Schalke 04: In schlechten Zeiten …

„In schlechten Zeiten müsst ihr Schalker sein.
In guten haben wir genug davon.“

Charly Neumann

Dies ist einer der unsterblichen Sätze von Charly Neumann. Ein Satz, den jeder Schalker kennt. Jetzt haben wir definitiv schlechte Zeiten. Das Coronavirus bestimmt unser Leben und Handeln, Fußball findet nicht statt. Sollte die Saison noch fortgeführt werden, dann sicher ohne uns Zuschauer, uns Fans und Mitglieder. Für den Verein bedeutet das eine wirtschaftliche Katastrophe.

Gastbeitrag
von Günther Reipen

Ungefähr zwei Millionen Euro fehlen dem Club pro Spiel. Keine Erlöse aus Eintrittskarten, kein Verkauf von Bier, Bratwürstchen, Schals, Trikots usw.. Einnahmen, die fest eingeplant waren. Und wehe, die TV-Einnahmen brechen auch noch weg … Für unseren Club Schalke 04 geht es um die Existenz, wie Alexander Jobst deutlich formulierte. Um Arbeitsplätze, insbesondere die der „einfachen“ Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und im Umfeld. Helfen kann, neben einem baldigen Ende der Krise, nur Kohle. Und wenn sie nicht auf normalem Weg erwirtschaftet werden kann, dann muss sie woanders herkommen.

Ein erstes Signal kam gestern von der Mannschaft, die freiwillig auf einen Teil der Bezüge verzichtet. Gleiches erwarte ich auch vom Vorstand. Und wir? Was können wir tun?

Mein Anliegen richtet sich an die Dauerkarteninhaber. An alle, die wie ich bereits bis zum Saisonende für die Heimspiele gezahlt haben. Eigentlich hätten wir jetzt einen Anspruch auf Rückerstattung für die ausstehenden Heimspiele. Auf Rückerstattung von Geld, das wir schon längst abgeschrieben haben. Geld, das für uns nun unerwartet zurück käme. Geld, auf das viele von uns nicht dringend angewiesen sind.

Mein konkreter Vorschlag: Lasst uns aus einer pauschalen Rückerstattung durch den Verein eine freiwillige Aktion machen!

Diejenigen, die bereit und in der Lage sind, unseren Verein in dieser wirklich schweren Zeit zu unterstützen, verzichten entweder komplett auf die Rückzahlung, oder lassen sich diese in Form eines Gutscheins für den Fanshop oder die Knappenkarte erstatten. Diejenigen, die die Kohle gerade jetzt dringend selbst brauchen, bekommen sie auch zurück. Das könnte Schalke erheblich entlasten und täte dem ein oder anderen nicht wirklich weh.

Sicher haben viele nun ein „Aber“ auf den Lippen. Ja, es gibt tatsächlich wichtigere Dinge, für die man sein Geld spenden kann. Und ja, man kann auch bestimmt sagen, dass in der Vergangenheit viel Kohle auf Schalke verbrannt wurde. Ja, es gibt gerade jetzt auch Schalker, die jeden Cent für sich selbst brauchen.

 Trotzdem: Mir bedeutet Schalke sehr viel. Ich glaube, dass das, was jetzt passiert, weder von einem Vorstand noch von Clemens Tönnies zu verantworten ist. Ich habe eine Dauerkarte. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich das unerwartete zusätzliche Geld aus einer Rückerstattung zwar auch anderweitig ausgeben könnte, es aber nicht zwingend muss. Zumal ja gerade auch andere „Nebenausgaben“ wegfallen, wenn man zu Hause bleibt. Ich möchte ein Zeichen setzen, aber auch etwas bewirken. Für den Verein Schalke 04, für die Angestellten, für das Umfeld.

Wer genauso denkt, möge sich anschließen. 

Unter dem Hashtag #inschlechtenZeiten möchte ich möglichst viel Schalker Dauerkarteninhaber erreichen und zum Mitmachen bewegen. Und auch die, die es sich nicht leisten können, aber die Idee gut finden, bitte ich: Teilt diesen Beitrag auf allen sozialen Kanälen, auf denen sich Schalker tummeln. Nutzt den Hashtag #inschlechtenZeiten.

Lasst uns was tun und lasst uns allen zeigen, dass wir Schalke wirklich leben.

Günther Reipen ist Dauerkarteninhalber, Fan und Mitglied des FC Schalke 04 und Co-Autor des Leitbilds. Günther war schon im Wahlausschuss des Vereins aktiv und tritt immer wieder mit guten Ideen und klarer Meinung auf den Mitgliederversammlungen in Erscheinung. Er ist über Facebook und über Twitter zu erreichen.

Es geht ums Geld (um nichts sonst)

Schalke 04 hat gestern mal wieder einen rausgehauen. Obwohl die Fan-Abneigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp auf Schalke nie ein bemerkenswert großes Thema waren, nahm man die Vorfälle des Wochenendes in anderen Stadien zum Anlass, die eigenen Fans mit harten Formulierungen zu warnen. Nach dem Abgang Christian Heidels ist das Ressort „Kommunikation“ auf Schalke dem Vorstand für Marketing angehängt worden, Alexander Jobst. Das ist bezeichnend und passend. Das Bewusstsein über diese Tatsache eröffnet einem die Chance, die Statements und das Handeln der Funktionäre des FC Schalke 04 zu verstehen. Und was Schalke im Kleinen tut, tut die Liga im Großen. Es geht nicht um Moral oder Rassismus, nicht um Hass oder Fairness. Es geht ums Verkaufen des Premiumprodukts Bundesligafußball.

Das ist so einfach und offensichtlich, dass es mich wundert, wie viele Kommentatoren weiterhin versuchen, tiefergehende Erklärungen oder Hintergründe zu finden.

Die Mitglieder des FC Schalke 04 haben dem Club eine Satzung gegeben, die sich deutlich gegen jede Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit richtet, die Integration fordert. Der Vorstand und der „Ehrenrat“ des FC Schalke 04 haben dennoch im Fall der rassistischen Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies beschwichtigt und kleingeredet, weil Clemens Tönnies als Unternehmer und Strippenzieher dem Club beim Geld verdienen hilft. Der gleiche Vorstand äußert sich lieber zu früh als zu spät im Fall Hopp, weil Fan-Proteste das Gesamtbild stören, das Sauber-Image der Liga beschmutzen und weil Dietmar Hopp ebenfalls für viel Geld in der Liga sorgt.

Auch der DFB handelt nach diesen Maßstäben. Aktuell ist viel von einem Fehlverhalten des DFB zu lesen, weil dieser aufgrund der Beleidigungen gegen Dietmar Hopp Spiele unterbrach, das aber bei Affenlauten gegen den Herthaner Jordan Torunarigha im Pokalspiel auf Schalke nicht tat. Ich denke, dass der Schiedsrichter damals das Spiel durchaus unterbrochen hätte, wäre Torunarigha sichtbar durch Plakate oder für alle hörbar beleidigt worden. Dem war nicht so, nicht nur die Schiedsrichter, auch das Fernsehen hat von dem Vorfall selbst nichts mitbekommen und erst verspätet durch die Aussage des Spielers davon erfahren. Ich traue den Schiedsrichtern und dem DFB durchaus zu, auch in „lauten“ Fällen von Rassismus klarer und drastischer als bislang vorzugehen. Nicht weil ihnen die Tränen Torunarighas nahe gehen, sondern weil offener Rassismus das Image der Liga stark beschädigt.

Letztlich handelt die Liga auch im Umgang mit den Fankurven stets nach diesem Maßstab. Gerade gibt es viele Texte, die erklären, warum sich die Kurven überhaupt gegen Dietmar Hopp richten. Andere versuchen die Subkultur zu erklären und bemerken, dass es ganz natürlich ist, dass eine solche nicht so funktioniert, wie es „die Oberen“ gerne hätten. Mit solcherlei kann man sich gerne beschäftigen, das macht einen sicherlich auch nicht dümmer. Aber bezüglich der Beziehung zwischen Fankurven und Ligaführung ist das alles völlig egal. Es geht nicht darum, was die Fans wollen, sondern wie viel diejenigen, welche die Show veranstalten und verkaufen, zulassen möchten.

Tatsächlich will die Liga Fans in den Kurven, Stehplätze, Choreografien und gute Stimmung. In den meisten Clubs werden Fanclubs und Ultra-Gruppen hofiert, werden ihnen Sonderrechte eingeräumt. Im Großen und Ganzen funktioniert das als gutes Miteinander. Selbst die Farce um Pyrotechnik, bei dem die einen verbieten, die anderen doch machen, und das in der Regel keine schlimmeren Konsequenzen als für Clubs mit Millionenumsätzen lächerliche Geldstrafen hat, kann als irgendwie eingerichtetes Miteinander angesehen werden. Die Clubs bieten der Subkultur ihren Raum, weil ihr Tun für das Produkt Bundesliga Bilder und Gesang produziert.

Die Liga hält zugunsten dieser Bilder und des Gesangs das nicht gewollte verhalten aus. Bislang ist die Mehrheit der Funktionäre der Ansicht, dass man die Bundesliga mit bunten und lauten Kurven besser vermarkten kann als ohne. Jede Spielunterbrechung und jede „Skandalmeldung“ ist aber ein Punkt mehr für diejenigen, die dem Tullus gerne ein Ende bereiten würden. Die darauf hinweisen, dass sich die Premier League in England und der Sport in den USA auch ohne Platz für Subkultur sehr gut verkaufen lässt, und dass der Ärger möglicherweise mehr kostet, als man durch den Mehrwert von Bildern und Gesang verdient.

Schubert oder Nübel?

Diese Frage wird Schalke begleiten. Über den nächsten Spieltag hinaus. Sobald Schalkes Torhüter, wie auch immer er heißt, Unsicherheiten zeigt, wird ein Teil der Fans und ein Teil der Medien nach dem Fragen, der auf der Bank sitzt.

Aktuell werden zwei Fragen diskutiert: „Welcher der beiden ist der bessere Torhüter?“ und „Soll man einen Spieler bevorzugen, weil er über die Saison hinaus dem Club erhalten bleibt?“. Diese Diskussionen werden mal parallel, mal inhaltlich vermischt geführt. Und häufig ist eine gehörige Portion verletztes Schalke-Herz im Spiel, weil Nübel die Reservistenrolle bei Bayern München dem Stammplatz bei Schalke 04 vorzog.

Welcher der beiden ist der bessere Torhüter?

Alexander Nübel ist ein herausragendes Torhütertalent. Das glauben die Verantwortlichen des FC Bayern München. Das glauben die Verantwortlichen des FC Schalke 04, die ihm dem Vernehmen nach noch mehr als die Bayern boten, um ihn zu halten. Das glaubten auch 90% der Schalker Anhänger, bis publik wurde, dass Nübel seinen Vertrag bei den Blauen nicht verlängern würde.

Alexander Nübel konnte Ralf Fährmann als Nummer 1 verdrängen, weil Ralf Fährmann in der Hinrunde der vergangenen Saison immer wieder Schwächen zeigte und weil Nübel ein modernes Torwartspiel mitbrachte. Weil Nübels Einsatz zu diesem Zeitpunkt mehr Erfolg versprach. Nübel hat in einigen Spielen überragend gehalten und Schalke Punkte gesichert. Trotzdem unterliefen ihm auch immer wieder Fehler. Manch ein Beobachter vermutete, dass die Situation um seinen Vertrag seine Leistung negativ beeinflusste.

In den vier Spielen, die Markus Schubert nun absolvierte, zeigte er starke Reaktionen auf der Linie und ein souveränes Spiel mit dem Ball am Fuß. Bei hohen Bällen zeigte er allerdings immer wieder Unsicherheiten. Gegen Wolfsburg und gegen Bayern München führte das zu Gegentoren.

Meines Erachtens ist Nübel weiter in seiner Entwicklung. Er zeigte schon Leistungen, die an Manuel Neuer erinnerten, die Schalke Punkte sicherten. Dass Markus Schuberts Limit auch so hoch festzusetzen ist, konnte dieser bislang nicht zeigen.

Markus Schubert ist zwei Jahre jünger als Alexander Nübel. Möglicherweise kann er Nübel überholen, sollte dieser in München nur noch auf der Bank sitzen und er selbst für Schalke spielen.
Auf jeden Fall muss Markus Schubert dringend seine auffällige Schwäche bei hohen Bällen abstellen. Gelingt ihm das nicht, wird er auch in der kommenden Saison nicht lange die Nummer 1 des FC Schalke 04 sein können.

Soll man einen Spieler bevorzugen, weil er über die Saison hinaus dem Club erhalten bleibt?

Dieser Frage ist sehr viel leichter und klarer zu beantworten. Nein. Man soll immer nur die Spieler bevorzugen, die aktuell besser sind und heute eine größere Chance auf die nächsten drei Punkte versprechen.

Einen längeren Vertrag bei einem Club zu haben ist keine Leistung. Hätte Schalke Raul oder Huntelaar durch längerfristig an Schalke gebundene Spieler ersetzen sollen, als klar war dass diese Stars Schalke verlassen? Damit die anderen Spielpraxis erhalten? Weil man dann für die Zukunft vielleicht besser gerüstet ist?

Das ist Humbug.

Profifußballer sind Ich-AGs. Schalke mietet sich deren Leistungen für eine Weile. Damit der Laden läuft, muss man möglichst erfolgreich sein, um möglichst viel Geld zu verdienen, um wiederum möglichst gute Spieler bezahlen zu können. Dass irgendein Spieler irgendwann total supergut wird, weil man ihn heute einem besseren Spieler vorzieht, lässt sich nicht garantieren. Das Leistungsprinzip im Profisport sieht aber vor, dass man alles daran setzt, im Hier und Jetzt zu erreichen, was sich erreichen lässt.

Und nu‘?

Die Situation um Nübel und Schubert ist verworren, auch weil Schalke nicht klar agierte. Nübel die Kapitänsbinde anzupappen, um ihn per angehobenem Stellenwert zu einer Vertragsverlängerung zu bewegen, war schon unsouverän. Nübel die Binde, nach dessen Vertragsentscheidung, wieder abzunehmen, war peinlich.
Mit seiner Darstellung, dass beide Torhüter angeblich gleichwertig stark seien, hat David Wagner befeuert, dass den Rest der Saison bei jedem Wackler über den jeweils anderen Torhüter gesprochen werden wird.

Ich glaube, dass beiden Torhütern eine klare Hierarchie hätte helfen können. Nübel hätte als Nummer 1 unterstützt werden sollen; unabhängig von seiner Vertragsentscheidung. Geschützt vor provozierenden Medienstorys und geschützt vor keifenden Fans, hätten ihn Trainer, Verantwortliche und Teamkollegen in die Mitte nehmen, ihm die Rückendeckung für bestmögliche Leistungen bieten sollen.

Schubert hätte mit der Ansage, dass ihm die Zukunft gehöre, dass er dann alle Chancen bekomme, wenn Nübel weg ist, aus dem allzu scharfen Fokus genommen werden können. Von ihm wären dann nicht jetzt schon Nummer 1-Leistungen erwartet worden, wo sich das Trainerteam doch eigentlich noch nicht für ihn entschieden hatte, wo er doch lediglich durch Nübels Sperre ins Tor kam.

So war’s nicht. Ich denke, David Wagner täte dennoch gut daran, fortan so zu tun, als sei es intern immer so abgesprochen gewesen. Die Torhüterfrage droht die Rückrunde zu überschatten. Ma’kucken.

Schneiders Short-Term Schalke

Schalke 04 will sich mit Jean-Clair Todibo verstärken. Das französische Innenverteidiger-Talent steht beim FC Barcelona unter Vertrag und möchte auch dorthin zurück. Das stört Schalke nicht. Die Verpflichtung passt zum Kurs, den Schalkes neuer Sportvorstand Jochen Schneider eingeschlagen hat. Aktuell steht bei den Blauen Flexibilität höher im Kurs als langfristiges Planen.

Neben Todibo stehen mit Jonjoe Kenny, Juan Miranda und Michael Gregoritsch drei weitere ausgeliehene Spieler im Kader. Mit Juan Miranda ist ein Bleiben bis 2021 vereinbart. Gut möglich, dass die anderen Schalke schon in der nächsten Transferperidode wieder verlassen. Außerdem laufen die Verträge von Daniel Caligiuri, Bastian Oczipka und Benjamin Stambouli in fünf Monaten aus. Dem Kader droht der nächste Umbruch.

So würde es Jochen Schneider selbst wohl nicht formulieren. Für ihn bedeuten auslaufende Verträge und kurzfristige Leih-Engagements Flexibilität. Schalke konnte sich in den letzten 3 Spielzeiten zweimal nicht für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. Für den Club ist das dramatisch. Der Konzernzwischenbericht 2019 wies Verbindlichkeiten von 226 Millionen Euro aus. Größere Investitionen in Ablösesummen und Gehälter für vermeintliche Stars kann sich Schalke derzeit nicht leisten. Geld dafür muss man sich zunächst durch sportliche Erfolge und daraus resultierenden Einnahmen erwirtschaften.

Da ist es schlau, zunächst keine großen Risiken einzugehen. Natürlich würde Schalke Jonjoe Kenny gerne über den Sommer hinaus behalten. Jetzt, wo klar ist, dass er auf Schalke eingeschlagen ist. Aber Spieler möchten möglichst viel Geld verdienen und in ihrer Karriere voran kommen. Wer in der englischen Premier League spielt oder beim FC Barcelona unter Vertrag steht, kommt nicht auf Schalke, weil hier die Fans lauter singen. Schalke bietet solchen Spielern Bundesliga-Spielzeit, einen Trainer, dessen Name aus der Premier League bekannt ist und die Aussicht, nach individueller Weiterentwicklung zum vorherigen Club, in die vorherige Liga, „zum vorherigen Status“ zurückkehren zu können.

Auch bezüglich der Spieler, deren Transferrechte bei Schalke 04 liegen, ist eine Vertragspolitik nach dem Grundsatz der Flexibilität zu erkennen. Die Vertragsverlängerungen mit Weston McKennie und Amine Harit waren wichtig, weil sie den höchsten Wiederverkaufswert versprechen. Der geplante Vertrag mit Alexander Nübel, inklusive Ausstiegs- bzw. Wechselmöglichkeit, hätte ebenso ins Konzept gepasst. Gleichzeitig ist man mit Investitionen in ältere Spieler, deren Karriereplan nicht mehr unbedingt ein Verlassen der Blauen zu einem größeren Club vorsieht, eher vorsichtig. Spieler wie Bastian Oczipka, Daniel Caligiuri und Benjamin Stambouli waren in der jüngeren Vergangenheit wichtige Stützen. Neue Verträge mit ihnen binden aber Budget, versprechen keine späteren Transfereinnahmen und lassen sich auch nicht so leicht „loswerden“, falls der sportliche Erfolg in absehbarer Zukunft ausbleibt und die Kaderkosten weiter gesenkt werden müssen.

Bei einer Vertragsverlängerung mit Weston McKennie vor allem an dessen Wiederverkaufswert zu denken, mutet unromantisch an. Und sollte sich Schalkes sportliche Leitung gegen eine Vertragsverlängerung mit Benjamin Stambouli entscheiden, würde das ein eher lauteres Grummeln in der Fangemeinde auslösen. Der Franzose bespielt die einschlägigen sozialen Netzwerke regelmäßig und gekonnt, ist sehr sympathisch und wird gemocht. Trotzdem ist es nicht abwegig, dass sich Schalke auch bezüglich dieser Personalie nach Alternativen umschaut, den Blick auf Entwicklungsmöglichkeiten, Wiederverkaufswerte und Flexibilität richtet. Es würde ins Bild passen, das Jochen Schneider bislang als Sportvorstand des FC Schalke 04 abgibt. Eher nicht romantisch, auch nicht smart, aber nachvollziehbar und klar in seinem Tun.

Reset

Im Januar 2007 hatte ich angefangen, im eigenen Blog über Schalke 04 zu schreiben. Am 24.05.2018 habe ich mein königsblog abgeschaltet. Heute vor 600 Tagen.

Nein, das hier ist kein königsblog 2.0. Im August 2017 hat mein Leben einen Neustart erfahren. Dass ich seitdem weniger Texte veröffentlichte, dass ich meine Webseite letztlich abschließen konnte, lag auch daran, dass mein Alltag wieder wertvoller und spannender wurde.

Aber ich mag das Schreiben. Und ich habe weiterhin stets meine Meinung zu den Dingen um Schalke 04. Deshalb ist das hier nun meine Plattform für Dieses und Jenes.

Hier sind die königsblog-Texte zu finden, die es meines Erachtens wert waren, auch abseits der damaligen Tagesaktualität, aufgehoben zu werden. Dass ich die vielen tollen Kommentare zu eben diesen Texten zurückließ, tat mir in der Seele weh, war aber rechtlichen Gründen geschuldet.

Hier wird es wieder Texte zu Schalke 04 geben. Wie regelmäßig, wie häufig, vermag ich noch nicht zu sagen. Meine Idee ist, dass es hier auch andere Texte geben wird. Wie sich das entwickelt: Ma’kucken.

Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Der FC Schalke 04 war in seinen Anfangsjahren eng mit der Zeche Consolidation verbunden. Er wurde entscheidend durch die Einwanderer geprägt, die damals der Arbeit wegen aus Masuren ins Ruhrgebiet kamen, die Koslowskis, Tibulskys, Zurawskis.

Auch heute profitiert Schalke 04 von seinem Standort, der Mitten im Ruhrgebiet als Ballungszentrum seit je her für Einwanderer attraktiv war. In der Knappenschmiede werden Mercans, Yildiz‘, Kutucus oder Cans ausgebildet, die in Recklinghausen, Düsseldorf oder Gelsenkirchen geboren wurden, deren Familien sich einst bewusst für den Zuzug entschieden haben.

Der Verein Schalke 04 hat sein Bestreben, die Integration ausländischer Mitbürger zu fördern, in der Satzung verankert. Gleich in Paragraph 2 wird klargestellt, dass der Verein rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie diskriminierenden oder menschenverachtenden Verhaltensweisen aktiv entgegen tritt.

Schalker sind viele. Wir sind schwul und hetero, vom Glauben geprägt und Atheisten, wir haben alle Hautfarben, wir sind behindert und topfit, sind arm und reich, klug und manch einer auch doof. Wir sind bunt. Wir dürfen es sein, wir sind okay wie wir sind, und wir vereinen uns unter der blau-weißen Fahne.

Wer für Ausgrenzung ist, wer meint, der Zuzug von Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, führe zum Untergang des Landes, der hat Schalke 04 nicht verstanden. Wer umgekehrt Schalke verstanden hat, kann unmöglich damit einverstanden sein, dass es rechtsradikale Politiker im Bundestag geben soll.

Deshalb: Schalker sein und bleiben, keine Stimme der AfD!

Messias Tedesco? Erst mal nur „der Nächste“

Eine lange Saison steckt in den Schuhen. Der Endspurt. Gewonnen, verloren, unentschieden. Gewonnen, verloren, gewonnen. Noch ein Spiel gegen einen gleichwertigen Gegner. Ein Punkt reicht, um das Saisonziel doch noch zu erreichen! Auf Sieg spielen, an sich glauben! Um dann doch zu verlieren.

Klingt nach Schalke. Ähnlich widerfuhr es den Blauen immer dann, wenn man doch noch auf einen Europa League-Platz hätte kommen können. Die oben beschriebene Abfolge ereilte aber Erzgebirge Aue. Am letzten Spieltag verlor Aue in Düsseldorf mit 0:1.

Dass Aue auf „Sieg spielen“ würde, wie von Tedesco angekündigt, davon war kaum etwas zu sehen. Zwar kombinierten die Veilchen teilweise ansehnlich, aber kaum bis ins letzte Drittel.

… schrieb der kicker später. Dass Aue dennoch feiern durfte und nicht in die Relegation musste lag daran, dass Bielefeld und 1860 München ihre letzten Spiele ebenfalls nicht gewannen. Als Retter Aues durfte sich Domenico Tedesco selbstverständlich dennoch feiern lassen. Von 11 Spielen unter seiner Leitung verlor Aue nur drei, gewann sechs. Aber als ein Proficlub wie Schalke 04 …

verpflichtet man ja nun wirklich keinen Trainer, der für ein paar Wochen bei Aue wohl gute Arbeitet leistete, sondern in erster Linie den von vielen als überragend empfundenen Jugendtrainer, der auch in Aue überraschend großen Erfolg hatte.

… wie Kommentator sternburg gestern so treffend schrieb.

Bevor Domenico Tedesco im März Aue übernahm war er U19-Trainer in Hoffenheim. Dieses Amt hatte er erst zu Saisonbeginn übernommen. In der Saison zuvor gewann Hoffenheim die Staffel Süd/Südwest. In den 20 Partien unter Domenico Tedesco kam Hoffenheim auf 10 Siege, 2 Unentschieden und 8 Niederlagen. Bei seinem Abschied belegte die TSG Platz 4 und hatte bei einem Torverhältnis von 38:35 die zweitmeisten Gegentreffer kassiert.

Bevor er nach Hoffenheim kam war Domenico Tedesco Cheftrainer der U17 des VfB Stuttgart. In der Saison 2013/2014 führte er das Team auf Platz 2. In der Saison 2014/2015 gewann sein Team die Staffel. In den zwei Spielzeiten vor Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart ebenfalls Platz 2 und 1. In den zwei Spielzeiten nach Domenico Tedesco belegte die U17 des VfB Stuttgart Platz 1 und 2.

Stopp!

Der Wieland, der ewige Mopperkopp! Will der den neuen Trainer schon vor dem ersten Testspiel schlechtmachen? Was will er uns damit sagen? Dass sich Heidel vertan hat?

Nein. Ich möchte nur darstellen, dass Schalkes neuer Trainer kein Messias ist, und dass seine Erfolge mit Jugendteams keineswegs so spektakulär waren, wie man glauben könnte, wenn man nun die vielen Jubeltexte liest, die gerade über ihn verfasst werden. Experten nennen Domenico Tedesco eines der größten Trainertalente. Aber das wurde zuvor eben auch schon über viele gesagt. Gerade zwischen den Spielzeiten wird viel gelobt. Wer wissen will, was ich meine, suche mal nach Texte über Markus Weinzierl, als dieser zum Trainer des Jahres ernannt wurde.

Ich freue mich auf Domenico Tedesco. Er wirkt sympathisch und enthusiastisch. Man sagt, er wisse was er tue. Er hat noch nirgendwo enttäuscht. Sein junges Alter empfinde ich nicht als problematisch. Ich sehe keinen Grund zur Sorge, ich wüsste nicht, warum ich diesem Trainerwechsel nicht optimistisch begegnen sollte. Noch sehe ich aber auch keinen Grund, heute optimistischer zu sein, als ich es bei den Trainerwechseln zu Roberto Di Matteo, André Breitenreiter oder Markus Weinzierl war.

Ma’kucken.

Foto: Tomek Bo

Der Tullus um Meyer & Konoplyanka

Der DFB-Pokal und die europäischen Wettbewerbe hatten ihre Endspiele. Zu Schalke gab es keine nennenswerten Nachrichten. Das ist nun endlich vorbei. Seit gestern gibt’s auf Schalke endlich wieder Tullus! Nachrichten um Max Meyer und Evgen Konoplyanka konnten dafür sorgen.

Eigentlich ist der Tullus gerade gar nicht auf Schalke, sondern eher medial um Schalke herum, denn beide Spieler sind derzeit mit Auswahlmannschaften unterwegs. Aber so kleinlich will nun wirklich niemand sein, wenn es endlich mal was zu schreiben gibt. Über Max Meyer heißt es, er habe ein Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt. Evgen Konoplyanka gab derweil ein Interview in dem er bestätigte, dass Markus Weinzierl nicht mehr mit ihm plane, in dem er den Trainer beschimpfte und prophezeite, dass Schalke mit Weinzierl absteige.

Nach dem schlechten Abschneiden in der letzten Saison steht Markus Weinzierl natürlich im Fokus. Da fallen solche Aussagen eines Spielers wie Miraculix‘ Zaubereicheln auf den Boden und lassen einen Wald aus Gewissheit entstehen, dass dieser Trainer nicht richtig mit seinen Spielern umgeht, dass es so nichts werden kann. Kritik an Markus Weinzierl zu entkräften ist schwierig, wenn es um Dinge geht die nicht auf dem Platz passieren. Man weiß einfach nicht, was konkret vorgefallen ist, man weiß nicht, was gegenüber wem in welchem Ton gesagt wurde. Wir wissen nun lediglich, wie bei Evgen Konoplyanka ankam, dass man ihm sagte, dass Schalke nicht mehr mit ihm plane. Nach seinen Leistungen und nach diesem medialen Coup zu urteilen wird er dem Club in der kommenden Saison nicht fehlen.

Spannender ist die Personalie Max Meyer. Einmal mehr kommuniziert der von der Agentur ROGON vertretene Spieler über die BILD und gibt dort zur Veröffentlichung bekannt, dass Schalke ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht hätte, dass er mit seinem Management die Ablehnung entschieden hätte, dass er sich in der kommenden Saison zeigen müsse, und dass es eben „die Frage sei“, ob er Schalke nun in diesem oder im nächsten Jahr verlasse.

Wir können davon ausgehen, dass diese Aussagen absichtlich in jede Richtung zu interpretieren sind. Max Meyer wird als „zu haben“ in die Medien gebracht, kurz bevor er sich mit der U21 bei der EM in Polen zeigen kann. Dies könnte seinen Marktwert noch mal auffrischen, zumindest aus der Sicht potenzieller neuer Clubs.
Dass gerade Schalke 04 nicht das Megaangebot auf den Tisch gelegt hat, das sich Max Meyer und sein Management nach den Jahren des Supertalent-Status‘ als Folgevertrag vorgestellt haben, ist durchaus denkbar. Denkbar wäre auch, dass Christian Heidel einem Wechsel Max Meyers in dieser Saison und bei entsprechender Ablöse nicht abgeneigt wäre, dass das Angebot entsprechend war. Man weiß es eben nicht. Ma’kucken.