Max Meyers nächste Chance

Beim olympischen Fußballturnier im Sommer war Max Meyer ein Star in einer tollen Mannschaft, die am Ende die Silbermedaille gewann. In der bisherigen Saison des FC Schalke 04 kam er nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. In der vergangenen Woche gab er sich gegenüber der Sport Bild unzufrieden. Heute, beim Europa League Spiel der Blauen in Krasnodar, wird er seine nächste Chance bekommen.

Er habe nicht damit gerechnet, dass er auf der Bank sitzen würde, wurde Max Meyer im Heftchen des Springer Verlags zitiert. Natürlich sei er mit seiner Situation unzufrieden. Es ist nicht das erste Mal, dass das von der Agentur ROGON beratene Talent in einer schwachen Phase der Presse Unmutsäußerungen in die Texte diktiert. Es ist anzunehmen, dass solche Aktionen weder bei der Presseabteilung des FC Schalke 04, noch bei Trainer Markus Weinzierl besonders gut ankommen.

Die Beispiele Sead Kolasinac und Johannes Geis zeigten, dass gute Leistungen auf dem Platz der erfolgreichere Weg sind, um sich für mehr Einsätze aufzudrängen. Als Baba vom FC Chelsea für die Linksverteidiger-Position ausgeliehen wurde, glaubten manche Fans darin schon das Ende von Kolasinac‘ Zeit auf Schalke zu erkennen. Doch sein Einsatz auf dem Feld wusste zu überzeugen und brachte ihn immerhin schon in vier der zehn Pflichtspiele in die Startelf. Auch für Johannes Geis schien die Situation im Kader nicht gut zu sein, nachdem er gegen Ende der letzten Saison nicht überzeugte und Schalke mit Bentaleb und Stambouli gleich zwei neue Spieler fürs defensive Mittelfeld verpflichtete. Nun setzt Markus Weinzierl aber doch auf immer wieder auf ihn, und seine langen Pässe sind eine wichtige Variante im Spiel der Blauen.

Von Max Meyer bekam man in dieser Saison lediglich 30 gute Minuten zu sehen. Als er im Europa League Spiel in Nizza eingewechselt wurde, belebte er Schalkes Spiel. Seine übrigen Auftritte waren pomadig. Ihm sagt man Kreativität nach, seine Pässe sollen Mitspieler in Abschlusssituationen bringen. Das gab es aber nicht zu sehen. Zudem war Leon Goretzka im offensiven Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz der laufstärkere und aggressivere Spieler.

Leon Goretzka wird beim heutigen Spiel in Krasnodar fehlen, ebenso wie Nabil Bentaleb. Nicht weil sie geschont werden würden, eher im Gegenteil. Krasnodar hat bislang zweimal gewonnen, ebenso wie Schalke. Man werde das Spiel mit 100% angehen und dafür brauche man zu 100% fitte Spieler, sagte Markus Weinzierl in der Pressekonferenz zum Spiel. Goretzka und Bentaleb waren nach dem Spiel in Augsburg beide angeschlagen. Ziemlich sicher wird Max Meyer heute also die nächste Chance bekommen, sein Können zu zeigen.

Max Meyer ist 21 Jahre jung. Ein großes Talent. In dem Alter muss er das Spiel eines Bundesligaclubs nicht alleine tragen. Wenn ihm allerdings die Wertschätzung fehlt, wenn er sich nicht genug geachtet fühlt, muss er seinen Wert eben auch ab und an unter Beweis stellen. Das Liefern steht vor dem Jubel. Der Jubel über eine olympische Silbermedaille mit einer U21-Mannschaft ist für den Männerbereich der Bundesliga ohne Bedeutung.



Foto: Tomek Bo

Zur Trainerdiskussion hier & in den Social Networks

Der VfL Wolfsburg hat sich vorgestern von Trainer Dieter Hecking getrennt. 2015 wurde Hecking noch zum Trainer des Jahres gewählt. Aktuell hat Wolfsburg zwei Punkte mehr als Schalke 04.

Schalker sind viele, es gibt immer alle Meinungen, und spätestens gestern ist das ewig wiederkehrende Kapitel „Trainerdiskussion“ auch in diesem Blog angekommen, in den Kommentaren unter dem letzten Beitrag.

Mit Blick auf die nur vier Punkte aus sieben Bundesligaspielen und auf das wahrlich nicht gut anzuschauende Spiel in Augsburg halte ich das für sehr normal. Falsch finde ich lediglich die immer wieder aufkommenden Vergleiche mit früheren Trainern. Man müsse die Arbeit Breitenreiters nun anders bewerten, las ich, oder dass Jens Keller und André Breitenreiter nach zehn solcher Pflichtspiele längst in der Luft zerrissen worden wären.
Das ist meines Erachtens unlauter. Zum einen, weil im Nachhinein jede schlechte Phase immer erträglicher in Erinnerung bleibt als sie sich akut anfühlte, und weil hierbei die akute Erfolglosigkeit Weinzierls mit offensichtlich verblassenden Erinnerungen verglichen wird. Zum anderen, weil es schlicht unfair ist, Trainer, die zumindest eine Saison Zeit für ihren Eindruck hatten, Markus Weinzierl gegenüberzustellen, der bislang nur für 10 Pflichtspiele verantwortlich war. Letztlich sind solche Vergleiche nur eine Kritik am aktuellen Trainer, kaschiert mit einem Feigenblatt angeblicher Objektivität oder Fairness gegenüber den früheren Verantwortlichen.

Ich selbst bin weit davon entfernt, Markus Weinzierl als irgendwie schwach, schlecht oder falsch zu erachten. Schalke fehlen sechs Punkte. Spiele wie die gegen Bayern München, Nizza und Borussia Mönchengladbach haben aber gezeigt, dass nichts grundsätzlich verkehrt läuft. Wie viele andere Schalker bin ich der immer gleichen Beißreflexe gegen den Trainer nach solch kurzen Misserfolgsphasen müde. Mut macht mir aktuell das Wirken des Clubs, der sich anders darstellt als zuvor in ähnlichen Situationen.

Aus dem Aufsichtsrat gibt es keine Statements zu lesen. Der Vorstand Sport/Kommunikation ist präsent und äußert nichts, was den Trainer irgendwie angreifbarer machen würde. Der Trainer selbst bleibt auf Pressekonferenzen nüchtern und sachlich. Das alles trägt dazu bei, dass bislang in den Medien keine krachenden Schlagzeilen gegen Schalkes Trainer zu lesen waren. Dass jeder Bundesliga-Trainer unter Erfolgsdruck steht ist vollkommen klar, dazu braucht es keine Schlagzeilen. Dass Schalke es aktuell so gut hinbekommt, sich nach Außen „cool“ zu zeigen, trägt dazu bei, dass sich Trainer und Mannschaft in relativer Ruhe auf die weiteren Aufgaben vorbereiten können.

Auch deshalb sind Thesen nach dem Muster „der Andere hätte/wäre in dieser Situation dies oder das …“ Mumpitz. Auf Schalke agiert ein Trainer nie alleine, sondern im Tandem mit dem zuständigen Vorstand, der „die Situation“ maßgeblich mitgestaltet. Christian Heidel zeigt den zuvor erhofften breiten Rücken. Er wird einen Trainer dann entlassen, wenn er den Eindruck hat, dass dieser in Zukunft die Mannschaft nicht voranbringen kann, nicht weil in der Vergangenheit Punkte liegen blieben.

Eben das schreibe ich übrigens auch Klaus Allofs in Wolfsburg zu. Dessen Entscheidung zu einem Trainerwechsel basiert sicher nicht nur auf der Wahrheit der fehlenden Punkte der aktuellen Saison. Nach 2015 hat sich die Mannschaft des VfL unter Dieter Hecking über eine komplette Saison zurückentwickelt und Allofs nun zu einem Neuanfang veranlasst. Schalkes Saison ist nach einem kompletten Neuanfang immer noch sehr jung.

Ma’abwarten.

Knappenschmieden-Überstücke

Schalke möchte den Kader seiner Regionalliga-Mannschaft ausdünnen. Wie RevierSport berichtete dürfen sich fünf Talente bei anderen Clubs vorstellen. Sollte sich Interesse ergeben, würde man ihnen keine Steine in den Weg legen. Einer dieser Spieler ist Felix Schröter (20), im Frühjahr 2015 noch Held der Schalker U19 in deren Meistersaison.

Die vier anderen Spieler sind Sven Köhler (19), Dominik Oehlers (21), Paul Stieber (19) und John Malanga (20). Auch Köhler, Stieber und Malanga gehörten zum Team Norbert Elgerts, das im Mai vergangenen Jahres im Endspiel gegen die TSG Hoffenheim die A-Junioren Meisterschaft gewinnen konnte. Damals stach aber vor allem Stürmer Felix Schröter heraus. In 38 Pflichtspielen der Meistersaison verzeichnete Felix Schröter 35 Treffer und 7 Vorlagen. Auch im Finale traf er zweimal.

Trotzdem entschied Schalke unter Cheftrainer André Breitenreiter, dass man den Platz für ein Stürmertalent im Profikader an Felix Platte vergab, statt an ihn. Um ihm Spielpraxis zu verschaffen wurde Felix Schröter im August 2015 an den Zweitligisten FC Heidenheim ausgeliehen. Die schickten ihn aber schon im Januar vorzeitig zurück. Man habe sich mehr von ihm erwartet, war aus Heidenheim zu hören. Er hätte seine Chance bekommen, aber nicht genutzt. Er würde es schwer haben, auf weitere Einsatzzeiten in der zweiten Liga zu kommen.

Nun hat Felix Schröter es sogar schwer, in der vierten Liga auf Einsatzzeiten zu kommen. In Schalkes als „U23“ bezeichneten zweiten Mannschaft stand er in den ersten drei Saisonspielen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, danach wars vorbei. Zu den letzten fünf Spielen berief in Trainer Jürgen Luginger nicht mal mehr in den Kader.

Gerade am Beispiel Felix Schröters lässt sich nachvollziehen, dass Erfolg im Juniorenbereich keine Aussagekraft bezüglich der Karriere im Profibereich hat. Es lässt weiterhin erahnen, wie besonders es ist, dass Schalke 04 in den letzten Jahren so viele Talente ins Profigeschäft bringen konnte. Und es weist einmal mehr darauf hin, dass Fußball ein Teamsport ist, dass auch „Ausbilder Elgert“ nie nur Individuen ausbildet, sondern talentierte Jungs immer wieder aufs Neue zu einem funktionierenden Team zusammensetzt.

Viel Unmut, weniger Tullus

Schalke 04 hat fünf Bundesligaspiele in Folge verloren. Gerade Schalke 04, der Club, den die Aufregung ihre Heimat nennt. Gemessen an dem, was man aus der Vergangenheit gewohnt ist, es aktuell aber noch erstaunlich ruhig. Das macht mir Hoffnung.

Natürlich ist jeder Schalker unzufrieden mit der aktuellen Situation. Natürlich gibt es von Fanseite jede denkbare Reaktion auf die Misere. Schalker sind eben viele. Für mach einen ist schon wieder Clemens Tönnies schuld, weil sich eben nichts ändere so lange er da sei. Für andere ist das eh längst nicht mehr ihr Schalke. Natürlich bekommt auch der neue Manager sein Fett weg. Und wie zu erwarten bläst dem neuen Trainer der fanseitige Wind am heftigsten entgegen.

Dass es ja nicht klappen könne, dass sich ein Team einspiele, wenn der Trainer die Startformation ständig wechsle, sagen die einen. Dass der Trainer dringend diesen oder jenen Spieler auf die Bank setzen müsse, da er es ja nicht brächte, sagt der Nächste. Wieso denn kein neuer Spieler aus der Knappenschmiede eine Chance bekäme, obwohl das aktuelle Personal doch scheitere, fragt der Dritte.
Gerne wird auch auf die Vergangenheit verwiesen. Ja, unter Breitenreiter sei auch nicht alles toll gewesen, aber er hätte wenigstens gepunktet. Und überhaupt habe Jens Keller doch Erfolg gehabt. Man selbst habe schon immer gewusst, dass Markus Weinzierl auch nicht besser sei, dass Erfahrungen aus Ausgburg nicht für Schalke 04 reichen würden, dass das viele Geld für seine Ablöse nicht nötig gewesen wäre.

Die Verehrung von Ex-Trainern steigt linear mit dem zeitlichen Abstand zu den pomadigen Spielen ihrer Zeit. Viel Unmut ist nach fünf Niederlagen in fünf Ligaspielen normal, das wäre in keinem Club anders. Und doch halten noch mehr Schalker gerade inne, statt schon wieder des nächsten Trainers Kopf zu fordern. Gerade der Vergleich mit den Vorgängern könnte ein Grund dafür sein. Dass Schalker Mannschaften in den letzten Jahren unter sehr verschiedenen Trainer auf dem Platz sehr gleich pomadig agierten mag für einige den Schluss nahelegen, dass Weinzierl auch nicht besser als seine Vorgänger ist. Noch naheliegender ist aber der Schluss, dass sich das mit dem nächsten Trainerwechsel auch nicht ändern ließe, dass es andere Gründe haben muss, auf die Schalke mal anders reagieren sollte.

Das ständige Wechseln von Trainern hat dazu geführt, dass Schalke spätestens alle anderthalb Jahre wieder bei Null begonnen hat, dass Spieler wieder nicht die Wunschspieler des aktuellen Trainers waren, dass Trainernotlösungen in der laufenden Saison gefunden werden musste, dass Schalke eben stets nur auf aktuelle Situationen reagiert hat, viel zu selten geplant agierte. Aus dieser Schleife auszubrechen war das Vorhaben, als man zu dieser Saison den großen Umbruch wagte. Dass das nach einem Monat Misserfolg nicht gleich wieder über den Haufen geworfen werden sollte, verstehen mittlerweile ganz viele Schalker.

Häufig gestellte Frage. Klare Antwort.

Ich denke, dass sich viele Schalker gerne von einem starken Mann führen lassen. Schalke ist ein Traditionsverein. Jahrzehnte war es immer so, dass es einen „Boss“ hatte.

Man könnte die Ursprünge dessen gar in der Gründerzeit des Ruhrgebiets suchen. Bei Friedrich Grillo zum Beispiel, dem Gründer der Zeche Consolidation, zu dem seine Arbeiter aufschauten, von dem seine Arbeiter abhängig waren, der die Lebenswirklichkeit schuf, aus der später der Fußballclub Schalke 1904 hervorgegangen ist.

Ein Verein ist Leben im Kleinen. Auch hier wird gezetert und gesungen, geliebt und gehasst, gesoffen und debattiert. Auch hier wollte man „oben“ einen haben, der regelte was es zu regeln gab, der das schon machte, was getan werden musste. Hier war man weniger abhängig. Hier konnte man den einen auch vom Hof jagen, wenn die Lage zu schief war. Dann sah man zu dass es einen anderen gab, einen entschlosseneren, einen besseren, einen der mehr in die Waagschale – und die Kassen – zu werfen vermochte.

Pro forma ist Schalke 04 noch ein Verein, aber tatsächlich ist Schalke 04 heute ein Unternehmen mit einem Umsatz von 264,5 Millionen Euro. Das niederländische Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG beziffert den durchschnittlichen Unternehmenswert des Clubs auf 624 Millionen Euro. Grundlage dafür war, dass sich Schalke im Aufbau des Vereins über eine neue Satzung Strukturen in Anlehnung an große Wirtschaftsunternehmen gab. Eine Satzung, die das Handeln einem Vorstand zuschrieb, die diesen Vorstand von einem Aufsichtsrat kontrollieren ließ. Damit nicht alles an einem hängt, damit die Verantwortungen geteilt wurden. Ein schlaues System, eine gute Satzung.

Und doch verhält sich Clemens Tönnies, der Vorsitzende des nur zur Kontrolle eingesetzten Aufsichtsrats, gerne wie ein Boss früherer Tage. Und weil Schalker viele sind, und weil viele diesen Club so leben wie sie ihn Jahrzehnte lebten, fühlen sich viele Schalker wohl damit. Sie vertrauen darauf, dass er regelt was es zu regeln gilt, dass er schon machen wird, was getan werden muss. Diejenigen halten die Diskussionen um Clemens Tönnies für absurd. Für sie liegt die oben dargestellte Frage auf der Hand, und sie wird vielfach formuliert, dieser Tage: „Wer sonst als Clemens Tönnies soll unseren Verein führen?“

Es sind diejenigen, die an die Richtigkeit der Satzung und an die Notwendigkeit einer Aufteilung der Macht im Club glauben, die darauf mit „Der Vorstand“ antworten. Diejenigen, die nicht formulieren sich „zu sorgen“, denen nicht „Angst und Bange“ wird, wenn sie daran denken, dass dem Club mal kein Boss alter Schule mehr vorsteht.

Da treffen verschiedene Lebensbilder aufeinander. Deshalb ist die Debatte so hitzig. Und deshalb wird sie wohl hitzig bleiben, über die Jahreshauptversammlung hinaus, egal welche Entscheidungen fallen werden.

Man versteht einander einfach nicht.

Rehbergs „Offener Brief“: Ein unerhörter Vorgang

Der Wahlausschuss ist ein Gremium und damit Teil des Vereins, in der Satzung verankert, von den Mitgliedern ordentlich gewählt. Dieser entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen über die Zulassung der Kandidaten zur Wahl des Aufsichtsrats. Diese Entscheidung steht nun an.

Am 01.06. hat der Wahlausschuss einen Apell veröffentlicht. Seit Wochen würde versucht, auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen, Druck auszuüben. Mitglieder des Wahlausschusses seien persönlich bedroht worden. Diese Vorgänge würden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04 schaden, sondern allen beteiligten Personen.

Anstatt dass sich der Club schützend vor das eigene Gremium stellt, erhöht Gerd Rehberg per „Offenem Brief“ den Druck weiter. Ganz offiziell, kraft seines Amtes als Ehrenpräsident, auf der Webseite des Clubs. Er stellt Vorgänge im Aufsichtsrat dar, die der Geheimhaltung unterliegen. Er fordert vom Wahlausschuss die Entscheidung die ihm gefällt. Er gießt Öl ins Feuer der eh schon hoch lodernden Diskussionen. Ein unerhörter Vorgang.

„Diese Vorgänge schaden nicht nur dem Ansehen des FC Schalke 04, sondern allen beteiligten Personen“ schrieb der Wahlausschuss in seinem Apell. Der Wahlausschuss tagt in dieser Woche. Noch ist keine Entscheidung gefallen die diskutiert werden müsste. Noch hat der Wahlausschuss nichts getan, was dem Ansehen des Clubs schadet. Gerd Rehberg mit diesem Brief und der Verein als solcher, im Umgang mit dem eigenen Gremium Wahlausschuss, leider schon.

Leroy Sané

Leroy Sané wurde gestern von Bundestrainer Löw für den Kader zur Europameisterschaft in Frankreich nominiert. Es ist die Krönung einer großartigen Saison des jungen Schalkers. Leroy Sané ist ein spektakulärer Spieler, einer der Spiele entscheiden kann. Da ist es kein Wunder, dass schon jetzt über einen Wechsel zu einem größeren Club spekuliert wird.

Im Januar wurde Leroy Sané 20 Jahre alt. Damit ist er der jüngste Spieler in Löws Team. Er war auch in Schalkes Team der jüngste, sieht man von Marvin Friedrich und Thilo Kehrer ab, denen Trainer André Breitenreiter nur ein paar Minütchen Bundesliga gönnte. Leroy Sané hatte seine ersten „Minütchen“ Bundesliga bereits in der Saison 2014/2015: Seine ersten drei Bundesligatore in 13 Einsätzen. Den ersten Champions League-Auftritt, inklusive Treffer, im Bernabéu zu Madrid. In diesem Jahr startete er dann richtig durch.

In der vergangenen Saison kam Leroy Sané auf 42 Pflichtspieleinsätze. Nur Ralf Fährmann kam auf einen mehr. Leroy Sané erzielte 9 Treffer, nur Klaas-Jan Huntelaar erzielte mehr. Er bereitete 7 Treffer vor, nur Max Meyer und Johannes Geis kamen auf mehr Vorlagen. Doch das sind nur Zahlen. Mehr als das zieht seine Art des Spiels die Zuschauer in seinen Bann. Kaum vorstellbar, dass Liebhaber offensiven Fußballs diesen Spieler nicht mögen könnten.

Leroy Sané ist so dynamisch und torgefährlich wie Julian Draxler, nur viel unbekümmerter. Seine Diagonalläufe öffnen Räume, kreieren aussichtsreiche Situationen. Ab und an fehlt ihm noch die Ballsicherheit, wenn er mal wieder schneller als sein Schatten ist und mit diesem auch die Kugel unterwegs liegen lässt. Aber so, wie er im Lauf der Saison sein Defensivspiel verbesserte, so wie er immer häufiger auch andere Spieler in Szene setzte, statt immer in 1:1 Dribblings zu gehen, so wird er sich weiterentwickeln und von Routinen profitieren.

Leroy Sané ist ein Spieler, der den Ball haben will, der Spiele entscheiden möchte. Sein Stil fällt auf. Sein Afro fällt auf. Er sieht gut aus. Er bringt mit, was es zu einem Star braucht. Jetzt lässt ihn Joachim Löw in Frankreich vielleicht schon auf die ganz große Bühne. Sie werden ihn irgendwann unbedingt haben wollen, die großen Clubs. Vielleicht schon in diesem Sommer. Auch Ausrüster Nike sieht in ihm einen zukünftigen Star und hat ihn bereits unter Vertrag genommen.

Weder in diesem Winter noch im Sommer greift eine Ausstiegsklausel bei Leroy Sané.

… wurde Horst Heldt im Januar zitiert, als es bereits Gerüchte um ein Interesse des FC Barcelona gab. Die ungelenke Formulierung lässt die Vermutung zu, dass zu einem späteren Zeitpunkt eben doch eine Ausstiegsklausel greift, dass eine Ablösesumme nur noch in diesem Sommer frei verhandelbar sein könnte.

Christian Heidel weiß um die Qualität des Spielers und er hat mehrfach gesagt, dass ihm bislang keine Angebote für Sané untergekommen seien. Ebenso klar sagte er aber auch, dass er niemals einen Spieler für unverkäuflich erklären würde. Immer ginge es nur darum, eine Mannschaft zusammenzustellen, die den größtmöglichen Erfolg garantiere. Gemeinsam mit dem neuen Trainer wird Christian Heidel den Kader verändern wollen. Die Rahmenbedingungen stimmen, gleich bei 11 Spielern des bisherigen Kaders laufen die Verträge in diesem oder im kommenden Sommer aus. Was es jedoch zu solchen Veränderungen braucht ist Geld, zumal sich Schalke eben wieder „nur“ für die Europa League qualifizierte. Auf die beiden letzten Europa League-Teilnahmen musste Schalke mit den Verkäufen von Manuel Neuer und Julian Draxler reagieren.

Auf Rechtsaußen konnte in der vergangen Rückrunde auch Alessandro Schöpf immer wieder mal auf sich aufmerksam machen. Schöpf ist auch erst 22 Jahre alt. Auch er wurde gestern für die Europameisterschaft in Frankreich nominiert, für Österreich. Und sowohl der FC Barcelona, als auch Manchester City, deren neuer Trainer Pep Guardiola ein großer Fan Leroy Sanés sein soll und für die Geld eine untergeordnete Rolle spielt, werden von Nike ausgerüstet. Aber das nur nebenbei.



Fotos: Tomek Bo

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga

Für den FC Schalke 04 stehen in dieser Zeit zu Buche:
  • 2006/2007: Vizemeister, UCL Qualifikation
  • 2007/2008: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Viertelfinale
  • 2008/2009: –
  • 2009/2010: Vizemeister, UCL Qualifikation, DFB-Pokal Halbfinale
  • 2010/2011: UCL-Halbfinale, DFB-Pokalsieger
  • 2011/2012: UCL Qualifikation, UEL Viertelfinale
  • 2012/2013: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Achtelfinale
  • 2013/2014: UCL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2014/2015: UEL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2015/2016: UEL Qualifikation

Meine 7 Wünsche für Schalke 04

Nach der Saison ist vor der Saison und nach Horst Heldt folgt Christian Heidel. Noch bevor er richtig da war hat er André Breitenreiter mitgeteilt, dass er nicht länger Trainer des FC Schalke 04 sein wird. Am Mittag seines ersten offiziellen Arbeitstages wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Schalkes neuer Sportvorstand legt ein ordentliches Tempo an den Tag. Es gibt aber auch wirklich genug zu tun, nicht nur für ihn, auch für den nächsten Trainer und für den ganzen Verein. Zusammengefasst komme ich auf 7 Punkte, die abzuarbeiten notwendig sind, um den FC Schalke 04 wieder in die Erfolgsspur zu führen.
 

  • Den Wunschtrainer verpflichten
  • Gradlinig handeln
  • Eigendarstellung verbessern
  • Selbstbewusst sein und handeln
  • Die Löcher im Kader stopfen
  • Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln
  • Demokratie leben

 
 
Aber der Reihe nach …
 
 
Den Wunschtrainer verpflichten

Alles steht und fällt mit dem Mann, der für die tägliche Arbeit mit der Mannschaft verantwortlich ist. André Breitenreiter und Horst Heldt haben nicht gut zusammengearbeitet. Der Manager meinte, mit dem Kader wäre mehr möglich gewesen. Der Trainer forderte Verstärkungen die er nicht bekam. Schon früh war zu erahnen, dass es sich bei Breitenreiter und Heldt um eine Zweckgemeinschaft handelte. Zuletzt ließ Heldt durchblicken, dass er einst Thomas Tuchel verpflichten wollte, dass er sich damit im Club aber nicht durchgesetzt habe.

Christian Heidel muss sich durchsetzen. Er muss einen Trainer aussuchen von dem er absolut überzeugt ist. Er muss seine Entscheidung den Schalker Gremien erklären, sie überzeugen. Schalke braucht ein gut harmonierendes Trainer/Manager-Duo, ein Tandem das sich gegenseitig wertschätzt, unterstützt und notfalls verteidigt. Gegenseitiges Vertrauen der handelnden Personen ist die Grundlage jeder erfolgreichen Arbeit.
 
 
Gradlinig handeln

Mal Hüh, mal Hotte lief es unter Horst Heldt. Egal was er sagte, man konnte sich nie sicher sein, ob er nicht vielleicht zwei Tage später das Gegenteil entschied. Mal gab er „bewusst kein Ziel“ aus, um später zu sagen dass man seiner Ansicht nach doch in die Champions League-Ränge kommen müsse. Mal gab er Ultimaten aus um später drauf zu pfeifen. Er polterte, warf Spieler raus, nur um sie später wieder reinzuholen. Er gab bekannt, Schalker Spieler würden in Zukunft unbedingt innerhalb eines gewissen Umkreises um Gelsenkirchen wohnen müssen, ohne das jemals umzusetzen oder auch nur selbst nach Gelsenkirchen zu ziehen.

Unter Horst Heldt wurden Spieler verpflichtet, die danach vom Trainer nie auf ihrer eigentlichen Position eingesetzt wurden. Man plante eine Saison mit dem damals wertvollsten Talent als Spielmacher, um nach drei Spieltagen die Planung über den Haufen zu werfen und für viel Geld einen (mehr als) fertigen Star zu verpflichten. Am Ende flüchtete das Talent und den Star schmiss man raus. Unter Horst Heldt agierte Schalke stets nur kurzfristig. Seine fehlende Linie brachte dem Club immer wieder Unruhe.

Christian Heidel legte in Mainz wiederholt eine gewisse Dickköpfigkeit an den Tag. Einer, dessen Wort gilt. Schalke braucht einen Sportvorstand, der sich zunächst überlegt was er will, es dann verkündet und in der Folge danach handelt. Egal ob es um die Zielsetzung, die Kaderplanung oder die Führung der Abteilung allgemein geht; das muss grundsätzlich so sein.
 
 
Eigendarstellung verbessern

Das Miteinander zwischen dem Trainer des FC Schalke 04 und den über Schalke berichtenden Medien war zuletzt schlecht, unter André Breitenreiter wie auch unter Jens Keller. Nun kann man sagen, daran seien die Medien schuld, und man kann Bespiele anführen, bei denen Journalisten tatsächlich über die Grenze des guten Geschmacks hinausschossen. Fakt ist jedoch: Man wird nicht zig Journalisten „irgendwie umpolen“ können und Geschmacklosigkeiten im Umgang mit Trainern sind auch kein schalkespezifisches Problem. Beeinflussen kann man nur, wie man sich selbst darstellt, wie sehr man was an sich heranlässt und welche Storys man den Medien anbietet.

Jens Keller und André Breitenreiter haben beide wahnsinnig viel über die Medien gesprochen. Beide brachten sich mit wiederholten Rechtfertigungen für irgendwas immer wieder selbst in die Defensive. Sie beschäftigen sich offensichtlich gründlich damit, wie und was über sie geschrieben wurde, ihnen war das wichtig. Das tat ihnen nicht gut.

Wurde Felix Magath in seiner Zeit auf Schalke in Pressekonferenzen auf etwas angesprochen, was sich auf Geschichten oder Gerüchte aus den Medien bezog, war seine Standardantwort, dass er keine Zeit hätte sowas zu lesen. Sich dies zum Beispiel zu nehmen sollte die unbedingte Empfehlung für Schalkes nächsten Trainer sein: Sei freundlich, sei verbindlich, erzähle und öffne Dich eben so viel, dass sie Geschichten zu schreiben haben. Aber lese diese Geschichten grundsätzlich nie! Und pfeife unbedingt drauf, wenn jemand sagt, was andere über Dich schreiben! Du hast dafür keine Zeit.
 
 
Selbstbewusst sein und handeln

Auch das hat zum Teil etwas mit Darstellung zu tun, letztlich aber auch mit der Sicht auf sich selbst und dem Gefühl, mit dem die Leute ins Stadion gehen. Es gilt, sich als großer Club mit gewissen Ansprüchen zu positionieren, ohne in übertriebene Großkotzigkeit zu verfallen.

Es scheint ein ewiges Thema zu sein: Auf Schalke seien die Ansprüche zu hoch. Um sich ja nicht an irgendwas messen zu lassen, um ja keine negativen Schlagzeilen erdulden zu müssen, gibt man keine Ziele aus und stellt sich selbst klein dar. Jeder nächste Gegner ist natürlich auch ganz toll, und wer das nicht sehe schaue nicht richtig hin. Dennoch wird Schalke in den einschlägigen Rankings seit Jahren unter den 20 wertvollsten Fußballclubs der Welt geführt.

Schalke erzielt höchste Einnahmen aus dem Sponsoring weltweit agierender Unternehmen, zeigt sich als Marke in den USA, im nahen wie im fernen Osten. Was Schalke 04 an Mitgliedsbeiträgen passiver Mitglieder kassiert ist mehr als die Hälfte der Bundesligaclub von ihren Trikotsponsoren erhalten! Der FC Bayern und Borussia Dortmund sind in den letzten Jahren sportlich wie wirtschaftlich enteilt. Dahinter ist alles offen. Es muss der Anspruch eines so potenten Clubs wie Schalke 04 sein, die dritte Kraft zu werden und zu bleiben. Dies muss man nicht unbedingt als offizielles Ziel ausrufen, aber man muss so agieren, es leben.
 
 
Die Löcher im Kader stopfen

André Breitenreiter hatte immer gesagt, ihm fehle ein erfahrener zentraler Defensivspieler im Kader. Er wollte auch Julian Draxler unbedingt halten. Horst Heldt hatte den unerfahrenen Pierre-Emile Höjbjerg vom FC Bayern und im Winter Younes Belhanda aus Kiew ausgeliehen. Er konnte Joel Matip nicht halten und sowohl Roman Neustädters, als auch Sascha Riethers Vertrag laufen in ein paar Tagen aus. Horst Heldt hat einen lückenhaften Kader hinterlassen, nicht zuletzt um einen prima Geschäftsbericht für das Jahr 2015 vorweisen zu können.

Positiv formuliert kann man aber auch sagen, er hat Christian Heidel einen gewissen Spielraum gelassen. Gerade weil Höjbjerg und Belhanda nur ausgeliehen sind, gerade weil man mit Roman Neustädter und Sascha Riether bislang keine Entscheidungen über die Zukunft fällte, lässt sich für das neue Manager / Trainer-Gespann was bewegen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Eric Maxim Choupo-Moting, Klaas-Jan Huntelaar, Sead Kolasinac und Dennis Aogo nur noch ein Jahr laufen. Auch hier können nun Weichen gestellt werden. Mit der Verpflichtung Naldos ist ein erster Schritt gemacht. Viele weitere müssen folgen.
 
 
Einen Lieblingsspielstil und ein Standardspiel entwickeln

In der letzten Spielzeit agierte Schalke wahnsinnig wechselhaft. Noch am 23. Spieltag agierte Schalke beim Abstiegskandidaten in Frankfurt mit 6 Verteidigern in der Startaufstellung, ohne jegliches Offensivspiel. Nur um sechs Tage später beim 3:1 in Köln zu stürmen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bis heute lässt sich nicht sagen, für welchen Fußball, für welchen Spielstil André Breitenreiter als Schalker Trainer stand.

Ebenso wenig hatte Schalke eine Spielweise parat, die man unbedingt beherrschte, auf die man sich in kritischen Situationen verlassen konnte. Wenn Schalke zu wackeln begann wackelte stets alles. Ein Spiel mal „runterspielen“ oder in einer kritischen Phase beruhigen konnte Schalke unter André Breitenreiter nicht.

Natürlich muss ein Trainer stets pragmatisch sein. Natürlich gibt es immer Umstände, die zu Abweichungen davon führen, was normal ist. Aber was normal ist, für welchen Fußball die Mannschaft des FC Schalke 04 steht, muss überhaupt erst noch definiert werden. Dies, und das Etablieren von Automatismen die Sicherheit bringen, wird die Aufgabe des nächsten Trainers sein.
 
 
Demokratie leben

Der letzte Punkt geht alle an. Aktuell tobt der Wahlkampf, auf Schalke. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung steht Clemens Tönnies zur Wiederwahl. Der Aufsichtsratsvorsitzende, den einige Schalker für alles Schlechte verantwortlich machen, den andere Schalker für den letzten Retter gegen die Macht dubioser Fanorganisationen halten. Clemens Tönnies nutzt seinen Einfluss, um in diversen Medien seine Sorgen um den Club zum Ausdruck bringen zu können, ohne dabei je kritisch hinterfragt zu werden. Andererseits instrumentalisieren Gegner sogar den vor der Fankurve weinenden Horst Heldt, um gegen Clemens Tönnies Stimmung zu machen – Leute, die ziemlich genau vor einem Jahr Horst Heldt Gift und Galle entgegenspuckten.

Wie auch immer die Wahl ausgehen wird: Es ist unbedingt notwendig, dass Schalke danach wieder zusammenfindet. Jeder Wählende ist dies nur, weil Schalke ein grundsätzlich demokratischer Verein ist. Auch wenn die Wahl nicht so ausgeht, wie man es selbst gerne hätte, die Entscheidung der Mitgliederversammlung ist zu akzeptieren. So wichtig Vereinspolitik auch ist: In den Scharmützeln darum darf die Unterstützung des Clubs nicht geopfert werden.

Schalke 04: Die Drama-Queen der Bundesliga

Schalke 04 hat sein letztes Saisonspiel in Sinsheim mit 4:1 gewonnen. Ein Spiel gegen eine TSG, für die es um nichts mehr ging. Gleichwohl ein wichtiger Sieg, erspart man sich so doch bis zu zwei Qualifikationsrunden zur Teilnahme an der Europa League. Ohne dies wird die Saisonvorbereitung 2016/2017 einfacher. Wichtig für den Trainer, wer auch immer dies dann sein mag.

Kurz vor dem Anpfiff in Hoffenheim wurde offiziell, dass André Breitenreiter in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FC Schalke 04 sein würde. Er selbst gab das bekannt, den Medien, in der Kabine auch seiner Mannschaft. Auch Christian Heidel nahm dazu später in einem Interview Stellung.

Demnach habe er André Breitenreiter angerufen, um mit ihm ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Im Lauf dieses Telefonats wurde dann aber klar worum es ging. Der Trainer wollte schnell Klarheit, eben kein „Geeiere“, wie er zuletzt selbst sagte. Dem Manager war wichtig, dass er von Beginn an ehrlich war, er wollte den Trainer nicht hinhalten. So kam es zu der Freistellung am Telefon. Eine Freistellung für nach dem Spiel, vor dem Spiel. Irgendwie typisch Schalke, Schalke 04, die Drama-Queen eben. Aber letztlich sprachen sowohl André Breitenreiter, als auch Christian Heidel in ihren Interviews ohne Verbitterung über den anderen.

Entsprechend war dieses Spiel in Hoffenheim also das letzte für sowohl André Breitenreiter, als auch für Horst Heldt. Und als sie nach dem Spiel gemeinsam in die Schalker Kurve gingen, als die Fans „Blau und Weiß, ein Leben lang“ intonierten, als bei Horst Heldt die Dämme brachen, da titschte das wohl jeden an, auch mich.

Keine Frage: Horst Heldt wurde zum Schalker und er hat seine Verdienste, er wird auf immer Teil der Geschichte des FC Schalke 04 bleiben. Es gilt, ihn zu achten, wie es überhaupt jeden Schalker zu achten gilt. Trotzdem ist es mehr als schräg, in welch gutem Licht Horst Heldt plötzlich dasteht. Wie sich das Verhalten eines Großteils der Fans wandelte, von Zeter und Mordio, das man ihm nach der letzten Saison entgegenschrie, zur aktuellen Innigkeit – obwohl er doch großen Anteil daran hatte, dass diese Saison kaum einen Deut besser verlief als die letzte. Wo doch gerade er keinen Draxler-Ersatz beschaffen konnte und den Forderungen des Trainers nach einem erfahrenden Defensivspieler nicht nachkam. Das ist schon mehr als erstaunlich. Meines Erachtens war und ist es in beide Richtungen zu dick aufgetragen. Damals wie heute. Schalke 04, die Drama-Queen eben.

Wie dem auch sei: Horst Heldt ist nicht mehr verantwortlich. Die Zukunft gehört Christian Heidel, der am gestrigen Sonntag seinen ersten Tag mit Verantwortung für Schalke 04 hatte und gleich tätig wurde.

Nach wenigen Stunden wurde die Verpflichtung von Ronaldo Aparecido Rodrigues, genannt Naldo, bekanntgegeben. Wenn man so will: Gleich der zentrale Defensivspieler mit Erfahrung, den André Breitenreiter nicht bekam.

Naldo ist bereits 33 Jahre alt. Er ist noch immer ein guter Spieler. Dieser Transfer wird Schalke nicht auf Champions League-Level hieven. Aber Naldo ist ein Führungspieler und ein Teamplayer. Einer, von dem junge Spieler profitieren können. Auf Grund einer Klausel im Vertrag konnte Christian Heidel ihn ablösefrei bekommen. Wirkt auf mich wie ein schlauer Deal.

Noch nicht offiziell, sondern nur nach Meldung der Süddeuschen Zeitung, hat Schalke außerdem Robert Leipertz vom FC Heidenheim zurückgeholt. Robert Leipertz war vor zwei Jahren aus Schalkes Regionalligamannschaft nach Heidenheim gewechselt. Schalke hatte sich eine Rückholoption gesichert, welche nun gezogen worden sein soll. Der nun 23-Jährige Spieler hatte für Heidenheim in der letzten Saison hauptsächlich als Rechtsaußen gespielt. In 33 Spielen kam er auf 10 Treffer und bereitete 10 weitere Tore vor. Für einen Außenbahnspieler durchaus starke Zahlen.

Inwieweit Schalke mit Leipertz als Kaderspieler plant, ob es neben Naldo noch andere Veränderungen für die Innenverteidigung geben wird, wer überhaupt nächster Schalke-Trainer wird … das alles bleibt abzuwarten. Mittwoch wird es eine Pressekonferenz mit Christian Heidel auf Schalke geben. Vielleicht sitzt dann ja ein neuer Trainer daneben.