hätte, dass er sich in der kommenden Saison zeigen müsse, und dass es eben „die Frage sei“, ob er Schalke nun in diesem oder im nächsten Jahr verlasse.

Wir können davon ausgehen, dass diese Aussagen absichtlich in jede Richtung zu interpretieren sind. Max Meyer wird als „zu haben“ in die Medien gebracht, kurz bevor er sich mit der U21 bei der EM in Polen zeigen kann. Dies könnte seinen Marktwert noch mal auffrischen, zumindest aus der Sicht potenzieller neuer Clubs.
Dass gerade Schalke 04 nicht das Megaangebot auf den Tisch gelegt hat, das sich Max Meyer und sein Management nach den Jahren des Supertalent-Status‘ als Folgevertrag vorgestellt haben, ist durchaus denkbar. Denkbar wäre auch, dass Christian Heidel einem Wechsel Max Meyers in dieser Saison und bei entsprechender Ablöse nicht abgeneigt wäre, dass das Angebot entsprechend war. Man weiß es eben nicht. Ma’kucken.

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga

Für den FC Schalke 04 stehen in dieser Zeit zu Buche:

  • 2007/2008: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Viertelfinale
  • 2008/2009: –
  • 2009/2010: Vizemeister, UCL Qualifikation, DFB-Pokal Halbfinale
  • 2010/2011: UCL-Halbfinale, DFB-Pokalsieger
  • 2011/2012: UCL Qualifikation, UEL Viertelfinale
  • 2012/2013: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Achtelfinale
  • 2013/2014: UCL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2014/2015: UEL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2015/2016: UEL Qualifikation
  • 2016/2017: UEL Viertelfinale

Hier geht’s zu der Version von 2016.

May the 4th be with Schalke 04!

Damals wollten sie nur kicken. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten sie plötzlich überall Fußball spielen. Auch einige Nachbarsjungen in Schalke. Seit 1904 trafen sie sich regelmäßig. Sie nannten sich Westfalia, und sie kleideten sich Rot-Gelb.

Aus dem Notizbuch Willy Gies’ kennen wir einige Namen, die heute als Vereinsgründer verehrt werden. Vielleicht gehörten noch andere dazu. Das festzuhalten war damals nicht wichtig. Ein registrierter Verein wurde Westfalia erst 1909.

Das Weitere ist Geschichte, und die wurde vielfach erzählt, auf dem Weg zum heutigen Fußballclub Gelsenkirchen‑Schalke 04 e.V.. Geschichten wurden und werden gerne ausgeschmückt. Irgendwann, wohl in den 60er Jahren, hat man festgelegt, dass es der 04. Mai 1904 gewesen sein soll, da der damals 14-Jährige Willy Gies mit seinen Freunden erstmals als Westfalia kickte. Dieses Datum gilt seitdem offiziell als der Geburtstag der heutigen Blauen, dieser Tage einer der größten Fußballvereine der Welt.

Bundesligafußball ist eine Unterhaltungsindustrie. Schalke 04 ist ein Teil davon. Einer der Clubs, die meinen sich in glattgezogenen TV-Produktionen sauber präsentieren zu müssen. Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchten. Es gibt so vieles, was mich nervt, an diesem Club.

Und doch hänge ich ihm immer wieder nach. Den Menschen, der Geschichte und den Geschichtchen. Den Begegnungen, die ich erfuhr, nur durch die Gemeinsamkeit, sich irgendwann in diesen Fußballclub verliebt zu haben.

Dieser Club sind wir alle. Schalke 04 sind seine Menschen, seine Mitglieder. Die Geschichte dieses Clubs muss gefühlt werden, es geht nicht nur darum, Retro-T-Shirts zu verkaufen. Das ist mehr als ein Produkt. Das macht es besonders. Ich wünsche mir, dass das jeder versteht. Ich empfehle jedem, daran teilzuhaben.

Alles Gute zum Geburtstag, Schalke 04!

Möge „die Macht mit Dir sein“, und bleiben, auch nach der nächsten Jahreshauptversammlung.

Sichtweise

Es läuft nicht rund, auf Schalke. Da wird alles diskutiert, da ist nichts zu abwegig, um nicht als Grund für den unbefriedigenden Tabellenplatz herangezogen zu werden. Ich mag es, wenn es bei den Diskussionen nach einem Spiel um Fußball geht. Doch auch in diesen komme ich ab und an nicht mehr mit, dann nämlich, wenn plötzlich aus voller Überzeugung vorgeschlagen wird, mit welcher Formation, mit welchen bestimmten Spielern gar, Schalke zu spielen hätte, damit sich der Erfolg wieder einstellt. Dazu fühle ich mich zu ahnungslos, oder ich habe zuviel Trainervertrauen, oder beides.

Ich bemühe mich durchzusteigen, wenn ich ein Fußballspiel sehe. Ich versuche auf die Leistung einzelner Spieler zu achten, ich schaue auf die Formation, auf die Spielweise, suche nach Mustern in den Abläufen. In machen meiner Texte nehme auf auf diese Erkenntnisse bezug, manchmal kommentiere ich anderes. Zu 99% beschäftige ich mich aber mit dem was war. Wenn mir in Diskussionen im Brustton der Überzeugung jemand darlegt, was wie sein sollte, bin ich immer vollkommen baff.

Eine Formation alleine sagt nicht unbedingt was über die Spielweise aus. Jede Formation kann sehr offensiv oder sehr defensiv interpretiert werden. Die Abläufe werden eingeübt. Wie jeder Proficlub beschäftigt auch Schalke 04 nicht nur den einen Trainer, der den Kopf hinhält, sondern einen Betreuerstab, halb so groß wie der Spielerkader. Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, Spieler zu fördern und ihre aktuelle Form und Fähigkeit einzuschätzen. Der Cheftrainer wird letztlich die Entscheidung treffen, von der er glaubt, dass sie am ehesten zu drei Punkten führt; immer.

Wenn dann jemand kommt und meint, er wüsste genau, dass es fortan mit diesem Spieler nichts mehr werde, dass unbedingt der andere spiele müsse, dass die Mannschaft nur erfolgreich sein könne, wenn man in Zukunft anders angeordnet auf dem Platz stünde, dann schüttle ich stets leise den Kopf. Dabei will ich niemandem das Wissen um den Fußballsport absprechen, und es geht mir auch keinesfalls nur um Fans. Auch wenn ehemalige Nationalspieler oder Leute mit Trainerschein in TV-Studios sitzen und sich zu solchen Aussagen hinreißen lassen, frage ich mich, woher sie die Chuzpe nehmen, sich über diejenigen zu erheben, die sich professionell rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen. Meines Erachtens grenzt das an Hochstapelei.

Danke für 10 Jahre Mitmachen!

Ich versuche es ab sofort auch mal mit ’nem Weblog zum Lieblingsthema. Nachdem ich in meinem bisherigen Internetleben allzu oft diverse Foren oder eben andere Blogs unaufgefordert mit meinen Kommentaren beglückt habe, mache ich mich nun selbst mal breit. Ma’kucken ob Fleiß und Kreativität ausreichen.

Mit diesem kurzen Statement fing alles an. Genau heute vor 10 Jahren. Das hier ist nun mein zweitausendeinhundertdreiunddreißigster „Blogeintrag“. Ihr habt das Projekt in dieser Zeit mit 37.408 Kommentare unterstütz und damit diese Webseite zu dem gemacht, was sie heute ist. Nicht riesig groß, nicht allumfassend, aber eben doch eine beständige Ecke im World Wide Web, in der man ganz gut seine Meinung zu den Dingen um den FC Schalke 04 vertreten kann, in der man sich mit Schalkern anderer Meinung austauschen kann. Auch wenn überall – auch hier ab und an – ein Niveau-Verfall im Umgang miteinander bei emotionalen Themen beklagt wird, blühen hier doch immer wieder tolle Diskussionen auf, schreiben Kommentatoren immer wieder hervorragende Texte, meinungsstark, klarer und länger als mancher Ausgangsbeitrag von mir. Dass das so funktioniert, dass hier Kommunikation entsteht, war immer und ist weiterhin mein eigentliches Ziel, zu dem alle „Mitschreiber“ und Leser ihren Teil beitragen. Wir alle sind das königsblog, mein Tun ist nur ein Teil davon. Danke für 10 Jahre Mitmachen!

So, das war der Teil mit dem Gefühl. Tatsächlich fing das Schreiben nicht gleich hier an, sondern auf der Blogplattform twoday.net, unter dem Titel „Drei Ecken, ein Elfer“. Eine einfache Einstiegsmöglichkeit, einfach losschreiben, ohne sich lange mit der Gestaltung der Seite auseinandersetzen zu müssen. Die Blogszene war übersichtlich. Auf diese Plattform gab es zu recht vielen Bundesligaclubs Blogs, in deren Kommentaren gute Diskussionen geführt wurden. Diskussionen, die ich damals schon als angenehmer als Foren-Threads empfand. Twitter spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle. In Blogs landeten deshalb auch solch kurze und unausgegorene Gedanken, die man heute in 140 Zeichen darstellt oder bei Facebook teilt.

Im August 2008 verließ ich twoday.net und richtete mir mein eigenes, auf WordPress basierendes Blog ein, das königsblog. Der Name enthielt damals bewusst „nicht zu viel“ Schalke. Ich wollte über „König Fußball im Allgemeinen und Schalke 04 im Besonderen“ schreiben. Dies sollte ein Fußballblog mit Schalke-Präferenz werden. Letztlich wurde es aber doch ein Schalke-Blog. Weil ich selbst auch immer weiter eintauchte, in diesen Club, weil mir immer mehr die Zeit und die Lust fehlte, über den Tellerrand hinauszuschauen, weil mir der Teller dieses Clubs vollkommen reichte.

Er reicht mir bis heute. Und bis heute habe ich Spaß an Schalke 04 und an diesem Projekt. Meine Seite, die mir vor allen social network-Aktivitäten und vor allen Veröffentlichungen in Zeitungen oder auf Webportalen das Wichtigste ist, mein Ding, ohne das es alles andere nie gegeben hätte. Ich kann mir vorstellen, dass ich auch in 10 Jahren noch schreibe. Ich kann mir allerdings genauso gut vorstellen, dass es von heute auf morgen aufhört.

Das habe ich in den 10 Jahren gelernt, in denen viel passiert ist – natürlich, denn in jedem Leben passiert in einem solch langen Zeitraum viel. Immer wieder gibt es Wichtigeres. Immer wieder macht einem mal was anderes mehr Spaß. Dann aber tut es doch wieder gut, sich auf was so „einfaches“ wie die Geschehnisse eines Fußballclubs zurückziehen zu können. Dies als Vehikel zu nutzen, sich auszudrücken, ab und an sogar mal kreativ zu sein. Das ist mir viel wert, das hat mich gehalten, seit 10 Jahren. Und so geht es zunächst auch weiter. Ma’kucken, was die Zukunft so bringt.