Der Tullus um Meyer & Konoplyanka

Der DFB-Pokal und die europäischen Wettbewerbe hatten ihre Endspiele. Zu Schalke gab es keine nennenswerten Nachrichten. Das ist nun endlich vorbei. Seit gestern gibt’s auf Schalke endlich wieder Tullus! Nachrichten um Max Meyer und Evgen Konoplyanka konnten dafür sorgen.

Eigentlich ist der Tullus gerade gar nicht auf Schalke, sondern eher medial um Schalke herum, denn beide Spieler sind derzeit mit Auswahlmannschaften unterwegs. Aber so kleinlich will nun wirklich niemand sein, wenn es endlich mal was zu schreiben gibt. Über Max Meyer heißt es, er habe ein Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt. Evgen Konoplyanka gab derweil ein Interview in dem er bestätigte, dass Markus Weinzierl nicht mehr mit ihm plane, in dem er den Trainer beschimpfte und prophezeite, dass Schalke mit Weinzierl absteige.

Nach dem schlechten Abschneiden in der letzten Saison steht Markus Weinzierl natürlich im Fokus. Da fallen solche Aussagen eines Spielers wie Miraculix‘ Zaubereicheln auf den Boden und lassen einen Wald aus Gewissheit entstehen, dass dieser Trainer nicht richtig mit seinen Spielern umgeht, dass es so nichts werden kann. Kritik an Markus Weinzierl zu entkräften ist schwierig, wenn es um Dinge geht die nicht auf dem Platz passieren. Man weiß einfach nicht, was konkret vorgefallen ist, man weiß nicht, was gegenüber wem in welchem Ton gesagt wurde. Wir wissen nun lediglich, wie bei Evgen Konoplyanka ankam, dass man ihm sagte, dass Schalke nicht mehr mit ihm plane. Nach seinen Leistungen und nach diesem medialen Coup zu urteilen wird er dem Club in der kommenden Saison nicht fehlen.

Spannender ist die Personalie Max Meyer. Einmal mehr kommuniziert der von der Agentur ROGON vertretene Spieler über die BILD und gibt dort zur Veröffentlichung bekannt, dass Schalke ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht hätte, dass er mit seinem Management die Ablehnung entschieden hätte, dass er sich in der kommenden Saison zeigen müsse, und dass es eben „die Frage sei“, ob er Schalke nun in diesem oder im nächsten Jahr verlasse.

Wir können davon ausgehen, dass diese Aussagen absichtlich in jede Richtung zu interpretieren sind. Max Meyer wird als „zu haben“ in die Medien gebracht, kurz bevor er sich mit der U21 bei der EM in Polen zeigen kann. Dies könnte seinen Marktwert noch mal auffrischen, zumindest aus der Sicht potenzieller neuer Clubs.
Dass gerade Schalke 04 nicht das Megaangebot auf den Tisch gelegt hat, das sich Max Meyer und sein Management nach den Jahren des Supertalent-Status‘ als Folgevertrag vorgestellt haben, ist durchaus denkbar. Denkbar wäre auch, dass Christian Heidel einem Wechsel Max Meyers in dieser Saison und bei entsprechender Ablöse nicht abgeneigt wäre, dass das Angebot entsprechend war. Man weiß es eben nicht. Ma’kucken.

Die 10-Jahres-Tabelle der Bundesliga

Für den FC Schalke 04 stehen in dieser Zeit zu Buche:

  • 2007/2008: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Viertelfinale
  • 2008/2009: –
  • 2009/2010: Vizemeister, UCL Qualifikation, DFB-Pokal Halbfinale
  • 2010/2011: UCL-Halbfinale, DFB-Pokalsieger
  • 2011/2012: UCL Qualifikation, UEL Viertelfinale
  • 2012/2013: Qualifikation zur UCL-Qualifikationsrunde, UCL Achtelfinale
  • 2013/2014: UCL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2014/2015: UEL Qualifikation, UCL Achtelfinale
  • 2015/2016: UEL Qualifikation
  • 2016/2017: UEL Viertelfinale

Hier geht’s zu der Version von 2016.

May the 4th be with Schalke 04!

Damals wollten sie nur kicken. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wollten sie plötzlich überall Fußball spielen. Auch einige Nachbarsjungen in Schalke. Seit 1904 trafen sie sich regelmäßig. Sie nannten sich Westfalia, und sie kleideten sich Rot-Gelb.

Aus dem Notizbuch Willy Gies’ kennen wir einige Namen, die heute als Vereinsgründer verehrt werden. Vielleicht gehörten noch andere dazu. Das festzuhalten war damals nicht wichtig. Ein registrierter Verein wurde Westfalia erst 1909.

Das Weitere ist Geschichte, und die wurde vielfach erzählt, auf dem Weg zum heutigen Fußballclub Gelsenkirchen‑Schalke 04 e.V.. Geschichten wurden und werden gerne ausgeschmückt. Irgendwann, wohl in den 60er Jahren, hat man festgelegt, dass es der 04. Mai 1904 gewesen sein soll, da der damals 14-Jährige Willy Gies mit seinen Freunden erstmals als Westfalia kickte. Dieses Datum gilt seitdem offiziell als der Geburtstag der heutigen Blauen, dieser Tage einer der größten Fußballvereine der Welt.

Bundesligafußball ist eine Unterhaltungsindustrie. Schalke 04 ist ein Teil davon. Einer der Clubs, die meinen sich in glattgezogenen TV-Produktionen sauber präsentieren zu müssen. Ein Club, deren Funktionäre das Mitspracherecht der Mitglieder einschränken möchten. Es gibt so vieles, was mich nervt, an diesem Club.

Und doch hänge ich ihm immer wieder nach. Den Menschen, der Geschichte und den Geschichtchen. Den Begegnungen, die ich erfuhr, nur durch die Gemeinsamkeit, sich irgendwann in diesen Fußballclub verliebt zu haben.

Dieser Club sind wir alle. Schalke 04 sind seine Menschen, seine Mitglieder. Die Geschichte dieses Clubs muss gefühlt werden, es geht nicht nur darum, Retro-T-Shirts zu verkaufen. Das ist mehr als ein Produkt. Das macht es besonders. Ich wünsche mir, dass das jeder versteht. Ich empfehle jedem, daran teilzuhaben.

Alles Gute zum Geburtstag, Schalke 04!

Möge „die Macht mit Dir sein“, und bleiben, auch nach der nächsten Jahreshauptversammlung.

† Herbert Preckel

Ein Kerl wie ein Baum! Erst 66 Jahre alt. Letzte Woche Freitag fiel er um. Einfach so. Herbert Preckel war der Papa meiner Freundin Kerstin. Im Stadion saß ich jahrelang neben ihm. Nun nie mehr. Nicht zu fassen!

Mit einer neuen Frau bekommt man neue Bekannte geschenkt, aus denen bestenfalls Freunde werden. Als ich die heutige Frau Wieland kennenlernte, eine Tochter Gelsenkirchens, bekam ich Freundin Kerstin dazu. Es dauerte nicht lange, da saß ich erstmals bei den Preckels in der Küche. Frau Wieland kannte Kerstin seit Kindheitstagen und war immer gerne dort. Ab dem ersten Augenblick wusste ich warum. Bei den Preckels, bei Herbert und seiner Frau Gilla, fühlte ich mich sofort willkommen. Ein Haus voller Leben.

Zu ihnen hatte man kein Eltern-Verhältnis. Es war wie bei älteren Freunden. Dort war immer was los. Drei Töchter. Drei Schwiegersöhne. Neun Enkelkinder. Die Geschwister und Nichten gleich nebenan. Man war nie alleine.
In der Hütte in ihrem Garten feierten wir Silvester. Es hüpften stets Kinder herum, irgendwann auch mal meine. Irgendwie wurde immer gekocht, gebacken oder gegrillt. Die Preckel-Welt war für mich der Inbegriff von Familie, in welche auch Freunde für die Zeit ihres Dortseins aufgenommen wurden. Und während Gilla für das Herzliche zuständig war, sorgte Herbert für Witz und Tun.

Für Herbert schien nie etwas zu schwierig zu sein. Konnte er etwas nicht selbst erledigen, kannte er einen, der einen kannte. Und wenn man mit Herbert auf Schalke fuhr, kannte er sogar Leute, deren Einfahrt er zuparken durfte, um in angemessener Entfernung zum Stadion seinen Wagen abzustellen.

Dort, in der Arena, in Block S5, in der vorletzten Reihe von oben, saßen wir lange nebeneinander. Herbert war einer dieser Schalker, die im Ton der Ironie davon sprachen, dass Schalke den nächsten Gegner schon putzen würde, und denen vor dem Spiel die Ironie zugunsten von Optimismus flöten ging. Ich mochte seine Art sehr, das alles nicht zu ernst zu nehmen, und doch leidenschaftlich bei der Sache zu sein.

Nach Roberto Di Matteo und vor André Breitenreiter gaben Herbert und Kerstin ihre Dauerkarten weiter. Seitdem habe ich sie sehr vermisst. Bis zuletzt hoffte ich, sie würden es sich nochmal anders überlegen. War das Spiel mal doof, fühlte ich mich zumindest zwischen ihnen wohl. Nun wird es nie mehr sein können, wie es mir am liebsten war.

Schalke, das sind vor allem Menschen.
Mit Herbert ging ein Stück meiner schönsten Schalke-Zeit.

Sichtweise

Es läuft nicht rund, auf Schalke. Da wird alles diskutiert, da ist nichts zu abwegig, um nicht als Grund für den unbefriedigenden Tabellenplatz herangezogen zu werden. Ich mag es, wenn es bei den Diskussionen nach einem Spiel um Fußball geht. Doch auch in diesen komme ich ab und an nicht mehr mit, dann nämlich, wenn plötzlich aus voller Überzeugung vorgeschlagen wird, mit welcher Formation, mit welchen bestimmten Spielern gar, Schalke zu spielen hätte, damit sich der Erfolg wieder einstellt. Dazu fühle ich mich zu ahnungslos, oder ich habe zuviel Trainervertrauen, oder beides.

Ich bemühe mich durchzusteigen, wenn ich ein Fußballspiel sehe. Ich versuche auf die Leistung einzelner Spieler zu achten, ich schaue auf die Formation, auf die Spielweise, suche nach Mustern in den Abläufen. In machen meiner Texte nehme auf auf diese Erkenntnisse bezug, manchmal kommentiere ich anderes. Zu 99% beschäftige ich mich aber mit dem was war. Wenn mir in Diskussionen im Brustton der Überzeugung jemand darlegt, was wie sein sollte, bin ich immer vollkommen baff.

Eine Formation alleine sagt nicht unbedingt was über die Spielweise aus. Jede Formation kann sehr offensiv oder sehr defensiv interpretiert werden. Die Abläufe werden eingeübt. Wie jeder Proficlub beschäftigt auch Schalke 04 nicht nur den einen Trainer, der den Kopf hinhält, sondern einen Betreuerstab, halb so groß wie der Spielerkader. Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, Spieler zu fördern und ihre aktuelle Form und Fähigkeit einzuschätzen. Der Cheftrainer wird letztlich die Entscheidung treffen, von der er glaubt, dass sie am ehesten zu drei Punkten führt; immer.

Wenn dann jemand kommt und meint, er wüsste genau, dass es fortan mit diesem Spieler nichts mehr werde, dass unbedingt der andere spiele müsse, dass die Mannschaft nur erfolgreich sein könne, wenn man in Zukunft anders angeordnet auf dem Platz stünde, dann schüttle ich stets leise den Kopf. Dabei will ich niemandem das Wissen um den Fußballsport absprechen, und es geht mir auch keinesfalls nur um Fans. Auch wenn ehemalige Nationalspieler oder Leute mit Trainerschein in TV-Studios sitzen und sich zu solchen Aussagen hinreißen lassen, frage ich mich, woher sie die Chuzpe nehmen, sich über diejenigen zu erheben, die sich professionell rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen. Meines Erachtens grenzt das an Hochstapelei.

Danke für 10 Jahre Mitmachen!

Ich versuche es ab sofort auch mal mit ’nem Weblog zum Lieblingsthema. Nachdem ich in meinem bisherigen Internetleben allzu oft diverse Foren oder eben andere Blogs unaufgefordert mit meinen Kommentaren beglückt habe, mache ich mich nun selbst mal breit. Ma’kucken ob Fleiß und Kreativität ausreichen.

Mit diesem kurzen Statement fing alles an. Genau heute vor 10 Jahren. Das hier ist nun mein zweitausendeinhundertdreiunddreißigster „Blogeintrag“. Ihr habt das Projekt in dieser Zeit mit 37.408 Kommentare unterstütz und damit diese Webseite zu dem gemacht, was sie heute ist. Nicht riesig groß, nicht allumfassend, aber eben doch eine beständige Ecke im World Wide Web, in der man ganz gut seine Meinung zu den Dingen um den FC Schalke 04 vertreten kann, in der man sich mit Schalkern anderer Meinung austauschen kann. Auch wenn überall – auch hier ab und an – ein Niveau-Verfall im Umgang miteinander bei emotionalen Themen beklagt wird, blühen hier doch immer wieder tolle Diskussionen auf, schreiben Kommentatoren immer wieder hervorragende Texte, meinungsstark, klarer und länger als mancher Ausgangsbeitrag von mir. Dass das so funktioniert, dass hier Kommunikation entsteht, war immer und ist weiterhin mein eigentliches Ziel, zu dem alle „Mitschreiber“ und Leser ihren Teil beitragen. Wir alle sind das königsblog, mein Tun ist nur ein Teil davon. Danke für 10 Jahre Mitmachen!

So, das war der Teil mit dem Gefühl. Tatsächlich fing das Schreiben nicht gleich hier an, sondern auf der Blogplattform twoday.net, unter dem Titel „Drei Ecken, ein Elfer“. Eine einfache Einstiegsmöglichkeit, einfach losschreiben, ohne sich lange mit der Gestaltung der Seite auseinandersetzen zu müssen. Die Blogszene war übersichtlich. Auf diese Plattform gab es zu recht vielen Bundesligaclubs Blogs, in deren Kommentaren gute Diskussionen geführt wurden. Diskussionen, die ich damals schon als angenehmer als Foren-Threads empfand. Twitter spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle. In Blogs landeten deshalb auch solch kurze und unausgegorene Gedanken, die man heute in 140 Zeichen darstellt oder bei Facebook teilt.

Im August 2008 verließ ich twoday.net und richtete mir mein eigenes, auf WordPress basierendes Blog ein, das königsblog. Der Name enthielt damals bewusst „nicht zu viel“ Schalke. Ich wollte über „König Fußball im Allgemeinen und Schalke 04 im Besonderen“ schreiben. Dies sollte ein Fußballblog mit Schalke-Präferenz werden. Letztlich wurde es aber doch ein Schalke-Blog. Weil ich selbst auch immer weiter eintauchte, in diesen Club, weil mir immer mehr die Zeit und die Lust fehlte, über den Tellerrand hinauszuschauen, weil mir der Teller dieses Clubs vollkommen reichte.

Er reicht mir bis heute. Und bis heute habe ich Spaß an Schalke 04 und an diesem Projekt. Meine Seite, die mir vor allen social network-Aktivitäten und vor allen Veröffentlichungen in Zeitungen oder auf Webportalen das Wichtigste ist, mein Ding, ohne das es alles andere nie gegeben hätte. Ich kann mir vorstellen, dass ich auch in 10 Jahren noch schreibe. Ich kann mir allerdings genauso gut vorstellen, dass es von heute auf morgen aufhört.

Das habe ich in den 10 Jahren gelernt, in denen viel passiert ist – natürlich, denn in jedem Leben passiert in einem solch langen Zeitraum viel. Immer wieder gibt es Wichtigeres. Immer wieder macht einem mal was anderes mehr Spaß. Dann aber tut es doch wieder gut, sich auf was so „einfaches“ wie die Geschehnisse eines Fußballclubs zurückziehen zu können. Dies als Vehikel zu nutzen, sich auszudrücken, ab und an sogar mal kreativ zu sein. Das ist mir viel wert, das hat mich gehalten, seit 10 Jahren. Und so geht es zunächst auch weiter. Ma’kucken, was die Zukunft so bringt.

Max Meyers nächste Chance

Beim olympischen Fußballturnier im Sommer war Max Meyer ein Star in einer tollen Mannschaft, die am Ende die Silbermedaille gewann. In der bisherigen Saison des FC Schalke 04 kam er nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. In der vergangenen Woche gab er sich gegenüber der Sport Bild unzufrieden. Heute, beim Europa League Spiel der Blauen in Krasnodar, wird er seine nächste Chance bekommen.

Er habe nicht damit gerechnet, dass er auf der Bank sitzen würde, wurde Max Meyer im Heftchen des Springer Verlags zitiert. Natürlich sei er mit seiner Situation unzufrieden. Es ist nicht das erste Mal, dass das von der Agentur ROGON beratene Talent in einer schwachen Phase der Presse Unmutsäußerungen in die Texte diktiert. Es ist anzunehmen, dass solche Aktionen weder bei der Presseabteilung des FC Schalke 04, noch bei Trainer Markus Weinzierl besonders gut ankommen.

Die Beispiele Sead Kolasinac und Johannes Geis zeigten, dass gute Leistungen auf dem Platz der erfolgreichere Weg sind, um sich für mehr Einsätze aufzudrängen. Als Baba vom FC Chelsea für die Linksverteidiger-Position ausgeliehen wurde, glaubten manche Fans darin schon das Ende von Kolasinac‘ Zeit auf Schalke zu erkennen. Doch sein Einsatz auf dem Feld wusste zu überzeugen und brachte ihn immerhin schon in vier der zehn Pflichtspiele in die Startelf. Auch für Johannes Geis schien die Situation im Kader nicht gut zu sein, nachdem er gegen Ende der letzten Saison nicht überzeugte und Schalke mit Bentaleb und Stambouli gleich zwei neue Spieler fürs defensive Mittelfeld verpflichtete. Nun setzt Markus Weinzierl aber doch auf immer wieder auf ihn, und seine langen Pässe sind eine wichtige Variante im Spiel der Blauen.

Von Max Meyer bekam man in dieser Saison lediglich 30 gute Minuten zu sehen. Als er im Europa League Spiel in Nizza eingewechselt wurde, belebte er Schalkes Spiel. Seine übrigen Auftritte waren pomadig. Ihm sagt man Kreativität nach, seine Pässe sollen Mitspieler in Abschlusssituationen bringen. Das gab es aber nicht zu sehen. Zudem war Leon Goretzka im offensiven Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz der laufstärkere und aggressivere Spieler.

Leon Goretzka wird beim heutigen Spiel in Krasnodar fehlen, ebenso wie Nabil Bentaleb. Nicht weil sie geschont werden würden, eher im Gegenteil. Krasnodar hat bislang zweimal gewonnen, ebenso wie Schalke. Man werde das Spiel mit 100% angehen und dafür brauche man zu 100% fitte Spieler, sagte Markus Weinzierl in der Pressekonferenz zum Spiel. Goretzka und Bentaleb waren nach dem Spiel in Augsburg beide angeschlagen. Ziemlich sicher wird Max Meyer heute also die nächste Chance bekommen, sein Können zu zeigen.

Max Meyer ist 21 Jahre jung. Ein großes Talent. In dem Alter muss er das Spiel eines Bundesligaclubs nicht alleine tragen. Wenn ihm allerdings die Wertschätzung fehlt, wenn er sich nicht genug geachtet fühlt, muss er seinen Wert eben auch ab und an unter Beweis stellen. Das Liefern steht vor dem Jubel. Der Jubel über eine olympische Silbermedaille mit einer U21-Mannschaft ist für den Männerbereich der Bundesliga ohne Bedeutung.



Foto: Tomek Bo

Zur Trainerdiskussion hier & in den Social Networks

Der VfL Wolfsburg hat sich vorgestern von Trainer Dieter Hecking getrennt. 2015 wurde Hecking noch zum Trainer des Jahres gewählt. Aktuell hat Wolfsburg zwei Punkte mehr als Schalke 04.

Schalker sind viele, es gibt immer alle Meinungen, und spätestens gestern ist das ewig wiederkehrende Kapitel „Trainerdiskussion“ auch in diesem Blog angekommen, in den Kommentaren unter dem letzten Beitrag.

Mit Blick auf die nur vier Punkte aus sieben Bundesligaspielen und auf das wahrlich nicht gut anzuschauende Spiel in Augsburg halte ich das für sehr normal. Falsch finde ich lediglich die immer wieder aufkommenden Vergleiche mit früheren Trainern. Man müsse die Arbeit Breitenreiters nun anders bewerten, las ich, oder dass Jens Keller und André Breitenreiter nach zehn solcher Pflichtspiele längst in der Luft zerrissen worden wären.
Das ist meines Erachtens unlauter. Zum einen, weil im Nachhinein jede schlechte Phase immer erträglicher in Erinnerung bleibt als sie sich akut anfühlte, und weil hierbei die akute Erfolglosigkeit Weinzierls mit offensichtlich verblassenden Erinnerungen verglichen wird. Zum anderen, weil es schlicht unfair ist, Trainer, die zumindest eine Saison Zeit für ihren Eindruck hatten, Markus Weinzierl gegenüberzustellen, der bislang nur für 10 Pflichtspiele verantwortlich war. Letztlich sind solche Vergleiche nur eine Kritik am aktuellen Trainer, kaschiert mit einem Feigenblatt angeblicher Objektivität oder Fairness gegenüber den früheren Verantwortlichen.

Ich selbst bin weit davon entfernt, Markus Weinzierl als irgendwie schwach, schlecht oder falsch zu erachten. Schalke fehlen sechs Punkte. Spiele wie die gegen Bayern München, Nizza und Borussia Mönchengladbach haben aber gezeigt, dass nichts grundsätzlich verkehrt läuft. Wie viele andere Schalker bin ich der immer gleichen Beißreflexe gegen den Trainer nach solch kurzen Misserfolgsphasen müde. Mut macht mir aktuell das Wirken des Clubs, der sich anders darstellt als zuvor in ähnlichen Situationen.

Aus dem Aufsichtsrat gibt es keine Statements zu lesen. Der Vorstand Sport/Kommunikation ist präsent und äußert nichts, was den Trainer irgendwie angreifbarer machen würde. Der Trainer selbst bleibt auf Pressekonferenzen nüchtern und sachlich. Das alles trägt dazu bei, dass bislang in den Medien keine krachenden Schlagzeilen gegen Schalkes Trainer zu lesen waren. Dass jeder Bundesliga-Trainer unter Erfolgsdruck steht ist vollkommen klar, dazu braucht es keine Schlagzeilen. Dass Schalke es aktuell so gut hinbekommt, sich nach Außen „cool“ zu zeigen, trägt dazu bei, dass sich Trainer und Mannschaft in relativer Ruhe auf die weiteren Aufgaben vorbereiten können.

Auch deshalb sind Thesen nach dem Muster „der Andere hätte/wäre in dieser Situation dies oder das …“ Mumpitz. Auf Schalke agiert ein Trainer nie alleine, sondern im Tandem mit dem zuständigen Vorstand, der „die Situation“ maßgeblich mitgestaltet. Christian Heidel zeigt den zuvor erhofften breiten Rücken. Er wird einen Trainer dann entlassen, wenn er den Eindruck hat, dass dieser in Zukunft die Mannschaft nicht voranbringen kann, nicht weil in der Vergangenheit Punkte liegen blieben.

Eben das schreibe ich übrigens auch Klaus Allofs in Wolfsburg zu. Dessen Entscheidung zu einem Trainerwechsel basiert sicher nicht nur auf der Wahrheit der fehlenden Punkte der aktuellen Saison. Nach 2015 hat sich die Mannschaft des VfL unter Dieter Hecking über eine komplette Saison zurückentwickelt und Allofs nun zu einem Neuanfang veranlasst. Schalkes Saison ist nach einem kompletten Neuanfang immer noch sehr jung.

Ma’abwarten.

Knappenschmieden-Überstücke

Schalke möchte den Kader seiner Regionalliga-Mannschaft ausdünnen. Wie RevierSport berichtete dürfen sich fünf Talente bei anderen Clubs vorstellen. Sollte sich Interesse ergeben, würde man ihnen keine Steine in den Weg legen. Einer dieser Spieler ist Felix Schröter (20), im Frühjahr 2015 noch Held der Schalker U19 in deren Meistersaison.

Die vier anderen Spieler sind Sven Köhler (19), Dominik Oehlers (21), Paul Stieber (19) und John Malanga (20). Auch Köhler, Stieber und Malanga gehörten zum Team Norbert Elgerts, das im Mai vergangenen Jahres im Endspiel gegen die TSG Hoffenheim die A-Junioren Meisterschaft gewinnen konnte. Damals stach aber vor allem Stürmer Felix Schröter heraus. In 38 Pflichtspielen der Meistersaison verzeichnete Felix Schröter 35 Treffer und 7 Vorlagen. Auch im Finale traf er zweimal.

Trotzdem entschied Schalke unter Cheftrainer André Breitenreiter, dass man den Platz für ein Stürmertalent im Profikader an Felix Platte vergab, statt an ihn. Um ihm Spielpraxis zu verschaffen wurde Felix Schröter im August 2015 an den Zweitligisten FC Heidenheim ausgeliehen. Die schickten ihn aber schon im Januar vorzeitig zurück. Man habe sich mehr von ihm erwartet, war aus Heidenheim zu hören. Er hätte seine Chance bekommen, aber nicht genutzt. Er würde es schwer haben, auf weitere Einsatzzeiten in der zweiten Liga zu kommen.

Nun hat Felix Schröter es sogar schwer, in der vierten Liga auf Einsatzzeiten zu kommen. In Schalkes als „U23“ bezeichneten zweiten Mannschaft stand er in den ersten drei Saisonspielen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz, danach wars vorbei. Zu den letzten fünf Spielen berief in Trainer Jürgen Luginger nicht mal mehr in den Kader.

Gerade am Beispiel Felix Schröters lässt sich nachvollziehen, dass Erfolg im Juniorenbereich keine Aussagekraft bezüglich der Karriere im Profibereich hat. Es lässt weiterhin erahnen, wie besonders es ist, dass Schalke 04 in den letzten Jahren so viele Talente ins Profigeschäft bringen konnte. Und es weist einmal mehr darauf hin, dass Fußball ein Teamsport ist, dass auch „Ausbilder Elgert“ nie nur Individuen ausbildet, sondern talentierte Jungs immer wieder aufs Neue zu einem funktionierenden Team zusammensetzt.

„The most poetic sports broadcaster of all time“

Hi, everybody, and a very pleasant good afternoon to you, wherever you may be.
Es ist Zeit für Schalke 04. #Glückauf

Ich mag Twitter und bin dort recht aktiv. Unter Schalkern ist es durchaus üblich, kurz vor dem Anpfiff von Spielen der Blauen noch ein flottes „Glückauf“ in seine Twitter-Timeline zu senden. Sei es um den anderen zu bedeuten, dass man nun live dabei ist, oder um das Glück zu beschwören. Seit Mitte der letzten Saison nutze ich die oben dargestellte, etwas ausführlichere Variante. Es sind die Worte Vin Scullys, des Broadcasters der Los Angeles Dodgers, der seit Jahrzehnten mit dem Ausruf „It’s Time For Dodger Baseball!“ und eben diesen Worten die Radio und Fernsehübertragungen seines Clubs einleitet. Kommenden Sonntag wird es dies zum letzten Mal so tun. Nach 67 Jahren beendet er seine Karriere.

Beim Fußball in Deutschland gibt es keine clubeigenen Liveübertragungen von Spielen. Die Sender stellen sich den Clubs gegenüber als neutral dar. Wir erwarten von den Kommentatoren eine gewisse Überparteilichkeit und ärgern uns, wenn wir den Kommentar als für unser Team zu schlecht erachten. Auch im Baseball in den USA gibt es landesweit übertragene Spiele mit neutralen Kommentatoren. Die überragend größere Anzahl an Liveübertragungen findet aber durch vertraglich an die einzelnen Clubs gebundene Lokalsender statt. Die dabei übertragenden Kommentatoren gehören nicht zu den Sendern, sondern zu den Clubs. Und wenn ein anderer Sender für die Übertragungen mehr bietet und ein neuer Vertrag zustande kommt, wechseln die Kommentatoren mit dem Club zum neuen Sender.

Vincent Edward „Vin“ Scully ist 88 Jahre alt. Er begann 1950 damit, die Spiele der damaligen Brooklyn Dodgers im Radio und im Fernsehen zu kommentieren. Er begleitete die Dodgers, als diese 1955 mit Jackie Robinson, dem ersten Farbigen im amerikanischen Profisport, die World Series gewannen. Er begleitete die Dodgers, als diese 1958 von Brooklyn nach Los Angeles, Kalifornien umzogen. Er wurde die „Stimme der Dodgers“ und die „Stimme LA’s“ und blieb es bis heute.

Aber es ist nicht die Dauer seiner Tätigkeit, die Vin Scully besonders macht. Es ist seine Art, die Spiele zu begleiten. Bei TV-Übertragungen ist es üblich, dass zwei Kommentatoren als Team arbeiten. Vin Scully arbeitet stets alleine. Vin Scully kommentiert auch nicht nur für die TV Zuschauer, er kommentiert im „simulcast“, das heißt dass seine Stimme sowohl im TV, als auch in der Radio Übertragung zu hören ist. Entsprechend muss er stets das Spiel beschreiben und kann sich nicht darauf verlassen, dass die Bilder den Zuschauern den Stand der Dinge erklären.

Nun mögen sich hierzulande viele nicht mit Baseball auskennen und glauben, dass in diesem Sport eh nicht viel passiert, dass es da wenig zu beschreiben gäbe. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das Duell zwischen Werfer und Schlagmann ist eine ständige Pokerpartie, bei der jeder Wurf wichtig ist und erwähnt werden muss. Das zu beschreiben fesselt den Kommentator ans Geschehen. Trotzdem ist Vin Scully aber vor allem für seine Geschichten berühmt, die er „um die Spielbeschreibung herum“ zu erzählen versteht wie niemand zuvor und wohl auch niemand nach ihm.

Die Los Angeles Times nannte ihn den „most poetic sports broadcaster of all time“. Vin Scully spricht schöne Sätze. Vin Scully behandelt stets jeden Protagonisten mit Respekt. Vin Scully sagt die richtigen Worte zur richtigen Zeit.

Vor 5 Tagen wurde José Fernandez aus dem Leben gerissen. Der Pitcher der Miami Marlins war 24 Jahre jung und kam bei einem Bootsunfall zu Tode. In allen Stadien der US-amerikanischen Baseball Profiliga gab es Trauerbekundungen, alle Baseballfans im Land waren schockiert. Beim Spiel der Dodgers thematisierte auch Vin Scully den jungen Werfer. In seiner Art schwärmte er von dessen Können und schloss mit der kleinen Geschichte, dass José Fernandez vor einem Jahr bei Twitter einen Tweet abgesetzte, in dem er die Frage schrieb: „Wenn Du ein Buch mit der Story Deines Lebens bekommst, würdest Du das Ende lesen?“ Ein typisches Scully-Ding. Klein, leise. Aber den richtigen Ton und das richtige Gefühl zu Situation treffend.

Es sind liebevolle kleinen Geschichten zu Baseballmenschen, die es nirgends zu lesen gibt, die während der Spiele von Vin Scully erzählt werden. Einmal philosophierte er während eines Innings über die Geschichte der Bartmode. Einmal erzählte er, wie das Leben Mike Mathenys, des Managers der St. Louis Cardinals, dadurch verändert wurde, dass ihm ein Vogel auf den Kopf gekackt hat. Er, der jeden in diesem Sport kennt, der zu jedem eine Geschichte weiß. Und über den andersrum auch jeder im Baseball eine Geschichte erzählen kann, weil jeder ihm über die Jahre irgendwann begegnete. In einem großartigen Online-Stück hat ESPN solche Geschichten über ihn gesammelt und veröffentlicht.

Am vergangenen Sonntag hatte Vin Scully zum letzten Mal ein Heimspiel der Los Angeles Dodgers kommentiert. Als wäre ein Drehbuch dazu geschrieben worden konnte das Team in diesem Spiel den Einzug in die Playoffs klarmachen und den Divisionstitel feiern, durch einen Homerun im 10. Inning, der „Verlängerung“, sozusagen. Ich saß bis 2 Uhr nachts vor dem Fernseher und mochte mich nicht lösen.

Am kommenden Sonntag, dem 2. Oktober, wird Vin Scully das letzte Saisonspiel der Dodgers bei den San Francisco Giants kommentieren. Er hatte früh erklärt, dass er keine Playoff-Spiele mehr übertragen wird, dass dieses letzte Dodgers-Spiel der regulären Saison gegen die Giants sein letztes Spiel sein wird. Und es wäre nicht Vin Scully, wenn es dazu keine Geschichte gäbe.

Vin wuchst in New York auf. Als er 8 Jahre alt war kam er an einem Laden vorbei in dessen Schaufenster das Ergebnis des World Series Spiels an diesem Tag dargestellt wurde: New York Yankees 14, New York Giants 4. Zunächst hatte er etwas Mitleid mit den Giants, aber dieses Ereignis war sein erstes kleines Baseball-Erlebnis, aus dem seine Liebe zum Spiel wurde. Seine Schule war 20 Blocks vom Polo Ground entfernt, dem damaligen Stadion der New York Giants. Als Schüler durfte er umsonst ins Stadion, er begann damit dies montags bis freitags zu tun und wurde großer Fan der Giants. Das besagte World Series Spiel fand am 2. Oktober 1936 statt.

Sein letztes Spiel als Broadcaster wird also exakt 80 Jahre nach diesem ersten Baseballerlebnis stattfinden. Ein Spiel zwischen den Giants, die einst von New York nach San Francisco umzogen und die seine ersten Liebe waren, und seinem Leben, den Dodgers.

Mir ist jetzt schon ganz schwummerig, wenn ich drüber nachdenke.

Foto: Floatjon